„Singt dem Herrn ein neues Lied“ – oder auch nicht

Hier vor Ort ist es unüblich in der Messe zu singen. Es gibt auch keine Gesangsbücher oder ähnliches. (Na gut, sonntags liegen manchmal Hefte mit neuen geistlichen Liedern unmotiviert in den Bänken, aber keine Nummern sind irgendwo angeschlagen und im Heft selbst finden sich auch nur die Texte ohne Noten – also quasi unbrauchbar.)
Gut, der Antwortpsalm wird inzwischen auch in Deutschland leider viel zu oft nur gesprochen, aber ein gesprochenes Hallelujah find ich irgendwie albern. Ähnlich wie das Gloria oder Sanctus.
Für letztere gibt es hier aber so etwas wie ein Standard-Lied, das sogar ich inzwischen auch ohne Noten mitsingen kann und ich tue es im Gegensatz zum Rest der Gemeinde aus Leibeskräfte, denn mir fehlen die Lieder im Gottesdienst so…

Gestern ging es offenbar nicht nur mir so, denn eine Frau aus der ersten Bank stimmte zur Gabenbereitung ein Liedchen an. Die Gemeinde sichtlich überrascht. Mit dem Pfarrer schien es abgesprochen zu sein, allerdings nicht die Anzahl der Strophen, denn schon zwei Mal wollte er ansetzen zum Gabengebet, aber die „Vorsängerin“ hatte noch einige Strophen auf Lager 😉
Ermutigt durch diese gesangliche Eigeninitiative fühlte sich nun eine andere Frau bemüßigt zur Kommunion offenbar ihr Lieblingslied anzustimmen, die Gemeinde fiel leidlich mit ein. Aber man kennt das ja, die erste Stophe, klar, die kriegt man noch hin, die zweite auch, aber dann – gehört dieser Text zur dritten oder erst zur vierten, geht die Melodie am Ende nach oben oder nicht? Ich muss nicht gesondert erwähnen, dass es natürlich auch keine Orgel gibt, oder? So wusste natürlich auch niemand, wie viele Strophen man nun singt und jeder, dem noch etwas einfiel, sang so vor sich hin. Und so schallte ein kakophonisches Meisterwerk empor, aber Gott wird schon etwas damit anzufangen wissen.

Bleibt die Erkenntnis, dass die Leute hier offenbar doch gern singen wollen, aber es fehlt an Büchern, Organisten und Vorsängern. Und das in einem Land mit 85 % Katholiken… Manchmal hat Diaspora auch was gutes: In meiner Heimatgemeinde (4 % Katholiken) gibt es auch wochentags immer einen Organisten.

Advertisements

Heiliger Pfarrer von Oz oder Der Zauberer von Ars

Über Pro Spe Salutis bin ich auf das Heiligenziehen von Kirche in Not aufmerksam geworden.
Den Brauch kannte ich bisher zwar nicht, aber für sowas bin ich immer zu haben. Habe auch extra bis zum Abend gewartet und nicht noch schnell im Morgenstreß meinen Heiligen geklickt, obwohl die Neugier groß war.

Geworden ist es der Heilige Pfarrer von Ars.

Ars – August 2004 – Statue der Begegnung mit dem Hirtenjungen (wikipedia)

Und obwohl ich mit eigentlich nichts von seinem Leben und Wirken weiß, bin ich sehr zufrieden mit diesem Los. Als Kind habe ich die Allerheiligen-Litanei geliebt! (Ich tue es immer noch. Welche eine Freude und Ehre war es, als ich mit der Jugendschola den Vorsängertext singen durfte!) Und der Pfarrer von Ars war mir (neben meiner Namenspatronin natürlich) der liebste dabei.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihn für die katholische Version des Zauberers von Oz hielt.
Ohne das Buch gelesen zu haben oder seinen Inhalt zu kennen, war es für mich eines der schönsten Kinderbücher im Schrank meiner Schwester. Der Titel so magisch, so geheimnis- und verheißungsvoll.
So nun auch „mein“ Heiliger fürs Neue Jahr.

Ich bin gespannt, wie der Heilige Pfarrer von Ars mich begleiten und was er mir mit erhobenem Zeigefinger (oder vielleicht auf Gott deutend?) wie dem Hintenjungen sagen wird. Ich werde berichten.

Wenn jemand Literaturtipps o.ä. hat, freu ich mich über einen Kommentar.

Die Kraft eines Abendliedes

Heute Abend auf dem Balkon bei einem Glas Weißbier (von zu Hause 🙂 ), überlegte ich kurz, ob Vesper oder freies Abendgebet, als mir einige Zeilen eines Liedes einfielen, was meine Mama mir früher abends manchmal am Bett vorgesungen hat.

Bei uns gab es (bis ich wieviele Jahre alt war?) die Tradition, dass abend an meinem Bett, weil ich die jüngere Tochter war, gebetet oder gesungen wurde (an Vorlesen zum Einschlafen kann ich mich gar nicht erinnern).

Heute wollte ich dieses alte, jedem irgendwie vertraute Lied wieder singen. Dank google auch schnell den Text gefunden. Den ganzen Text (kann mir nicht vorstellen, dass meine Eltern früher alle Strophen gesungen haben). Ich hab mir heute selbst mein Gute-Nacht-Lied gesungen, habe an meine wunderschönen Kindertage gedacht, und es war zugleich mein Abendlob. Wie berührend diese einfachen alten Worte doch sein können:

1. Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

2. Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

3. Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

4. Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

5. Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

6. Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

7. So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Auszeit

Ich bin gerade geflüchtet aus meinem Exil. Für eine Woche ins Elternhaus. Leider ist es nicht so entspannend wie erhofft. Alte Rollen, aus denen man nicht herausfindet und neue Rollen, die man noch nicht auszufüllen weiß. Aber so geht das wohl jedem, der als erwachsenes „Kind“ länger bei den Eltern zu Gast ist.

In meinem Zimmer habe ich die Noten von der „Jugendschola“ wiedergefunden, in der ich früher, in meiner Jugendzeit, gesungen habe. Diese Zeit fehlt mir sehr. Die wöchtenlichen Treffen mit (katholischen) Freunden, das Singen, das ganz selbstverständlich katholisch sein und darüber reden. Klar, es war auch die Zeit der Pubertät und wir waren keine Engel, aber das gehört (noch) nicht hierher.

Ich habe also ein paar der alten Lieder mehr schlecht als recht auf dem alten, verstimmten Klavier gespielt und das tat gut. Nun überlege ich, wie ich das Klavier mit ins Exil nehmen kann. Denn Gott singend zu loben, ihm zu danken – das fällt mir oft leichter als durch Gebet und Bibellesen.

Hier der Text eines Liedes, was mich heute (und damals auch schon) sehr berührt hat (Melodie auch sehr ruhig, getragen, tief):

Erquicke mich durch Deinen Geist und fülle mich,
denn ich bin schwach und brauche Deine Kraft.
Nimm mich in Deine Arme und schütze mich,
denn ich bin voller Angst und Furcht.

So will ich Deinen Segen empfangen,
mich heilen lassen durch dein Wort.

Ich traue auf Dich,
denn Du bist der Fels, auf den ich bau,
und alles, was ich bin, bin ich durch dich.

T + M: Ekkehard Höfig; (C) Immanuel Verlagsgesellschaft