Beten!

Was soll man sonst tun angesichts der Nachrichten aus aller Welt, gefangen in der eigenen Ohnmacht.

Friedensrosenkranz (gemopst von der Ankerperlenfrau)

Jesus, bei dessen Geburt Engel den Frieden verkündeten

Jesus, der unsere Schritte auf den Weg des Friedens lenkt

Jesus, der selig gepriesen hat, die Frieden stiften

Jesus, der seine Jünger gesandt hat, den Frieden zu bringen

Jesus, der uns seinen Frieden hinterlassen hat

(c) donsutherland1 mit creative commons bei flickr.com

(c) donsutherland1 mit creative commons bei flickr.com

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„Vetrauen – trotz allem“ – Gedanken zu einem Radiovortrag

Eher durch Zufall bin ich gestern auf eine Sendung bei Radio Horeb aus der Reihe Spiritualität aufmerksam geworden: ein Vortrag von Pfarrer Werner Ludescher aus Dornbirn in Österreich zum Thema „Vertrauen – trotz allem“

Klar, dass ich mir die Sendung angehört habe, denn der Titel passt ja hervorragend zum Thema des Blogs. Auch wenn ich mir unter dem „trotz allem“ einen konkreteren Bezug zum Weiter-Vertrauen nach Schicksalsschlägen erwartet hätte, hat mir der Vortrag sehr gut gefallen. Es sind viele grundlegende Gedanken zum Thema Gottvertrauen. Deswegen will ich hier eine persönliche Zusammenfassung dieser Gedanken aufschreiben.

Wie gesagt, es sind nicht meine eigenen, aber sie lohnen sich weitergegeben zu werden. Den ganzen Vortrag kann man z.B. als mp3 auf der Seite von Radio Horeb herunterladen.

Als der Moderator den Pfarrer ankündigte und erklärte, dass man ja als Laie Priester und Ordensleute immer irgendwie als Experten auf dem Gebiet des Gottvertrauens ansieht, stellte Pfarrer Ludescher erst einmal klar, dass dem (leider) keineswegs so ist. Sondern auch er jeden Tag neu beginnen muss, jeden Tag neu vertrauen muss. (Das ist doch schon mal sehr beruhigend, oder? 😉 )

Dass Glauben und Vertrauen sehr eng zusammenhängen ist jedem irgendwie klar. Wer glaubt, kann auf Gott vertrauen und wer auf Gott vertraut, nun, der muss auch an Gott glauben. Wie eng die Beziehung zwischen Glauben und Vertrauen tatsächlich ist, war mir bis gestern aber noch nicht klar. Denn das Wort „Glaube“ vom griechischen pistis bedeutet eben auch Vertrauen.

Der Vortrag beginnt mit einer Geschichte von Don Bosco, der immer wieder Hilfe erfahren hat, indem er auf Gott vertraut hat. (So bekam er beispielsweise noch während eines fragenden Gebets an Gott das erste Haus für seine Arbeit mit Jugendlichen geschenkt.) Weitere Beispiele von Heiligen zeigen uns, dass der, der vertraut, auch Hilfe bekommt – diese Zeugnisse der Heiligen sollen uns helfen in alltäglichen Dingen das Vertrauen zu lernen.

Wir sollen dabei nicht verzweifelt beten oder gar betteln, sondern uns in aller Ruhe Gott überlassen, so wie ein Kind sich und seine Ängst auch ganz den liebenden Eltern überlässt.

Es gibt drei Arten, wie Gott unsere Gebete erhört:
1. Er sagt „Ja“ und erfüllt unsere Bitte.
2. Er lässt uns noch warten.
3. Er erfüllt unsere Bitte nicht. Weil er etwas Besseres für uns hat, etwas, was uns mehr zu unserem Heil dient, als unser derzeitiger Wunsch.

Wenn Gott uns warten lässt, dann prüft er sozusagen unser Vertrauen, er wartet, bis wir wirklich voll Vertrauen beten und nicht aus purer Verzweiflung. Er läutert damit uns und unser Vertrauen. Gott vertrauen bedeutet immer, ihm einen Vertrauensvorschuß zu geben und anzunehmen, dass er es immer und ausnahmslos besser weiß als wir und alles, was er tut, richtig und zu unserem Heil ist!

Unter diesem Aspekt betrachtete der Pfarrer auch kritisch die Bitte um Gesundheit (auch wenn er betonte, dass er uns allen natürlich Gesundheit wünscht!) und fragte, ob denn nicht auch oder gerade Zeiten der Krankheit wichtig sind für unsere innere Reife und Nähe zu Gott.
Gott meint es gut mit mir, auch wenn es mir nicht gut geht! Auch wenn er mir nicht meine Wünsche erfüllt, denn er liebt mich und kennt mich durch und durch und alles, was geschieht, hat seinen Sinn und seine Bedeutung, die aber manchmal nur Gott kennt. Gott weiß, was gut ist. Er ist der „Weber von unserem Lebensteppich“ und wenn man einem Weber über die Schulter schaut, versteht man auch nicht das Gewirr aus Fäden und Farben, doch wir können uns sicher sein, das Ergebnis ist wunderschön!

Diese Einstellung hilft uns, uns mit unserem bisherigen Leben zu versöhnen, mit Situationen, die wir nicht verstehen. Wir dürfen Gott nicht unsere Liebe entziehen, wenn er nicht macht, was wir wollen, wir müsen innerlich mitmachen und uns nicht selbst zum Bestimmer machen – wir müssen Gott Gott sein lassen!

Die kleine Therese von Liseux kann uns Vorbild sein, was es heißt, wirklich Kind Gottes zu sein. Sie ist den „kleinen Weg“ gegangen, den Weg der Liebe und des Vertrauens, indem sie anerkannte, dass sie aus sich selbst heraus nichts vermag, aus sich selbst heraus nicht heilig werden kann, dass auch alle Tugenden nur von Gott kommen.

Von ihr stammt der Satz, dass Verzweiflung dadurch entsteht, dass man zuviel an die Vergangenheit und/oder die Zukunft denkt (voll erwischt!) Deswegen betete sie: Herr, gib mir Kraft – nur für heute! Gib mir Liebe – nur für heute! Gib mir Vertrauen – nur für heute! (Stammt das wirklich von ihr? Ich konnte es im Netz nicht finden.) Wenn ich darum bitte, dann kann ich unangenehme Dinge schon vorher annehmen, Ja sagen zu negativen Erlebnissen.

Die kleine Therese sagt über sich selbst, dass sie die meisten Glaubenszeichen gesetzt hat, in Phasen als sie zweifelte an Gott und haderte mit ihm. Denn für sie ist glauben wollen schon glauben. Gott vertrauen wollen schon vertrauen (Halleluja! Herr, ich danke dir, dass ich diesen Satz hören durfte!)

Die Geschichte vom Jäger und dem weißen Hasen soll uns ermutigen, in Zeiten der Not und Bedrägnis in Gottes Arme zu springen:

Ein König, der auf die Jagd gegangen war, verfolgte einen weißen Hasen. Seine Hunde hatten ihn schon fast eingeholt. In diesem Augenblick kehrte der kleine Hase, der sich bereits verloren glaubte, plötzlich um und sprang in die Arme des Jägers. Dieser war über so viel Vertrauen betroffen und wollte sich von dem weißen Hasen nicht mehr trennen. Niemandem erlaubte er ihn anzupacken, und behielt sich die Sorge für seine Nahrung vor. Genauso wird sich Gott uns gegenüber verhalten, wenn wir verfolgt von der Gerechtigkeit – versinnbildlicht durch die Hunde – Zuflucht in den Armen unseres Richters suchen…

Pfarrer Ludescher beruhigt uns auch und sagt, dass dies immer wieder nötig sein wird, sogar mehrmals am Tag nötig sein kann. Man hat nicht einmal Gottvertrauen für immer. Sondern es sind immer wieder kleine Akte des Vertrauens nötig. Ein kleines Gebet zum Beispiel. Jesus, ich vertraue dir! Jesus, erbarme dich meiner!

Wir dürfen uns nicht der Mutlosigkeit hingeben, denn dann kann Gott nicht wirken.
Als Bibelgeschichte über Vertrauen und Mutlosigkeit erzählt der Pfarrer anschließend die Geschichte von Petrus, der auf dem Wasser zu Jesus geht. Dazu muss ich nichts schreiben, denn wie es der Zufall will, habe ich das ja vor kurzem hier und hier getan 🙂

Wir müssen lernen uns auf Jesus zu konzentrieren, unseren Blick auf Jesus zu richten und nicht auf uns und unsere Probleme, denn dann sinkt das Vertrauen, dann sinkt der Mut, dann sinken wir wie Petrus. Oftmals sind auch unsere Gebete nur eine Konzentration auf unsere Probleme. Was suche ich im Gebet? Will ich wirklich Jesus suchen, ihn schauen? Dann werde ich mehr Freude im Herzen empfinden. Nicht immer lassen sich unsere Ängste und Sorgen im Gebet wegschieben, doch wir dürfen nicht aufhören, es zu wollen und zu versuchen, eben jeden Tag neu zu beginnen.

Beten wir also nicht um leichtere Last sondern stärkere Schultern. Um mehr Liebe zu unserem Kreuz. Sagen wir „Ja“ zu Gottes Plan mit uns, denn er ist gut!

Zum Schluss gibt uns der Pfarrer noch einen konkreten Tipp fürs Gebet mit: Dass wir mehr in den Anliegen der Gottesmutter beten als in unseren eigenen. Dass wir den Rosenkranz für die Muttergottes beten und es ihr überlassen, wo und wie sie wirken will. Wir kümmern uns um ihr Anliegen, die alle Menschen zu Gott führen will, dann kümmert sie sich schon um unsere. Das kann sehr befreiend sein, wenn wir nicht überlegen müssen und uns verkrampfen, für wen und was wir alles beten „müssen“, wir können es ihr überlassen, auch sie weiß es besser!

Halte dich fest an Gott, mach’s wie der Vogel, der nicht aufhört zu singen, wenn der Ast auch bricht, denn er weiß, dass er Flügel hat. (Don Bosco)

Auch wir haben Flügel, sie sind unsere Akte des Vertrauens!

Um seinen priesterlichen Segen gebeten, betonte Pfarrer Ludescher noch einmal, dass glauben allein sehr schwierig ist und ermunterte uns, uns gegenseitig zu helfen, durch Segen und Gebet.
In diesem Sinne:

Gottes Segen begleite euch – heute! Er gebe euch Kraft – für heute, Vertrauen – für heute! Amen.

Hilfe in den Bergen

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? (Psalm 121)

Noch nie habe ich diese Zeilen so innig gebetet wie gestern.
Ich war auf Wandertour. Extra schon um 6 aufgebrochen, um die Tour bis zur größten Mittagshitze beendet zu haben. Ich war gut vorbereitet – so dachte ich – mit Proviant, Wasser, Karten, Wegbeschreibung und freute mich auf einen Vormittag ganz in Gottes schöner Natur, nur mit mir, meinen Gedanken, meinem Hund.

Nach einem wunderschönen Start bei aufgehender Sonne und fröhlichem Vogelgezwitscher ging es mit flotten Schritten, einem Lächeln auf dem Mund und das Herz voller Dank an den Schöpfer „im Frühtau zu Berge“. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die Beschreibungen im Wanderführer nicht so präzise sind, wie gedacht, dass meine Karten ebenfalls zu ungenau, mein Orientierungssinn zu verstädtert und der Wasserbedarf des Hundes viel zu groß und der Wasservorrat entsprechend zu klein ist. Zu viel Zeit verlor ich beim Anstrengenden Auf und Ab auf der Suche nach dem richtigen Weg.

An dieser Stelle muss ein kleiner Exkurs über das Wandern auf Sardinien erfolgen: Es hat wenig mit Wandern in z.B. Deutschland zu tun. Hier gibt es fast noch keine Wanderkultur und dementsprechend keine Wanderinfrastruktur. Es gibt quasi keine Wegweiser, nur wenige Markierungen, die nicht gepflegt werden und daher teilweise verblasst oder lückenhaft sind, es existieren keine guten Wanderkarten, nur alte unübersichtliche Militärkarten und auch mit den immer mehr werdenden Wanderführer – so sehr sie um eine genaue Beschreibung bemüht sind – bleibt Wandern hier immer ein Abenteuer. Der beschriebene Wanderweg ist einer von unzähligen Hirten- und Tiertrampelpfaden und von diesen kaum zu unterscheiden. Es mag viele faszinieren, sich so archaisch in der Natur zu bewegen. Meine Art des Wanderns ist es nicht. Ich liebe die Natur, die Einsamkeit in der Natur, aber ich will meinen Kopf beim Wandern frei bekommen, die Gedanken kommen und gehen lassen – und das geht nicht, wenn ich die ganze Zeit dermaßen konzentriert auf den Weg achten muss.

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Such den Hund… äh, such den Weg.

So beschloss ich die Tour abzubrechen, auf gleichem Weg zuzrückzugehen. Doch auch diesen Weg fand ich nicht mehr. Der berüchtigte „point of no return“ war erreicht. Es half nichts, ich musste weiter.

Ich will jetzt nicht mit Details langweilen, denn es ist ja kein Wander-Blog, sondern einer, in dem es um Gott gehen soll. Kurz gesagt, ich hatte mich vollkommen verlaufen. Ich war irgendwo. Irgendwo Mitten im Nichts, irgendwo auf der Karte und ich hatte Angst. Richtig Angst. Ich war nicht gut genug vorbereitet und ich war meinem Hund ein schlechter Rudelführer. Das Wasser war fast alle, die Sonne brannte, der Hund hechelte sich die Zunge aus dem Leib, ich fürchtete einen Sonnenstich und kein Plan, kein Mensch, keine Ahnung. Mein Angstkreislauf setzte sich in Gang und steigerte sich bis zur Panikattacke. Ich konnte nicht mehr in Ruhe überlegen, mir einen Überblick verschaffen. Ich lief kopflos in verschiedenen Richtungen, kratzte mir die Beine am Gestrüpp auf, brach zusammen.

Da half nur noch beten.

Welch Ironie (oder…?), dass ich mir am Abend zuvor den Psalm 121 aufgeschrieben hatte, um während des Wanderns vielleicht ein wenig über ihn nachzudenken. Ich habe so von Herzen gebetete, wie lange nicht mehr. Geschrieen. Gefleht. (Ein kleiner Einschub: Ich befand mich zu keiner Zeit in Lebensgefahr, die Zivilisation war nicht unendlich weit entfernt – aber das zählt in dem Moment einer Panikattacke nicht…)
Schließlich bin ich mit Gottes Hilfe und dank der modernen Technik, mit der ich meiner Freundin meinen Standort durchgeben konnte und die mich dann auf einen Weg gelotst hat, gut beim Auto angekommen. Auch der Hund hat es – bis auf einen ordentlichen Muskel“kater“ – gut überstanden.

Herr, ich danke dir von ganzem Herzen! Es war eine Lektion in Demut und im Vertrauen an dich. Du verlässt mich nicht, du führst mich auf den rechten Weg! Dank sei dir, dass alles gut ausgegangen ist und auch dass ich den mir anvertrauten Hund gut wieder nach Hause bringen konnte!

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich im Moment ganz besonders für all die Wanderer und Pilger bete. Dabei kam mir den Text eines Abendliedes, das meine Eltern früher oft vor dem Einschlafen mit mir gesungen haben, in den Sinn: „Müde bin ich, geh zur Ruh“ Als ich nach dem Text suchte, merkte ich, dass ich meiner Familie offenbar ein ganz eigener Schlusssatz existiert: Statt „Laß den Mond am Himmel stehn und die stille Welt besehn!“ heißt es bei uns „Laß den Mond am Himmel stehn und kein‘ Wandrer irregehn.“

Mond hinter Wolken am Abend

(c) Michael Mr172 mit creative commons von flickr.com

Vielleicht hab ich es nicht oft genug gesungen… Es soll heute Abend mein Nachtgebet sein.

Übrigens, als ich gestern die Vesper betete, konnte ich wieder einmal feststellen, dass Gott durchaus Humor hat. Denn wie lautetet die Antiphon zum ersten Psalm?

„Wie Berge Jerusalem rings umgeben, so ist der Herr um sein Volk, von nun an auf ewig.“

Amen und gute Nacht.

Laudes zum Mitnehmen

Leider nehme ich mir viel zu selten die Zeit die Laudes zu beten. Lieber doch noch ein halbes Stündchen im Bett dösen. Ach, und dann muss ja erst der Hund raus und dann will das Frühstück gemacht (und natürlich auch gegessen) werden und dann hab ich das Gefühl, es ist schon zu spät für das Morgenlob.

Dabei merke ich immer, wenn ich die Laudes bete, wie gut mir dieses Gebet am Morgen tut, wie es mir Ruhe und Kraft gibt für den Tag.

Es ist so, wie in dem Gedicht von Wilhelm Bruners aus dem Andere Zeiten-Adventskalender:

Ergebnis

Nach dem
morgendlichen Gang
über die Psalmbrücke

drehe ich mich
nicht mehr um
die eigene Achse

ich atme
die alten Heilworte
in meine Tagängste

und bin
guter Hoffnung

Fester Vorsatz: Ich will die Laudes regelmäßig beten. Wie ich die Gassirunde und das Frühstück besser einplane, muss ich noch überlegen.

Und ich will die Laudes, die „alten Heilworte“ mitnehmen in meinen Tag, denn viel zu oft, verschwindet das hoffnungsvolle Gefühl nach dem „Gang über die Psalmbrücke“ viel zu schnell im Alltag. Deswegen schreibe ich mir zwei, drei Verse aus den Psalmen (oder auch der Lesung) auf ein kleines Kärtchen. Verse, die mich besonders angesprochen haben, die mir Hoffnung geben oder mir Ansporn sein sollen. Dieses Kärtchen wandert dann in meine Hosentasche, sodass es immer griffbereit ist und mir „Brücke“ sein kann zurück zur Ruhe und Kraft des Morgens.

Heute sind es übrigens diese:

Er wird Segen empfangen vom Herrn und Heil von Gott seinem Helfer. (Psalm 24)

Er züchtigt und hat auch wieder Erbarmen, er führt hinab in die Unterwelt und führt auch wieder zum Leben. (Tob 13)

Singt dem Herr ein neues Lied, greift voll in die Saiten und jubelt laut. (Psalm 33)

Die Sache mit dem Fasten – Teil 2

Die Sache mit dem Fasten ging nach dem letzten Post ziemlich schief.

Weil ich so unzufrieden mit meinen Gebets- und Bibelleseverhalten war, hab ich mir ja vorgenommen, die Texte genauer zu bedenken, mir beim Beten Zeit zu nehmen, still zu werden, zu hören statt zu plappern.

Tja, was hab ich also getan?

Ich habe gar nicht mehr gebetet und gar nicht mehr in der Bibel gelesen. Ich habe mir die Zeit nicht genommen (oh ja, ich hätte sie zu genüge gehabt), denn da muss ja noch der Brief geschrieben werden und einkaufen muss ich noch und jetzt sind grade so viele Gedanken in meinem Kopf und nein, jetzt bin ich zu müde und beim Beten einschlafen, das geht doch nicht. Also lieber gar nicht beten. Was nicht heißen soll, dass ich die anderen Sachen getan hätte. Statt Briefe zu schreiben, habe ich ferngesehen, statt einkaufen zu gehen, im Internet gesurft, statt zu schlafen, habe ich gelesen. Drei Tage sind so ins Land gegangen, an denen ich seit dem Aufstehen aufs Schlafengehen gewartet habe.

Fast scheint es mir so, dass ich Angst vor der Stille habe, vor dem, was ich „hören“ könnte.

Ich schreibe auch seit Wochen kein Tagebuch mehr, obwohl ich weiß, dass es mir gut tun würde. Angst, vor den Gedanken, die dabei kommen könnten?

Ich habe gemerkt, wie sehr mir Gott in diesen Tagen gefehlt hat. Ich habe an ihn gedacht, ihn auf später vertröstet, mich entschuldigt, dass es heute wieder nichts wird mit dem Gebet. Aber ich fühlte mich so fern von ihm.

Nun weiß ich, dass ein geplappertes Stundengebet wichtig für mich ist, dass ich es brauche um bei Gott zu bleiben, dass, auch wenn der konkrete Psalmtext nicht lange in meinen Gedanken, geschweige denn in meinem Herzen bleibt, er mir hilft, dass Gott in meinen Gedanken bleibt, mein Herz bei Gott bleibt.

Und als ich heute morgen aufgestanden und zur Hunderunde raus bin, voll guter Vorsätze und Vorfreude auf einen Tag wieder mit Bibellektüre und Stundengebet, da schenkte mir der Himmel einen wunderschönen Regenbogen! Danke!

Herr, ich muss das stille, betrachtende, hörende Gebet noch lernen. Sei du mein Lehrer. (Oder schicke mir jemanden, der mich lehrt.) Und bis dahin nimm mein Plappern an!

Die Sache mit dem Fasten

Der 1. Fastensonntag. Ich sitze noch im Schlafanzug auf dem Sofa. Gut, immerhin war ich schon mit dem Hund draußen (Nein, nicht im Pyjama, den hab ich unter ner weiter Hose und Jacke versteckt) und hab unterwegs die Laudes gebetet. Draußen hatte ich einen kurzen Anflug von „Oh, welch schönes Wetter heute, wir machen einen Ausflug.“ (Sonne, 10 Grad), aber nun nach dem Frühstück zurück auf dem Sofa ist dieser Antrieb längst wieder verschwunden und ein Tag zwischen Sofa und Bett, mit viel Internet und Fernsehen erscheint viel verlockender.

Fühlt sich nicht sehr fastlich an. Na gut, es ist ja auch Sonntag. Tag des Herrn. Tag der Ruhe, des Genießens. Aber genieße ich denn, wenn ich zu Hause die Zeit versurfe und -schlafe?

Nee, tu ich nicht. Weiß ich genau, auch schon vorher. Mach’s trotzdem.

😦

Mir fehlt noch mein Fastenvorhaben. Mit dem Rauchen hab ich schon vor einem halben Jahr aufgehört. Trinken tu ich gezwungenermaßen seit ein paar Wochen auch nicht mehr. Damit fallen die zwei klassischen Verzichtsmöglichkeiten schon weg. Auf Kaffee verzichten? Oder gar Schokolade? Wirklich?! Gilt es, wenn man den Schokoladenkonsum durch Chips ersetzt?

Wichtiger als das Fasten soll mir aber eigentlich das Hinwenden zu Gott sein. Schon seit einiger Zeit bete ich recht regelmäßig Laudes und Vesper, oft auch den Angelus und die Komplet. Ich schaffe auch jeden Tag meine Bibellektüre, im Moment sogar mit großer Freude und Leichtigkeit. Aber bin ich wirklich mit dem Herzen dabei? Empfinde ich es als Wort Gottes? Bete ich wirklich?

Nein, ich lese die Kapitel weg, ohne sie wirken zu lassen. Ich lese die Kommentare in meinem Andachtsbuch dazu, ohne sie zu verinnerlichen. Ich „plappere“ beim Beten. Die Psalmen, ich rattere sie herunter. Beim Vaterunser denke ich schon an den Abwasch. Beim Angelus ans Mittagessen.

So geht es mir nicht nur bei Bibellese und Gebet. Auch bei ganz weltlichen Dingen. Ich sehe einen Film und kann mich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern. Ich lese ein Buch und kann mich beim nächsten Mal nicht erinnern, wo ich grade bin. Ich surfe im Netz, lese mich durch meine Blogroll, damit der Reader wieder auf „Null“ steht, aber welchen Post lese ich denn wirklich.

Ich zersteue mich, muss immer etwas tun. Keine Zeit zum Nachdenken. Einfach in Ruhe irgendwo sitzen, die Landschaft anschauen, Gedanken kommen und gehen lassen? Nee, mach ich nicht.
Warum?

Das soll mein Fastenvorhaben sein: Dinge, die ich tue, bewußt tun. Mir danach Zeit nehmen, sie zu bedenken. Gott eine Chance beim Beten geben mit mir zu reden. Wenn ich bete gleicht es oft einem Den-Tag-Revue-passieren-lassen. Das war gut, das nicht, da habe ich gefehlt, das wünsche ich mir. Aber das weiß Gott doch, er kennt mein Herz genau, weiß, was ich brauche. Beten heißt Gespräch und nicht Monolog.

Herr, hilf mir ruhig zu werden, Ruhe zuzulassen und auszuhalten. Sprich zu mir. Ich will dich hören.

„Vater unser“ ohne Imperativ

Schon vor einiger Zeit beim Betrachten des Vaterunsers hab ich mich gefragt, warum all diese Bitten im Imperativ stehen. Denn (vielleicht abgesehen vom ersten Satz, den wir wohl zu oft vergessen) all das ist mir doch von Gott schon zugesichert.

Sein Wille geschieht. Er sorgt für mein tägliches Brot. Er vergibt die Schuld. Er führt nicht in Versuchung. – Nicht weil ich das will, sondern Gott will es und tut es.

Nachdem ich mich ein bißchen belesen habe, habe ich die Erklärung gefunden, dass durch die Verwendung des Imperativs dieser Wille Gottes zu meinem Willen wird. Auch mache ich mir durch das Gebet bewusst, dass nicht ich es in der Hand habe, sondern alles von Gott kommt.
Es liegt mir fern das Gebet des Herrn auseinander zu nehmen. Aber mir hat es einen ganz neuen Zugang zum Vaterunser gebracht, als ich den Text einmal ganz im Indikativ gebetet habe (und wie gesagt, theologisch kann da nichts falsch dran sein). Gerade mit dieser Form wird deutlich wie sehr wir uns auf Gott verlassen können, wie sehr wir Gott vertrauen können.

Vater unser im Himmel,
dein Name ist heilig,
dein Reich kommt,
dein Wille geschieht
wie im Himmel so auf Erden.
Du gibst uns unser tägliches Brot,
du vergibst uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Du führst uns nicht in Versuchung,
sondern erlöst uns von dem Bösen.