„Wort des lebendigen Gottes“ oder doch nicht?

Heute in der Messe:
Nach der 1. Lesung: „Wort des lebendigen Gottes“ – „Dank sei Gott“
Nach der 2. Lesung: „Worte der Heiligen Schrift“ – … „D… Da… Dank sei Gott?“

Ist der Satz „Wort des lebendigen Gottes“ vorgeschrieben? Gibt es Alternativen? Kann die der Lektor selber aussuchen? Oder gibt es Texte die „nur“ Worte der Heiligen Schrift sind?

Kann da jemand liturgisch was zu sagen? Wie ist es bei euch in der Gemeinde?

Mich hat die ungewohnte Form erstmal ziemlich aus der Andacht gebracht. Muss noch überlegen, wie ich das finde.

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Auftakt

zu einer neuen (bzw. überhaupt einer) Serie auf dem Blog: Katholisch für Anfänger und Heidschnucken*

Im Artikel über mich und das Blog hab ich von meinem inneren Gespräch erzählt, der ausschlaggebend für das Schreiben dieses Blogs war. Es war ein Gespräch mit mir selbst, indem ich (in der Rolle einer fiktiven Freundin) mir selbst Fragen zu meinem Glauben stellte und diese dann natürlich auch mir selbst beantwortete. (Klingt jetzt beim Aufschreiben schizophrener als es in der Realität war 😉 )

Solche Gesprächen passieren in meiner Lebenswirklichkeit (leider) viel zu selten, aber manchmal gibt es sie doch, die Fragen „Was ist denn ein Tabernakel?“ „Ist das nicht eklig, wenn alle mit ihren Händen in das Weihwasserbecken fassen?“ Und manchmal, wenn ich meine Freundin mit in die Kirche nehme, sehe ich förmlich die Fragezeichen auf ihrer Stirn „Das ist doch alles Hokuspokus hier, oder?“

(Spannenderweise gibt es tatsächliche eine Theorie zum Ursprung des Wortes Hokuspokus, der direkt mit der katholischen Messe zu tun hat…)

Nach und nach soll hier also auf solche und ähnliche Fragen geantwortet und z.B. auch der Ablauf der Messe erklärt werden. Wenn dem ein oder anderen Leser eine Frage dazu auf den Nägeln brennt, dann nur her damit (als Kommentar z.B. hier oder per Mail, siehe Über/Kontakt). Aber bitte keine tief theologischen Fragestellungen. Ich bin Laie, ich bin einfach nur eine gläubige Katholikin, die aus ihrer Lebenswirklichkeit erzählen will.

*Bei mir zu Hause hat sich der Begriff „Heidschnucke“ (abgeleitet von Heiden) als Bezeichnung für Nicht-Gläubige etabliert. Denn Nicht-Gläubige klingt so negativ und abstrakt, so aktiv nicht-glaubend. Meine Freundin meinte in diesem Zusammenhang mal, sie sei kein Atheist, sie wisse nicht, ob es Gott gibt, aber sie könne nun mal nicht glauben, deswegen sei ihr das Wort Atheist oder Heide aber zu stark kontra und so sind wir zu Heidschnucke gekommen. Tatsächlich sind Heidschnucken übrigens Hausschafe.

Kirche: reserviert

Heute war ich eine Stunde früher in der Messe, um 9 Uhr. Normalerweise genieße ich das Ausschlafenkönnen dank 4 Messen allein am Sonntagvormittag (jaja, das italienische Exil hat auch Vorteile).

Als ich in die Kirche kam, waren die Bänke noch eher spärlich besetzt, ich war eine Viertelstunde früher da und suchte mir einen Platz im rechten vorderen Bankblock im Hauptschiff und wollte mich noch ein wenig sammeln. Da setzte sich eine ältere Dame mit (wahrscheinlich) ihrem Enkelkind neben mich und meinte: „Hier ist reserviert für die Kinder.“

Ok, gut, die sollen vorn sitzen, aufpassen, verstehen – alles klar, geh ich weiter hinter. (Die Frage: „Und wieso sitzen Sie dann hier“ kam mir so schnell auf italienisch leider nicht in den Sinn.) Ich ging also auf und suchte mir einen Platz in den Bankreihen hinter dem mittleren Quergang. Kaum saß ich, sagte eine Frau, die ebenfalls in dieser Reihe saß: „Hier ist reserviert für die Kinder.“ Wie? Hier auch noch? „Ja.“ Toll wäre eine Antwort a la „Ich bin auch ein Kind Gottes.“ gewesen, aber wem fällt sowas in der Situation schon ein…

Ich muss zugeben, ich war getroffen und wußte erstmal nicht mehr, wohin. Und so ging ich in die Seitenkapelle und kniete mich vor den Tabernakel. Ein paar Tränen konnte ich nicht vermeiden. Auch wenn es banal war, hat es einen tiefen Punkt in mir getroffen, das Gefühl abgelehnt zu werden, nicht dazu zu gehören, was ich als Kind vielleicht ein paar Mal zu oft gespürt hatte und die Angst davor. Am liebsten wäre ich wieder gegangen, in eine andere Kirche oder zum Fernsehgottesdienst nach Hause.

Auf dem Weg zum Ausgang leuchtete mich ein Platz in der vorletzten Bank an. Ok, letzter Versuch: „Ist hier frei?“ Ja. Na gut. Ich bleibe. Andacht hatte ich in der Messe kaum…
Vor allem weil sich mehr und mehr ein Gefühl der Wut einstellte, als mehr als die Hälfte der reservierten Bänke (wir reden hier von zwei Dritteln der regulären Kirchenbänke im Hauptschiff) frei blieb und die „Bankwächter“ auch nicht dafür sorgten, dass die Kinder sich doch dann wenigstens erstmal in die vorderen Reihen setzen. Stattdessen mussten immer wieder Leute sich einen anderen Platz suchen oder sich einen Stuhl zwischen oder hinter die Säulen stellen ohne Kniebank usw.

Das Getroffensein und die Wut sind verschwunden. Soooo schlimm war es ja nun auch nicht. Was bleiben sind Überlegungen zur Reservierung von Kirchenbänken und zu Kindern in der Messe.

Reserviert!

Bei besonderen Anlässen (Erstkommunion, Trauung, Taufe…) kenne ich es, dass die ersten Reihen reserviert sind, allerdings dann eindeutig mit Schild. Ok, das ist verständlich, auch wenn ich es eigentlich überlüssig finde. Wenn man zu so einem Anlass kommt und nicht zu den Angehörigen gehört, dann setzt man sich doch selbstverständlich weiter hinten hin, oder?
Aber so war es ja heute nicht, es war ein ganz normaler Sonntagsgottesdienst, der offenbar als Gemeindetradition speziell für Kinder ist. Klar, wer zur Gemeinde gehört, weiß das und setzt sich nicht „so weit“ (haha!) vorn hin. Auch in meiner deutschen Heimatgemeinde sitzen in den ersten zwei Reihen vor allem Kinder, aber durchaus auch Erwachsene, Familien eben. Aber über die Hälfte der Bänke für Kinder reservieren, die teilweise erst zum Evangelium in die Kirche gestürmt oder eben auch gar nicht kommen? Hm…

Kinder, Kinder, Kinder

Kinder in der Kirche sind ja immer ein Thema, egal ob man sie hat oder nicht. Die einen fühlen sich gestört, die anderen finden, Kinder gehören in die Kirche, den nächsten ist es ziemlich egal. Eigentlich gehör ich zur dritten Gruppe. Ich hab keine Kinder, hab also gut reden (Mütter und Väter, klärt mich auf.)

„Lasstet die Kinder zu mir kommen.“ Auch in der Kirche, zur Messe – klar. Bei kleinen Kindern versteh ich allerdings nicht recht, warum. Denn nicht selten hat die Mutter/der Vater keine Andacht um der Messe zu folgen, weil das Kind spielen, brabbeln, laufen will oder es brüllt und man geht mit ihm nach draußen. Oder es brüllt und weil Kinder ja aber dazu gehören, bleibt man trotzdem in der Kirche und kriegt nichts mit und alle um einen herum auch nicht.

Ab einem gewissen Alter ist es wichtig, dass Kinder in die Kriche mitkommen, kennenlernen, auf was sie da eigentlich getauft sind, was dieser Glauben denn bedeutet, sich vorbereiten auf ein Leben in und mit der Kirche. Und das muss für Eltern echt schwierig sein. Den Kindern einerseits die wundervolle Messe nahe zu bringen, andererseits auch dafür zu sorgen, dass sie die doch recht lange Stunde „durchhalten“.

Ist es da vorteilhaft sein Kind in die Kinderreihen abzuschieben? Mehr Kinder machen mehr Quatsch als weniger Kinder. Ein störendes Kind kann die Bemühungen von 20 andern zunichte machen. Da können die paar Aufpasser auch nicht viel machen. Als ich durch die Kinderreihen zur Kommunion gegangen bin, sah es da eher aus wie im Klassenzimmer. Hier ein Buch, da ein Rucksack, dort wird gequatscht, da sich umgedreht, dort geschubst, hier der Platz getauscht.

Ich musste als Kind nie allein bei den Kindern vorn sitzen, ich war auch viel zu schüchtern. Aber meine Eltern hatten so auch die Möglichkeit mir manches zu erklären, mir auch mal zu sagen, wie lange es denn nun noch dauert, mir zu sagen, jetzt kommt das „Vaterunser“, jetzt musst du ganz still sein usw.

Ich gebe zu, als Kind habe ich nichts verstanden von dem Wunder, was jeden Sonntag in der Messe passiert. Wahrscheinlich bis als junge Erwachsene hatte ich keine Ahnung davon. Aber die Messe gehörte dazu und ein entsprechendes Benehmen auch.
Und damit meine ich vor allem, dass ich die anderen in ihrer Andacht nicht störe. Dass da mal schnell etwas geflüstert werden muss, kein Problem! Dass man mal in der Tasche rascheln muss, ok. Dass zur Not auch mal ein Handy klingelt (das man dann natürlich schnellstmöglich ausmacht!), selbst das ist zwar nicht schön, kann aber passieren. In meiner Heimatgemeinde gab es mal einen regelrechten Streit zwischen den kinderreichen und kinderlauten Familien und den alteingesessenen älteren Gottesdienstbesuchern. Und der Pfarrer hilflos dazwischen – auch kein leichter Job.

Ich hab nichts gegen Kindergottesdienste, oft genieße ich die einfachen Bilder, Worte und Gesänge, weil sie einen Zugang zum Glauben bieten, den man als ach so aufgeklärter Erwachsener manchmal vergisst. Weil sich dort (gelegentlich) ein Glauben und Vertrauen findet, auf den man nur neidisch werden kann.

Aber jeden Sonntag? Jeden Sonntag bei der Wandlung vorn um den Altar stehen? Jeden Sonntag alles in kleine, gut verdauliche Häppchen verpackt? Jeden Sonntag nur das Bild vom „lieben“ Gott?

Ich bin noch nicht am Ende mit meinen Überlegungen. Vielleicht habt ihr ja noch ein paar Meinungen und Ansichten für mich?

„Singt dem Herrn ein neues Lied“ – oder auch nicht

Hier vor Ort ist es unüblich in der Messe zu singen. Es gibt auch keine Gesangsbücher oder ähnliches. (Na gut, sonntags liegen manchmal Hefte mit neuen geistlichen Liedern unmotiviert in den Bänken, aber keine Nummern sind irgendwo angeschlagen und im Heft selbst finden sich auch nur die Texte ohne Noten – also quasi unbrauchbar.)
Gut, der Antwortpsalm wird inzwischen auch in Deutschland leider viel zu oft nur gesprochen, aber ein gesprochenes Hallelujah find ich irgendwie albern. Ähnlich wie das Gloria oder Sanctus.
Für letztere gibt es hier aber so etwas wie ein Standard-Lied, das sogar ich inzwischen auch ohne Noten mitsingen kann und ich tue es im Gegensatz zum Rest der Gemeinde aus Leibeskräfte, denn mir fehlen die Lieder im Gottesdienst so…

Gestern ging es offenbar nicht nur mir so, denn eine Frau aus der ersten Bank stimmte zur Gabenbereitung ein Liedchen an. Die Gemeinde sichtlich überrascht. Mit dem Pfarrer schien es abgesprochen zu sein, allerdings nicht die Anzahl der Strophen, denn schon zwei Mal wollte er ansetzen zum Gabengebet, aber die „Vorsängerin“ hatte noch einige Strophen auf Lager 😉
Ermutigt durch diese gesangliche Eigeninitiative fühlte sich nun eine andere Frau bemüßigt zur Kommunion offenbar ihr Lieblingslied anzustimmen, die Gemeinde fiel leidlich mit ein. Aber man kennt das ja, die erste Stophe, klar, die kriegt man noch hin, die zweite auch, aber dann – gehört dieser Text zur dritten oder erst zur vierten, geht die Melodie am Ende nach oben oder nicht? Ich muss nicht gesondert erwähnen, dass es natürlich auch keine Orgel gibt, oder? So wusste natürlich auch niemand, wie viele Strophen man nun singt und jeder, dem noch etwas einfiel, sang so vor sich hin. Und so schallte ein kakophonisches Meisterwerk empor, aber Gott wird schon etwas damit anzufangen wissen.

Bleibt die Erkenntnis, dass die Leute hier offenbar doch gern singen wollen, aber es fehlt an Büchern, Organisten und Vorsängern. Und das in einem Land mit 85 % Katholiken… Manchmal hat Diaspora auch was gutes: In meiner Heimatgemeinde (4 % Katholiken) gibt es auch wochentags immer einen Organisten.

Betrachtungen im Gottesdienst (2) – Gott stört

Ich hatte mich ja auf einen ruhigen, „kuschligen“ Gottesdienst gefreut, bevor ich bis Weihnachten wieder ins Ausland muss. Schön gemütlich und vertraut – doch Gott ließ mir meine Ruhe nicht, er störte meine Bequemlichkeit und fordete mich nicht nur durch die Frau neben mir heraus.

Teil 2

Ich saß kaum in der Bank, genoß die Stimmung, das Licht, die Geräusche, lächelte vor mich hin und freute mich auf die Messe, da schob eine Frau einen (geistig?) schwer behinderten Mann im Rollstuhl nach vorn neben die erste Reihe. Sie setzte sich neben ihn an den Rand der ersten Bank, in mein Blickfeld. Der Mann hatte den Mund offen, etwas Spucke lief heraus und ab und an machte er eine Art Schnarchgeräusche, doch ich glaube, er war wach.

Das Bild berührte mich und störte meine Ruhe. Behinderte tun mir unendlich leid, so sehr leid, dass ich gar nicht weiß, wie ich mit ihnen umgehen soll. Ich will nicht beschämt wegschauen, aber auch nicht gaffen. Ich bin kein Voyeur oder Kathastrophentourist, aber ich bin unsicher. Wie gesagt, es stört mich in meiner gemütlich eingerichteten Welt, in der meine Probleme die größten sind, und ich weiß nicht, wohin mit meinem Mitleid. Ich will nicht ignorant erscheinen, aber auch nicht aus falschem Mitleid aktionistisch.
Aber das verlangt ja auch niemand von mir. Es waren Gottesdienstbesucher wie jeder andere auch und so lächle ich sie an, wenn sich unsere Blicke begegnen, helfe, wenn ich merke, dass ich etwas tun kann und ansonsten geht eben jeder seiner Wege.

Durch seine Laute wurde meine Aufmerksamkeit immer mal wieder auf den Mann gelenkt. Und nach der Messe sah ich, wie sich seine Frau zu ihm herüber beugte, ihn umarmte, seinen Mund abwischte und ihm etwas ins Ohr flüsterte. In diesen Gesten lag so viel Liebe und ich muss auch heute noch beim Gedanken daran lächeln.

Sie haben mir gezeigt, wie dankbar ich sein kann, wie gut es mir geht im Vergleich zu anderen. Ich danke den beiden für ihre Lektion in Dankbarkeit und Demut.
Und ich wünsche ihnen Kraft und Gottes Segen!

Betrachtungen im Gottesdienst (1) – Vom Sinn und Unsinn des Friedensgrußes

Gestern war ich noch einmal zur Abendmesse in unserer Kathedrale, bevor es für mich morgen wieder zurück geht. Ich mag die Abendmessen in der Woche dort sehr. In einer kleinen Seitenkapelle ist man ganz nah dran am Geschehen, es ist sehr intim und durch die Innenstadtlage doch auch offen und anonym – für mich eine ideale Mischung, um den Gottesdienst intensiv zu erleben.

Gestern war die Stimmung besonders schön, denn draußen dämmerte es schon und in der Kapelle brannten die Lichter – Herbstfeeling pur. Ich freute mich auf die Messe, war gespannt, was Gott mir noch auf den Weg mitgeben würde, wollte noch einmal in meiner Muttersprache ganz bewusst die Messe erleben (und das auch noch bei einem meiner Lieblingspfarrer, dessen Predigt immer eine angenehme Herausforderung für mich darstellt). Aber ganz so leicht, machte es mir Gott dann doch nicht.

Teil 1

Neben mir nahm eine junge, hübsche Frau Platz. D.h. sie nahm nicht Platz, sie verbeugte sich tief Richtung Altar, kniete sich gleich hin und versank im Gebet. Während der Messe hielt sie die meiste Zeit die Augen geschlossen. Sie saß ganz aufrecht und all ihre Antworten klangen so „salbungsvoll“. Kurz gesagt, sie war mir sehr unsympathisch. Ihr Verhalten wirkte aufgesetzt und überzogen für mich. Sie sprang regelrecht auf bei den Worten: „Lasset uns beten.“ Sie bewegte nicht einmal den Kopf, um den Pfarrer anzusehen, sondern nahm scheinbar alles ganz tief mit dem Herzen und geschlossenen Augen auf.

Und ich schämte mich.

Wer bin ich denn, dass ich über diese Frau urteile? Vielleicht stellt sie ihr Glaubensleben pharisäergleich zur Schau. Na und? Vielleicht ist es aber auch echt und dies ihr Weg Gott in der Heiligen Messe zu begegnen. Sich so auf ihn und sein Wort zu konzentrieren. Vielleicht hat sie auch  grad eine schwere Zeit oder ist unendlich dankbar für etwas. Was weiß denn ich? Und wieso wirkt sie durch einen tiefen, nach außen hin sichtbaren Glauben auf mich unsympathisch? So sehr, dass ich mich teilweise gar nicht mehr auf die Messe konzentrieren konnte. Wie kann ich mir anmaßen über jemanden zu urteilen, der mit mir und den anderen zusammen gekommen ist, um Eucharistie zu feiern?!

Ich war erschrocken über mich. Obwohl ich weiß, dass ich allergisch auf solche „Überchristen“ (oder „Neugetaufte“) reagiere. Ist es Neid, weil sie ihr Glaubensleben offenbar nicht so in Frage stellen wie ich? Weil sie sich nicht darum scheren, was die anderen denken, während ich mich oft nicht traue durch meine Gebetshaltung aufzufallen? Ich habe Angst abgestempelt zu werden, wenn ich zu gläubig und katholisch rüberkomme. Vielleicht liegt es an meinem überwiegend nicht-katholischen Freundeskreis. Es ist mir unangenehm, wenn andere merken, dass ich glaube und bete, ich komme mir dann klein und dumm vor. Aber wieso dieses Gefühl auch in der Messe? Dort, wo doch alle das gleiche glauben (also zumindest in Grundzügen…), wo klar ist, dass Gott hier ist und angebetet werden will. Wo, wenn nicht hier, sollte ich die Augen schließen und mich tief verneigen und auf Knien verharren im Gebet?! (Ich meine, natürlich bete ich in der Kirche, ich knie nieder, auch nach der Messe, auch dort, wo es nicht üblich ist, nach dem Agnus Dei noch einmal zu knien – aber nach meinem Gefühl trotzdem unauffälliger. Oder denken die anderen dann das gleiche über mich? Eine, die zur Schau stellen muss, dass ihr Glaube besser ist?)

Ich kam nicht umhin mich mit ihr zu vergleichen. Wer ist der besser Christ? Wessen Glauben ist echter, erwachsener? Wie bescheuert! Niemand kann den Glauben eines anderen beurteilen. Jeder muss seinen Weg des Glaubens und Betens und Gottesdienstes finden und wenn er diesen geht, dann ist er ein guter Christ, genauso wie er ist. Der eine mit tiefen Verbeugungen, der nächste mit Mundkommunion, der dritte mit geschlossenen Augen, der vierte im stillen Gebet zu Hause, der eine aus tiefen Herzen, der andere nur nach außen hin.

Ich darf das nicht nur sagen, sondern ich muss toleranter werden gegenüber allen, „deren Glauben du allein kennst.“ Und ich muss selbstbewusster werden auf meinem Weg des Glaubens, Betens und Gottesdienstes.

Ich überlegte gestern während der Messe, ob ich mit solch kindischen, bösen Gedanken und Gefühlen zur Kommunion gehen sollte. Doch dann kam er, der Friedensgruß. Der Teil der Messe, den ich als Kind so schrecklich fand (Schon zu Beginn der Messe der bange Blick nach links und rechts, wer denn da sitzt und wem man die Hand geben muss. In meiner Gemeinde hielten wir uns früher an den Händen und bildeten so eine Menschenkette über die Bankreihen hinweg und durch die ganze Kirche. Oft erzählte der Pfarrer dann an dieser Stelle, dass, wenn alle auf der Welt sich so an den Händen halten würden, niemand dem anderen etwas Böses tun kann, worauf ich einmal während meiner Jugendzeit prompt von meinen beiden Nachbarn einen Tritt vors Schienbein bekam… ) Inzwischen weiß ich den Friedensgruß sehr zu schätzen (trotz ab und an auftretender Unsicherheiten, wie vielen man denn so die Hand zu geben hat…).

Eine Chance zur Versöhnung, zum Frieden stiften, zum Sagen „Ich hab dich lieb.“ Vor allem, wenn um mich herum jemand sitzt, über den ich mir – ohne ihn zu kennen – ein negatives Urteil gebildet habe, gibt mir der Friedensgruß die Möglichkeit im Stillen „Entschuldigung“ zu sagen, demjenigen in die Augen zu schauen und zu lächeln, ihm Frieden zu wünschen. Ich merke immer öfter, dass der Friendesgruß mein Herz wieder rein und ruhig macht, das Wünschen des Friedens mir selbst Frieden gibt.

Mein Friedensgruß kam von Herzen. Die Frau sah mich an aus offenen Augen und lächelte mir zu. Es war gut. Ich fand sie nicht mehr doof oder eingebildet. Ich konnte „in Frieden“ zur Kommunion gehen. Und ich danke ihr für diese Lektion.

ZDF-Fernsehgottesdienst

Gerade eben war ich in der Kirche. Virtuell. Ich habe den Gottesdienst im Fernsehen bzw. übers Internet mitgefeiert. Und ich bin tief berührt.

Liegt es daran, dass ich im Moment einfach wahnsinnig nach Gottesdiensten, spirituellen Impulsen in deutscher Sprache lechze? Nach Gottesdiensten mit Musik und Gesang? Hätte mich jeder andere Fernsehgottesdienst auch so beeindruckt? Keine Ahnung. Ist auch egal. Fakt ist, dieser heute hat es.

Die Gestaltung der Kirche, die Worte aus der Heiligen Schrift, die Predigt, die Fürbitten, vor allem aber – und das habe ich bisher noch nie erlebt – das gesungene (und ich meine dabei nicht den kirchentypischen Gesang zu Hochfesten – wie nennt man das eigentlich?) Hochgebet mit immer wieder eingeschobenem Ruf „Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir…“

Ich kann mir vorstellen, dass gerade das in eher konservativen Kreisen nicht gut ankommt, weil bei der Wandlung und den Einsetzungsworten keine Instrumente ablenken sollen oder so. Bei mir hat es die Aufmerksamkeit stärker als sonst auf dieses Geschehen gelenkt. Es wurde ganz deutlich, dass dieser Teil des Gottesdienstes etwas besonderes ist (ich denke, das wäre sogar Heidschnucken aufgefallen).

Vielleicht hat es mich auch so sehr berührt, weil ich im Moment so meine Probleme mit der Eucharistie, der Realpräsenz Christi in der Hostie und den Voraussetzungen zum Empfang der Kommunion habe und gerade sehr intensiv nach einem leisen Verstehen dieses Geheimnisses suche.

Auf jeden Fall tat der Gottesdienst mir sehr gut und ich freue mich, dass er in der Mediathek noch verfügbar sein wird. Auch wenn ich bisher aufgezeichnete Gottesdienste nicht ansehen wollte. Das ist ja so ähnlich wie bei einem Fußballspiel, das schon längst vorbei ist. Gilt ein aufgezeichneter Segen überhaupt?

Egal. Die Worte sind zeitlos und unbegrenzt gültig. Und wenn es mir mal wieder richtig schlecht geht, dann hoffe ich, dass ich die Kraft habe, den Gottesdienst anzumachen und mich berühren zu lassen von den Worten, die mir versprechen, dass Jesus bei mir ist und mich nicht allein läßt mit meinem Kreuz. Amen.