Gott be-greifen

Der post spukt mir schon länger im Kopf herum, heute zum Fest des Hl. Apostel Thomas passt er nun zufällig auch ganz gut.

Thomas, der nicht glauben konnte ohne zu sehen, ohne zu berühren, der nicht glauben konnte, ohne es zu begreifen, zu be-greifen.

Wir müssen glauben ohne zu sehen und wir kennen wohl alle Momente des Zweifelns, in denen wir nur zu gern unsere Hand in Jesu Seite legen würden. Thomas steht sozusagen stellvertretend für uns alle, die wir uns manchmal schwer tun mit dem Glauben, er hat für uns bezeugt „Mein Herr und mein Gott!“

Dazu der Hymnus von der heutigen Vesper aus dem Te Deum:

Mein Herr und mein Gott,
auch wir Zweifler
wollen begreifen,
das Unfassliche berühren.

Den Finger in die Wunde legen –
das musste einer tun,
nie verstummten Zweifel hegen –
das durfte nicht unterbleiben.
Wo kämen wir sonst vor
in diesem Stück.

Lade uns ein,
die Zögernden vom Rand,
dann tasten wir uns zurück
bis an dein Herz,
dieses Tor –
sperrangelweit offen für alle,
die nicht sehen und doch glauben.

C.D.

Als ich heute den Text aus dem Johannesevangelium las, ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass wir gar nicht erfahren, ob Thomas tatsächlich die Wundmale Jesu berührt hat. Jesus fordert ihn dazu auf – und irgendwie find ich den Gedanken schön, dass das vielleicht schon genug „Beweis“ für Thomas war. Und auch hier sehen wir wieder – wie bei Petrus, der auf dem Wasser läuft (Post dazu hier) – dass Jesus ihm nicht vorwirft gezweifelt zu haben, wieder reicht Jesus seinem Jünger die Hand und ermutigt ihn zum Glauben!

Verstehen und begreifen sind im Deutschen Synonyme und dadurch kann man dieses schöne Wortspiel machen (Weiß jemand, ob das in anderen Sprachen auch funktioniert?): Um etwas zu verstehen muss man es begreifen, greifen, mit den Händen anfassen. Als Lehrer ist mir das nicht neu, erzählen kann man viel, wenn die Schüler nicht mitmachen, nicht selbst etwas tun, bleibt nur wenig hängen. Und wie sagte schon Konfuzius:

Sage es mir und ich werde es vergessen. Zeig es mir und ich werde mich daran erinnern. Lass es mich tun und ich werde es verstehen.

Unser Glaube erscheint mir manchmal sehr verkopft und wenig greif-bar. Er ist so theoretisch, so aufgeklärt, so logisch – zumindest sollte er am besten so sein. Wir wollen verstehen – aber nur mit dem Kopf, nicht begreifen mit den Händen.

In Italien ist Religion, ist Katholisch-Sein viel alltäglicher als ich es aus meiner ostdeutschen Heimat kenne. Gottesdienste, Prozessionen, alles viel selbstverständlicher (die Qualität und Tiefe kann und will ich nicht beurteilen) und irgendwie … symbolischer.

Wenn man hier in die Kirche geht, fällt einem z. B. eine Geste sofort auf: Zum Abschluss des Kreuzzeichens wird die Hand/Faust zum Mund geführt und geküsst. Ich musste lange nach einer Erklärung dafür suchen, denn viele machen es einfach aus Gewohnheit, ohne es zu hinterfragen und ich muss gestehen, nach zwei Jahren hier, verspüre auch ich den Impuls zum „Amen!“ meine Hand mit den Lippen zu berühren, es passt auch einfach so gut. Inzwischen habe ich eine Erklärung gefunden, die mir recht logisch erscheint, auch wenn ich sie nur ohne Gewähr weitergeben kann: Man hat die Hand leicht zur Faust geballt und legt dabei den Daumen über den Zeigefinger, so dass sie ein Kreuz bilden, das Kreuz, unter das ich mich mit dem Kreuzzeichen gerade gestellt habe und dass ich nur als Zeichen der Verehrung küsse.  Nachdem ich diese Deutung weiß, mache ich es nun manchmal ganz bewusst – vielleicht probiert ihr es ja auch mal aus. 😉

Doch das ist bei weitem nicht die einzige Geste, mit der die Leute hier versuchen ihren Glauben zu begreifen: kaum eine Jesus-, Marien-, Heiligenstatue bleibt bei einem Kirchenbesuch ungeküsst. Gemälde, Rahmen, Sarkophage werden berührt, die Hand danach geküsst. Das ist mir fremd, da verspüre ich keinen Drang es ihnen gleich zu tun. (Ich war auch die einzige in der vollen Kathedrale, die bei der Karfreitagsliturgie das Kreuz nur durch eine Kniebeuge und nicht durch einen Kuss oder wenigstens eine Berührung mit der Hand verehrte.)

Ich will nicht über Vor- und Nachteile sprechen, es gibt hier wohl kein richtig oder falsch. Jeder muss/kann es so machen, wie er es will und ich bin wohl eher ein distanzierter Typ, aber trotzdem kann ich davon etwas lernen. Übrigens ist das ja kein katholisches Phänomen, die orthodoxe Kirche ist ohne das Berühren kaum vorstellbar, auch Nicht-Gläubige berühren ja bestimmte Statuen um Glück zu haben oder den Schornsteinfeger (wenn man denn noch einen trifft) und auch in anderen Religionen ist berühren selbstverständlich.

Was man sich also bewusst machen kann, ist die Bedeutung der Berührung. Wir haben nicht nur unsere Augen um zu sehen, unseren Verstand, wir haben Hände, Füße, wir können riechen, schmecken, fühlen und auch damit Gott erfahren. Es muss ja kein Kuss auf den schon ganz speckigen Fuß einer Heiligenfigur sein! Wir können Gott finden, indem wir den Wellen zuhören, dem Rascheln der Blätter, indem wir den Wind fühlen auf unserer Haut, indem wir die Arme austrecken zu unserem Vater im Himmel.

Und wir können diese Berührung weitertragen, in unsere Familien, zu unseren Freunden. Eine Umarmung, ein Schulterklopfen, ein Streicheln – es kann so viel geben. Eine kurze Berührung nur – wie es die seit 12 Jahren blutflüssige Frau mit Jesus‘ Gewand tat (hä?)- und schon sind wir geheilt.

Deswegen mag ich auch die Handkommunion, ich mag den Moment, wo der Leib Christi in meiner Hand liegt, ich kann ihn betrachten, ihn anfassen, ihn berühren und begreifen.

Also, lassen wir uns von Gott berühren, lasst uns Gott begreifen.

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„Vetrauen – trotz allem“ – Gedanken zu einem Radiovortrag

Eher durch Zufall bin ich gestern auf eine Sendung bei Radio Horeb aus der Reihe Spiritualität aufmerksam geworden: ein Vortrag von Pfarrer Werner Ludescher aus Dornbirn in Österreich zum Thema „Vertrauen – trotz allem“

Klar, dass ich mir die Sendung angehört habe, denn der Titel passt ja hervorragend zum Thema des Blogs. Auch wenn ich mir unter dem „trotz allem“ einen konkreteren Bezug zum Weiter-Vertrauen nach Schicksalsschlägen erwartet hätte, hat mir der Vortrag sehr gut gefallen. Es sind viele grundlegende Gedanken zum Thema Gottvertrauen. Deswegen will ich hier eine persönliche Zusammenfassung dieser Gedanken aufschreiben.

Wie gesagt, es sind nicht meine eigenen, aber sie lohnen sich weitergegeben zu werden. Den ganzen Vortrag kann man z.B. als mp3 auf der Seite von Radio Horeb herunterladen.

Als der Moderator den Pfarrer ankündigte und erklärte, dass man ja als Laie Priester und Ordensleute immer irgendwie als Experten auf dem Gebiet des Gottvertrauens ansieht, stellte Pfarrer Ludescher erst einmal klar, dass dem (leider) keineswegs so ist. Sondern auch er jeden Tag neu beginnen muss, jeden Tag neu vertrauen muss. (Das ist doch schon mal sehr beruhigend, oder? 😉 )

Dass Glauben und Vertrauen sehr eng zusammenhängen ist jedem irgendwie klar. Wer glaubt, kann auf Gott vertrauen und wer auf Gott vertraut, nun, der muss auch an Gott glauben. Wie eng die Beziehung zwischen Glauben und Vertrauen tatsächlich ist, war mir bis gestern aber noch nicht klar. Denn das Wort „Glaube“ vom griechischen pistis bedeutet eben auch Vertrauen.

Der Vortrag beginnt mit einer Geschichte von Don Bosco, der immer wieder Hilfe erfahren hat, indem er auf Gott vertraut hat. (So bekam er beispielsweise noch während eines fragenden Gebets an Gott das erste Haus für seine Arbeit mit Jugendlichen geschenkt.) Weitere Beispiele von Heiligen zeigen uns, dass der, der vertraut, auch Hilfe bekommt – diese Zeugnisse der Heiligen sollen uns helfen in alltäglichen Dingen das Vertrauen zu lernen.

Wir sollen dabei nicht verzweifelt beten oder gar betteln, sondern uns in aller Ruhe Gott überlassen, so wie ein Kind sich und seine Ängst auch ganz den liebenden Eltern überlässt.

Es gibt drei Arten, wie Gott unsere Gebete erhört:
1. Er sagt „Ja“ und erfüllt unsere Bitte.
2. Er lässt uns noch warten.
3. Er erfüllt unsere Bitte nicht. Weil er etwas Besseres für uns hat, etwas, was uns mehr zu unserem Heil dient, als unser derzeitiger Wunsch.

Wenn Gott uns warten lässt, dann prüft er sozusagen unser Vertrauen, er wartet, bis wir wirklich voll Vertrauen beten und nicht aus purer Verzweiflung. Er läutert damit uns und unser Vertrauen. Gott vertrauen bedeutet immer, ihm einen Vertrauensvorschuß zu geben und anzunehmen, dass er es immer und ausnahmslos besser weiß als wir und alles, was er tut, richtig und zu unserem Heil ist!

Unter diesem Aspekt betrachtete der Pfarrer auch kritisch die Bitte um Gesundheit (auch wenn er betonte, dass er uns allen natürlich Gesundheit wünscht!) und fragte, ob denn nicht auch oder gerade Zeiten der Krankheit wichtig sind für unsere innere Reife und Nähe zu Gott.
Gott meint es gut mit mir, auch wenn es mir nicht gut geht! Auch wenn er mir nicht meine Wünsche erfüllt, denn er liebt mich und kennt mich durch und durch und alles, was geschieht, hat seinen Sinn und seine Bedeutung, die aber manchmal nur Gott kennt. Gott weiß, was gut ist. Er ist der „Weber von unserem Lebensteppich“ und wenn man einem Weber über die Schulter schaut, versteht man auch nicht das Gewirr aus Fäden und Farben, doch wir können uns sicher sein, das Ergebnis ist wunderschön!

Diese Einstellung hilft uns, uns mit unserem bisherigen Leben zu versöhnen, mit Situationen, die wir nicht verstehen. Wir dürfen Gott nicht unsere Liebe entziehen, wenn er nicht macht, was wir wollen, wir müsen innerlich mitmachen und uns nicht selbst zum Bestimmer machen – wir müssen Gott Gott sein lassen!

Die kleine Therese von Liseux kann uns Vorbild sein, was es heißt, wirklich Kind Gottes zu sein. Sie ist den „kleinen Weg“ gegangen, den Weg der Liebe und des Vertrauens, indem sie anerkannte, dass sie aus sich selbst heraus nichts vermag, aus sich selbst heraus nicht heilig werden kann, dass auch alle Tugenden nur von Gott kommen.

Von ihr stammt der Satz, dass Verzweiflung dadurch entsteht, dass man zuviel an die Vergangenheit und/oder die Zukunft denkt (voll erwischt!) Deswegen betete sie: Herr, gib mir Kraft – nur für heute! Gib mir Liebe – nur für heute! Gib mir Vertrauen – nur für heute! (Stammt das wirklich von ihr? Ich konnte es im Netz nicht finden.) Wenn ich darum bitte, dann kann ich unangenehme Dinge schon vorher annehmen, Ja sagen zu negativen Erlebnissen.

Die kleine Therese sagt über sich selbst, dass sie die meisten Glaubenszeichen gesetzt hat, in Phasen als sie zweifelte an Gott und haderte mit ihm. Denn für sie ist glauben wollen schon glauben. Gott vertrauen wollen schon vertrauen (Halleluja! Herr, ich danke dir, dass ich diesen Satz hören durfte!)

Die Geschichte vom Jäger und dem weißen Hasen soll uns ermutigen, in Zeiten der Not und Bedrägnis in Gottes Arme zu springen:

Ein König, der auf die Jagd gegangen war, verfolgte einen weißen Hasen. Seine Hunde hatten ihn schon fast eingeholt. In diesem Augenblick kehrte der kleine Hase, der sich bereits verloren glaubte, plötzlich um und sprang in die Arme des Jägers. Dieser war über so viel Vertrauen betroffen und wollte sich von dem weißen Hasen nicht mehr trennen. Niemandem erlaubte er ihn anzupacken, und behielt sich die Sorge für seine Nahrung vor. Genauso wird sich Gott uns gegenüber verhalten, wenn wir verfolgt von der Gerechtigkeit – versinnbildlicht durch die Hunde – Zuflucht in den Armen unseres Richters suchen…

Pfarrer Ludescher beruhigt uns auch und sagt, dass dies immer wieder nötig sein wird, sogar mehrmals am Tag nötig sein kann. Man hat nicht einmal Gottvertrauen für immer. Sondern es sind immer wieder kleine Akte des Vertrauens nötig. Ein kleines Gebet zum Beispiel. Jesus, ich vertraue dir! Jesus, erbarme dich meiner!

Wir dürfen uns nicht der Mutlosigkeit hingeben, denn dann kann Gott nicht wirken.
Als Bibelgeschichte über Vertrauen und Mutlosigkeit erzählt der Pfarrer anschließend die Geschichte von Petrus, der auf dem Wasser zu Jesus geht. Dazu muss ich nichts schreiben, denn wie es der Zufall will, habe ich das ja vor kurzem hier und hier getan 🙂

Wir müssen lernen uns auf Jesus zu konzentrieren, unseren Blick auf Jesus zu richten und nicht auf uns und unsere Probleme, denn dann sinkt das Vertrauen, dann sinkt der Mut, dann sinken wir wie Petrus. Oftmals sind auch unsere Gebete nur eine Konzentration auf unsere Probleme. Was suche ich im Gebet? Will ich wirklich Jesus suchen, ihn schauen? Dann werde ich mehr Freude im Herzen empfinden. Nicht immer lassen sich unsere Ängste und Sorgen im Gebet wegschieben, doch wir dürfen nicht aufhören, es zu wollen und zu versuchen, eben jeden Tag neu zu beginnen.

Beten wir also nicht um leichtere Last sondern stärkere Schultern. Um mehr Liebe zu unserem Kreuz. Sagen wir „Ja“ zu Gottes Plan mit uns, denn er ist gut!

Zum Schluss gibt uns der Pfarrer noch einen konkreten Tipp fürs Gebet mit: Dass wir mehr in den Anliegen der Gottesmutter beten als in unseren eigenen. Dass wir den Rosenkranz für die Muttergottes beten und es ihr überlassen, wo und wie sie wirken will. Wir kümmern uns um ihr Anliegen, die alle Menschen zu Gott führen will, dann kümmert sie sich schon um unsere. Das kann sehr befreiend sein, wenn wir nicht überlegen müssen und uns verkrampfen, für wen und was wir alles beten „müssen“, wir können es ihr überlassen, auch sie weiß es besser!

Halte dich fest an Gott, mach’s wie der Vogel, der nicht aufhört zu singen, wenn der Ast auch bricht, denn er weiß, dass er Flügel hat. (Don Bosco)

Auch wir haben Flügel, sie sind unsere Akte des Vertrauens!

Um seinen priesterlichen Segen gebeten, betonte Pfarrer Ludescher noch einmal, dass glauben allein sehr schwierig ist und ermunterte uns, uns gegenseitig zu helfen, durch Segen und Gebet.
In diesem Sinne:

Gottes Segen begleite euch – heute! Er gebe euch Kraft – für heute, Vertrauen – für heute! Amen.

(m)ein Jahresheiliger – Zwischenbilanz

Durch einen Post von Roger Michael ist mir wieder eingefallen, dass längst ein Artikel über meinen Jahresheiligen, den Pfarrer von Ars, fällig ist. (Hä? Jahresheiliger? Guck hier.)

Nachdem zwei Kommentatoren mir eine Bibiografie zum Pfarrer von Ars empfohlen hatten, habe ich mir das Buch von Francis Trochu gekauft und auch gleich fleißig angefangen darin zu lesen. Schnell war zu merken, dass dies keine gefällige Romanbiografie ist, sondern ein sehr ambitioniertes Werk über Leben, Wirken, vor allem aber auch Ansichten und Gedanken des Pfarrers. Mit dieser Zielsetzung ist es sicher ein gutes und, wenn ich so die Beschreibungen der anderen Büchern zum Heiligen lese, einzigartiges Werk.

Meine Lesefreude wurde dadurch allerdings etwas getrübt, ich hatte einfach andere Erwartungen an das Buch, und schon die Beschreibung seiner Kindheit kam sehr „heilig“ daher. Das heißt leider auch sehr wenig menschlich. Nach meinem Empfinden. Vielleicht muss das bei Heiligen so sein, vielleicht auch bei „alten“ Heiligen, wuchs er doch zu einer Zeit auf, in der Glauben und Religion den Alltag der Menschen ganz anders bestimmten, sodass es schwer fällt, es aus heutiger Sicht nachzuvollziehen.

So war er mir der Pfarrer von Ars ziemlich fremd (aber gut, ich bin wahrscheinlich auch so gar nicht „heilig“). Bei der weiteren Lektüre sind mir aber viele Ansichten und Episoden begegnet, die mich beeindruckt haben und von denen ich mir gern etwas mitnehmen will.

  • „Wenn man kommuniziert, fühlt man etwas ganz Außerordentliches … eine Beglücktheit … einen Balsam … ein Wohlbehagen, das den ganzen Körper durchströmt … und ihn erbeben läßt. … Mit dem Heiligen Johannes müssen wir  dann ausrufen: Es ist der Herr! … O mein Gott, welch eine Freude für einen Christen, der vom hl. Tisch aufsteht und den ganzen Himmel in seinem Herzen mit sich trägt.“ (S. 36)
  • „Man muss Gott seine Arbeit, seine Schritte, seine Ruhe aufopfern. Oh, wie ist das schön, alles für den lieben Gott zu tun! Wohlan, meine Selle, wenn du mit Gott arbeitest, arbeitest du, aber er wird deine Arbeit segnen, du gehst, er aber segnet deine Schritte. Alles ist gezählt, ein unterdrückter Blick, ein versagtes Vergnügen, alles ist eingetragen. … Es gibt Menschen, die aus allem Nutzen ziehen, selbst aus dem Winter. Ist es kalt, opfern sie Gott ihre kleinen Beschwerden auf. Oh, wie ist es schön, sich Gott jeden Morgen zum Opfer darbringen zu können!“ (s. 37 f.)
  • Er trug sich nicht mit dem Plan, die ganze Welt zu bekehren, aber dieses Dorf, dessen Seelen ihm Gott anvertraut hatte, wollte er auf den richtigen Weg bringen. (S. 99)
  • über die Unwissenheit und Gleichgültigkeit in religiösen Dingen: „Ich bin sicher, dass diese eine Sünde mehr Menschen in die Hölle stürzt als alle anderen zusammen. Denn eine religiös unwissende Person erkennt nicht das Böse, das sie anrichtet, und auch nicht das Gute, das sie durch das Sündigen unterlässt.“ (S. 113)
  • „Liebend leiden ist gar kein Leid. … Dem Kreuz aber entfliehen zu wollen, heißt, sich seiner Last auszusetzen. … Man muss um Liebe zu den Kreuzen beten, dann werden sie süß. Ich habe es an mir selber während vier oder fünf Jahren erfahren. Ich wurde verleumdet, angefeindet. Oh, ich hatte Kreuze, ich hatte fast mehr, als ich zu tragen vermochte. Da habe ich mich daran gemacht, um die Liebe zum Kreuz zu beten, und ich bin so glücklich geworden, dass ich gestehen muss: Wahrhafte Beglückung ist nur im Kreuz.“ (S. 156)
  • „Meine Brüder, nicht die langen und schönen Gebete sind es, die Gott ansieht, sondern die aus der Herzenstiefe gesprochenen. … Nichts ist leichter, als zum lieben Gott zu beten, und nichts ist trostreicher.“ (S. 164)

Er war wirklich ein Seel-Sorger, der sich um die Seelen seiner „Pfarrkinder“ sorgte, sie ermahnte, unterrichtete, so wie ich kaum einen Pfarrer kenne. Das hat mir imponiert. Auch seine Einstellung zur Kommunion und zur Anbetung hat mich tief berührt. Deswegen empfiehlt ja auch die Kirche in Not zum Jahresheiligen Pfarrer von Ars als „Aktion“: Jesus im Tabernakel anbeten.

jahresheiliger

Aber es gab auch Sachen, die mich verwirrt und abgeschreckt haben. So war er strikt gegen das Tanzen, eigentlich gegen jede Art von Vergnügen (War zu der Zeit Tanzen gleichbedeutend mit „Unzucht“ oder so?). Und wer bei der Beichte „zugab“, doch noch einmal im Jahr zum Tanz zu gehen, der bekam nicht die Absolution und durfte auch nicht die Kommunion empfangen.

Auch kasteite er sich selbst und zwar teilweise so sehr, dass er seiner Gesundheit damit schadete.

Das sind zwei Punkte, an denen ich noch zu knabbern habe. Das ist noch zu gelinde ausgedrückt. Es sind Dinge, die ich nicht verstehe. Fasten, Askese – ok. Aber sich selbst kasteien? Bis zur Gesundheitsgefährdung? Wo ist da der Sinn? Wo der Wille Gottes? Deswegen ruht die Lektüre im Moment auch. Aber sie wirkt in mir, das ist ja schon mal was. Und der „empfohlenen Aktion“ bin ich auch schon nachgekommen und werde ich auch weiter tun, sicher mehr als ohne meinen Jahresheiligen.

Heiliger Pfarrer von Oz oder Der Zauberer von Ars

Über Pro Spe Salutis bin ich auf das Heiligenziehen von Kirche in Not aufmerksam geworden.
Den Brauch kannte ich bisher zwar nicht, aber für sowas bin ich immer zu haben. Habe auch extra bis zum Abend gewartet und nicht noch schnell im Morgenstreß meinen Heiligen geklickt, obwohl die Neugier groß war.

Geworden ist es der Heilige Pfarrer von Ars.

Ars – August 2004 – Statue der Begegnung mit dem Hirtenjungen (wikipedia)

Und obwohl ich mit eigentlich nichts von seinem Leben und Wirken weiß, bin ich sehr zufrieden mit diesem Los. Als Kind habe ich die Allerheiligen-Litanei geliebt! (Ich tue es immer noch. Welche eine Freude und Ehre war es, als ich mit der Jugendschola den Vorsängertext singen durfte!) Und der Pfarrer von Ars war mir (neben meiner Namenspatronin natürlich) der liebste dabei.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihn für die katholische Version des Zauberers von Oz hielt.
Ohne das Buch gelesen zu haben oder seinen Inhalt zu kennen, war es für mich eines der schönsten Kinderbücher im Schrank meiner Schwester. Der Titel so magisch, so geheimnis- und verheißungsvoll.
So nun auch „mein“ Heiliger fürs Neue Jahr.

Ich bin gespannt, wie der Heilige Pfarrer von Ars mich begleiten und was er mir mit erhobenem Zeigefinger (oder vielleicht auf Gott deutend?) wie dem Hintenjungen sagen wird. Ich werde berichten.

Wenn jemand Literaturtipps o.ä. hat, freu ich mich über einen Kommentar.

Christen und das schlechte Gewissen

Ich finde ja, Christen sind besonders prädestiniert für ein schlectes Gewissen. So viele „Du sollst“, so oft „Tu Gutes“, „Hilf den Armen, Hungernden, Kranken, Alten, Verfolgten, Gefangenen“, „Liebe Gott“, „Liebe dich selbst“. Und dann all die Heiligenerzählungen, alle so (scheinbar) perfekt und gut und fromm und gläubig. (Ich weiß, auch Heilige hatten zu kämpfen mit Zweifeln und Ängsten und Schmerzen – aber wieso liest sich selbst das immer so „heilig“?)
Wenn ein nicht-gläubiger Mensch tagelang im Bett bleibt, sich bei niemandem meldet, Geburtstage vergisst, den Abwasch nicht macht – selbst schuld, mit den Konsequenzen muss er leben. Als Christ ist da immer noch jemand, an dem wir uns ausrichten, dem wir nacheifern sollen. Ich find das manchmal ganz schön anstrengend, unschaffbar.

In so einer Verfaasung las ich vor ein paar Tagen das Kalenderblatt vom „Anderen Advent“:

Schale der Liebe

Wenn du vernünftigt bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.
Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle;
wenn nicht, schone dich.

Bernhard von Clairvaux

Genau das habe ich getan. Musste ich tun. Und dabei ist auch das Bloggen auf der Strecke geblieben. Was – vor allem wenn ein Blog noch so neu ist – sicher nicht günstig ist. Aber der Blog soll in erster Linie ja Hilfe für mich sein und mir nicht noch mehr Streß machen, auch wenn ich natürlich auf Leser und Kommentare hoffe. Aber alles zu seiner Zeit.

Heilige Maria Magdalena Postel,

durch Zufall habe ich dich und deine Schwestern kennengelernt. Die Tage in deinem Kloster haben mir so viel Kraft gegeben. Ich denke so oft daran und sehne mich dorthin zurück.

Ich habe noch nie bewusst Heilige um ihre Fürsprache gebeten. Ich weiß gar nicht recht, wie es geht. Aber ich will es versuchen und ich will glauben, dass es hilft.

Herr, ich bitte dich, nimm meine Novene zu deiner Dienerin Maria Magdalena an!

Heilige Maria Magdalena, Gottvertrauen und Barmherzigkeit bestimmten dein Leben. Bitte für mich, dass Gott mir diese Gaben schenkt. Dass ich die Zeit in meinem „Exil“ gut überstehe, dass ich aktiv und treu in meinen Vorhaben bleibe und mich nicht in Depression und Trägheit verliere.