​ Mich gibt es nicht – katholische Lesben gesucht

Ich bin inzwischen in einer neuen Stadt, in einem neuen Bistum. In einer neuen Gemeinde. Bin ich das wirklich? Ist es nicht üblich, Neuzugezogene in der Gemeinde willkommen zu heißen, wenigsten mit einem Brief? Vielleicht auch zu einem Begegnungsabend einzuladen? Wenigstens auf Gruppen in der Gemeinde aufmerksam zu machen? Offenbar nicht. In meiner alten Gemeinde war es so, oder? Naja, ist, wie es ist.
Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, in einer neuen Gemeinde anzukommen. Wie wohl, angenommen, sicher man sich fühlt, wenn man in einer Gemeinde groß wird.
Da ich mich nicht mit der Situation abfinden will und mehr Kontakt suche als nur anonymen Gottesdienstbesuch, hab ich fleißig gesucht nach Angeboten, die was sein könnten. Und siehe da: Für „mich“ gibt es da kaum was. Unverheiratet, kinderlos, um die 30. Im Dekanat Dresden etablierte sich vor einiger Zeit ein Kreis für „junge Erwachsene“, so etwas gibt es hier nicht.
Der gut katholische Weg geht wohl nach der Jugend in Familien- und Hauskreise. Aber was machen die, die eben keine Familie sind?
Ich hab mir dann mal die Gottesdienstbesucher genauer angeschaut: Kinder – ja, Jugendlich – auch, Familien – klar, ältere Leute – viele. Wo sind Leute in meinem Alter?
Liegt es daran, dass ich immer noch in der ostdeutschen Diaspora bin? Wobei ich fast fürchte, dass es in gutkatholischen Gegenden eher noch schlimmer als besser aussieht.

Gut, ich bin ja nun zugegebenermaßen noch ein spezieller Fall: lesbisch und katholisch – das gibt es nicht. MICH gibt es eigentlich nicht. Inzwischen hab ich ein bisschen offensiver nach Leuten wie mir gesucht, jetzt kenn ich immerhin schon evangelische Lesben. Aber katholische? Ja, im Internet stößt man mal auf eine kurze Meldung hier und da. Es gibt auch das Netzwerk katholischer Lesben (natürlich nicht da, wo ich bin…), aber persönlich hab ich noch keine kennengelernt. Deswegen an dieser Stelle ein kleiner Aufruf: Du bist katholisch und lesbisch? Und idealerweise auch noch aus dem Osten? Und so zwischen 20 und 40? Dann melde dich doch mal bei mir! 🙂

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„Wort des lebendigen Gottes“ oder doch nicht?

Heute in der Messe:
Nach der 1. Lesung: „Wort des lebendigen Gottes“ – „Dank sei Gott“
Nach der 2. Lesung: „Worte der Heiligen Schrift“ – … „D… Da… Dank sei Gott?“

Ist der Satz „Wort des lebendigen Gottes“ vorgeschrieben? Gibt es Alternativen? Kann die der Lektor selber aussuchen? Oder gibt es Texte die „nur“ Worte der Heiligen Schrift sind?

Kann da jemand liturgisch was zu sagen? Wie ist es bei euch in der Gemeinde?

Mich hat die ungewohnte Form erstmal ziemlich aus der Andacht gebracht. Muss noch überlegen, wie ich das finde.

„Singt dem Herrn ein neues Lied“ – oder auch nicht

Hier vor Ort ist es unüblich in der Messe zu singen. Es gibt auch keine Gesangsbücher oder ähnliches. (Na gut, sonntags liegen manchmal Hefte mit neuen geistlichen Liedern unmotiviert in den Bänken, aber keine Nummern sind irgendwo angeschlagen und im Heft selbst finden sich auch nur die Texte ohne Noten – also quasi unbrauchbar.)
Gut, der Antwortpsalm wird inzwischen auch in Deutschland leider viel zu oft nur gesprochen, aber ein gesprochenes Hallelujah find ich irgendwie albern. Ähnlich wie das Gloria oder Sanctus.
Für letztere gibt es hier aber so etwas wie ein Standard-Lied, das sogar ich inzwischen auch ohne Noten mitsingen kann und ich tue es im Gegensatz zum Rest der Gemeinde aus Leibeskräfte, denn mir fehlen die Lieder im Gottesdienst so…

Gestern ging es offenbar nicht nur mir so, denn eine Frau aus der ersten Bank stimmte zur Gabenbereitung ein Liedchen an. Die Gemeinde sichtlich überrascht. Mit dem Pfarrer schien es abgesprochen zu sein, allerdings nicht die Anzahl der Strophen, denn schon zwei Mal wollte er ansetzen zum Gabengebet, aber die „Vorsängerin“ hatte noch einige Strophen auf Lager 😉
Ermutigt durch diese gesangliche Eigeninitiative fühlte sich nun eine andere Frau bemüßigt zur Kommunion offenbar ihr Lieblingslied anzustimmen, die Gemeinde fiel leidlich mit ein. Aber man kennt das ja, die erste Stophe, klar, die kriegt man noch hin, die zweite auch, aber dann – gehört dieser Text zur dritten oder erst zur vierten, geht die Melodie am Ende nach oben oder nicht? Ich muss nicht gesondert erwähnen, dass es natürlich auch keine Orgel gibt, oder? So wusste natürlich auch niemand, wie viele Strophen man nun singt und jeder, dem noch etwas einfiel, sang so vor sich hin. Und so schallte ein kakophonisches Meisterwerk empor, aber Gott wird schon etwas damit anzufangen wissen.

Bleibt die Erkenntnis, dass die Leute hier offenbar doch gern singen wollen, aber es fehlt an Büchern, Organisten und Vorsängern. Und das in einem Land mit 85 % Katholiken… Manchmal hat Diaspora auch was gutes: In meiner Heimatgemeinde (4 % Katholiken) gibt es auch wochentags immer einen Organisten.

Auszeit

Ich bin gerade geflüchtet aus meinem Exil. Für eine Woche ins Elternhaus. Leider ist es nicht so entspannend wie erhofft. Alte Rollen, aus denen man nicht herausfindet und neue Rollen, die man noch nicht auszufüllen weiß. Aber so geht das wohl jedem, der als erwachsenes „Kind“ länger bei den Eltern zu Gast ist.

In meinem Zimmer habe ich die Noten von der „Jugendschola“ wiedergefunden, in der ich früher, in meiner Jugendzeit, gesungen habe. Diese Zeit fehlt mir sehr. Die wöchtenlichen Treffen mit (katholischen) Freunden, das Singen, das ganz selbstverständlich katholisch sein und darüber reden. Klar, es war auch die Zeit der Pubertät und wir waren keine Engel, aber das gehört (noch) nicht hierher.

Ich habe also ein paar der alten Lieder mehr schlecht als recht auf dem alten, verstimmten Klavier gespielt und das tat gut. Nun überlege ich, wie ich das Klavier mit ins Exil nehmen kann. Denn Gott singend zu loben, ihm zu danken – das fällt mir oft leichter als durch Gebet und Bibellesen.

Hier der Text eines Liedes, was mich heute (und damals auch schon) sehr berührt hat (Melodie auch sehr ruhig, getragen, tief):

Erquicke mich durch Deinen Geist und fülle mich,
denn ich bin schwach und brauche Deine Kraft.
Nimm mich in Deine Arme und schütze mich,
denn ich bin voller Angst und Furcht.

So will ich Deinen Segen empfangen,
mich heilen lassen durch dein Wort.

Ich traue auf Dich,
denn Du bist der Fels, auf den ich bau,
und alles, was ich bin, bin ich durch dich.

T + M: Ekkehard Höfig; (C) Immanuel Verlagsgesellschaft