„7 Wochen anders leben“ …

so lautet die Fastenaktion von andere Zeiten, deren Adventskalender ich liebe, weswegen ich auch bei den Fastenbriefen mitmache.
Im Gegensatz zur Aktion der evangelischen Kirche (7 Wochen ohne) gibt es dabei kein konkretes Fastenziel.
Und doch schwingt bei diesen Aktionen und auch bei den verschiedenen Fastenvorhaben, von denen man jetzt so hört und liest, immer eins mit: Ich will anders leben. Besser. So wie ich eigentlich sein will.
Dazu passt das Zitat von Horvàth:

«Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.»

Aber das ist doch eigentlich Quatsch. Ja, man soll in der Fastenzeit auf etwas verzichten oder etwas anderes bewusst tun. Ja, man soll immer versuchen, ein etwas besser Mensch zu werden. Aber in erster Linie sollte man doch der sein, der man ist. Man Ich sollte mich davor hüten, zu viele Vorsätze in die Fastenzeit zu packen: ohne Internet leben und mehr beten und entrümplen und den Haushalt in Ordnung halten und mehr draußen sein und Gutes tun und weniger über andere urteilen und …
Ich werde in diesen sieben Wochen nicht mein Leben und auch nicht meine Persönlichkeit ändern. Sonst würde die Fastenzeit so enden und die Vorhaben so verpuffen wie die guten Vorsätze zu Neujahr. Wenn ich etwas grundlegend in meinem Leben ändern will, dann sollte ich dies langsam angehen und unabhängig von äußeren Terminen o.ä. Denn die gaukeln einem eine falsche Gewissheit vor, auf der man sich ausruht und weniger investiert und dann wird doch nix. Das ist zumindest meine Erfahrung mit mir selbst bisher 😉
Joggen, ja ja, damit fang ich in Italien an. Haushalt in Ordnung halten, ja, das mach ich in der neuen Wohnung. Ja, Pustekuchen.

Klar, ich wäre auch gern anders. Besser. Aber vielleicht sollte das eigentliche Ziel lauten: Sei so, wie du bist. Akzeptier dich so, wie du bist. Liebe dich so, wie du bist.
„Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST.“ Den zweiten Teil dieses Satzes scheinen wir oft zu ignorieren. Unsere eigenen Fehler und Schwächen können wir offenbar nur schlecht annehmen. Bei anderen können wir sie ignorieren, tolerieren, als liebevolle Macke abtun. Ja, wir ermuntern andere, die mit ihren Schwächen hadern, sogar dazu, sie nicht zu ernst zu nehmen. Aber uns selbst gegenüber scheinen wir oft gnadenloser zu sein. Ja, ich spreche von mir: Meine Ansprüche an mich machen mich manchmal ganz schon fertig, sie setzen mich unter Druck. Und ich scheitere an ihnen, was einen Kreislauf aus schlechtem Gewissen und Resignation in Gang setzt.

Das alles soll nicht heißen, dass wir einfach so bleiben sollen, wie wir nun mal sind. Nein, wie schon gesagt, natürlich sollen wir immer danach streben besser zu werden, heilig zu werden. Aber jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Ein Beispiel: Immer wenn ich ein paar Tage Urlaub im Kloster verbringe, merke ich, wie sehr mir die Struktur des Tages gut tut. Das regelmäßige Stundengebet, die festen Essenszeiten. Jedesmal fahre ich ab mit dem Vorsatz, diese Struktur in meinem Alltag zu übernehmen. Jedesmal bin ich bisher daran gescheitert.
Langsam erkenne ich, dass es nicht in erster Linie an mir und mangelndem Einsatz bei zu großer Trägheit lag, sondern an den, wie soll ich’s sagen, äußeren Umständen. Es ist mit Partner, Arbeit, Familie, Freunden, Besorgungen nicht möglich einen so festen Tagesablauf wie in einem Kloster zu haben. Ich sollte nicht versuchen, ein Leben zu imitieren, sondern das, was ich dabei als gut erkannt habe, an meine konkrete Situation angepasst zu übertragen.

Im Tageskalender war neulich ein Spruch zu lesen:

Lerne zu werden, der du bist! (Pindar)

Der hat mich sehr angesprochen. Leider fehlt das Lehrbuch dazu: Werden, der ich bin, in 30 Tagen. Ich muss noch darüber nachdenken, wie das aussehen kann, ja, WER ich denn bin.
Aber eins ist klar, ich kann nicht meinen Nächsten lieben, wenn ich mich selbst nicht liebe. Ich kann andere nicht annehmen, wenn ich mich selbst nicht annehmen kann.

  • Wer bin ich?

Meine Frage zur Fastenzeit.

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Fastenvorhaben: offline!

Auf Salomes Blog hab ich es schon angesprochen, mein diesjähriges Fastenvorhaben: Ich will aufs Internet verzichten.

Also, nicht ganz. Mails muss und werde ich checken, ich muss mich ja bewerben usw. Aber sonst nix. Kein facebook, keine blogs (weder aktiv noch passiv), kein googlemaps um Adressen zu suchen, keineVideos, keine minutenaktuellen Nachrichten, kein Regenradar, vor allem aber kein wirklich sinnloses Rumsurfen, ohne wirklich etwas zu suchen, einfach nur um die Zeit tot zu schlagen. Also nicht, dass ich so nicht tolle Seiten und Infos gefunden hätte, aber ehrlicherweise muss ich gestehen: Es ist zu viel. Zu viel Zeit, die verloren geht, zu viele Infos, die ich eh nicht verarbeiten kann. (Schon allein auf meinem feedreader wächst die Zahl der „saved for later“ jeden Tag – aber wann soll ich die Artikel denn lesen?!)

Ich bin gespannt, wie es mein Leben beeinflusst. Vielleicht vereinsame ich, weil Freunde sich heutzutage ja meist über facebook verabreden. Vielleicht verpasse ich unglaublich wichtige Nachrichten. Vielleicht werde ich ständig zu spät kommen, weil ich mich verlaufe.

Ich bin gespannt, wie sehr unser Leben vom Internet beeinflusst ist (ohne dass wir es noch merken). Wie erfährt man Abfahrtszeiten von Bussen und Bahnen? Gibt es noch die dicken Fahrplanbücher? Wie hat man früher eine Adresse in einer fremden Stadt gefunden? Wie kriegt man raus, welches Angebot die Suppenbar gerade hat? Wie fühlt es sich an, wenn man nicht immer und überall jede, wirklich jede Information zur Verfügung hat?

Vor allem bin ich gespannt, was ich mit der freien Zeit anfangen werde. Denn es soll ja ein Fasten für mich sein und kein kommunikationswissenschaftliches socialmedia-Experiment. Und ein Fasten für Gott. Ich hoffe, ich werde die Zeit für Gebet und Meditation nutzen. Wieder regelmäßig das Stundengebet beten, ohne App! (Neulich saß doch in der Kirchenbank vor mir wirklich jemand mit Tablet… Ich hoffe, sie hat wirklich die Bibelonline oder die Stundenbuchapp genutzt!) Da ich keinen Fernseher habe, fällt auch das Fernsehen weg, wenn es kein Internet gibt. Bleibt Lesen. Freunde treffen (verabredet per Telefon, ohne whatsapp). Wandern (Tour mit Karte ohne Navi geplant).

Ich werd also auch nicht mehr auf euren Blogs auftauchen in diesen Wochen. Bei einigen wird es mir sehr fehlen!!! Bei anderen, die ich wider besseren Wissens noch in meinem Reader habe, werde ich froh sein, denn meist rege ich mich ja doch nur über die Artikel auf…

Eigene Artikel werd ich auch nicht veröffentlichen, aber ich hoffe, dass ich einige offline vorbereite. Denn es gibt jetzt schon so viele Themen, die mir durch den Kopf gehen (die schon angedeutete Interpretation von Bibelstellen zum Thema Homosexualität, das Unding geschlossener (Autobahn-)Kirchen, die Ohnmacht der Menschen gegenüber all dem Leid, die wundersame Verwandlung netter Christenmenschen zu sarkastischen Kommentatoren hinter einer Tastatur, die Ansprüche an einen selbst, die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit – hach, ob 7 Wochen reichen?) Ich muss aufpassen, mir nicht zu viel vornehmen, sonst wird nix, nur ich frustriert.

Also heißt der Plan ganz einfach: Ohne Internet offen sein. Für mich, für Gott und zur Not auch mal für Langeweile!

(m)ein Jahresheiliger – Zwischenbilanz

Durch einen Post von Roger Michael ist mir wieder eingefallen, dass längst ein Artikel über meinen Jahresheiligen, den Pfarrer von Ars, fällig ist. (Hä? Jahresheiliger? Guck hier.)

Nachdem zwei Kommentatoren mir eine Bibiografie zum Pfarrer von Ars empfohlen hatten, habe ich mir das Buch von Francis Trochu gekauft und auch gleich fleißig angefangen darin zu lesen. Schnell war zu merken, dass dies keine gefällige Romanbiografie ist, sondern ein sehr ambitioniertes Werk über Leben, Wirken, vor allem aber auch Ansichten und Gedanken des Pfarrers. Mit dieser Zielsetzung ist es sicher ein gutes und, wenn ich so die Beschreibungen der anderen Büchern zum Heiligen lese, einzigartiges Werk.

Meine Lesefreude wurde dadurch allerdings etwas getrübt, ich hatte einfach andere Erwartungen an das Buch, und schon die Beschreibung seiner Kindheit kam sehr „heilig“ daher. Das heißt leider auch sehr wenig menschlich. Nach meinem Empfinden. Vielleicht muss das bei Heiligen so sein, vielleicht auch bei „alten“ Heiligen, wuchs er doch zu einer Zeit auf, in der Glauben und Religion den Alltag der Menschen ganz anders bestimmten, sodass es schwer fällt, es aus heutiger Sicht nachzuvollziehen.

So war er mir der Pfarrer von Ars ziemlich fremd (aber gut, ich bin wahrscheinlich auch so gar nicht „heilig“). Bei der weiteren Lektüre sind mir aber viele Ansichten und Episoden begegnet, die mich beeindruckt haben und von denen ich mir gern etwas mitnehmen will.

  • „Wenn man kommuniziert, fühlt man etwas ganz Außerordentliches … eine Beglücktheit … einen Balsam … ein Wohlbehagen, das den ganzen Körper durchströmt … und ihn erbeben läßt. … Mit dem Heiligen Johannes müssen wir  dann ausrufen: Es ist der Herr! … O mein Gott, welch eine Freude für einen Christen, der vom hl. Tisch aufsteht und den ganzen Himmel in seinem Herzen mit sich trägt.“ (S. 36)
  • „Man muss Gott seine Arbeit, seine Schritte, seine Ruhe aufopfern. Oh, wie ist das schön, alles für den lieben Gott zu tun! Wohlan, meine Selle, wenn du mit Gott arbeitest, arbeitest du, aber er wird deine Arbeit segnen, du gehst, er aber segnet deine Schritte. Alles ist gezählt, ein unterdrückter Blick, ein versagtes Vergnügen, alles ist eingetragen. … Es gibt Menschen, die aus allem Nutzen ziehen, selbst aus dem Winter. Ist es kalt, opfern sie Gott ihre kleinen Beschwerden auf. Oh, wie ist es schön, sich Gott jeden Morgen zum Opfer darbringen zu können!“ (s. 37 f.)
  • Er trug sich nicht mit dem Plan, die ganze Welt zu bekehren, aber dieses Dorf, dessen Seelen ihm Gott anvertraut hatte, wollte er auf den richtigen Weg bringen. (S. 99)
  • über die Unwissenheit und Gleichgültigkeit in religiösen Dingen: „Ich bin sicher, dass diese eine Sünde mehr Menschen in die Hölle stürzt als alle anderen zusammen. Denn eine religiös unwissende Person erkennt nicht das Böse, das sie anrichtet, und auch nicht das Gute, das sie durch das Sündigen unterlässt.“ (S. 113)
  • „Liebend leiden ist gar kein Leid. … Dem Kreuz aber entfliehen zu wollen, heißt, sich seiner Last auszusetzen. … Man muss um Liebe zu den Kreuzen beten, dann werden sie süß. Ich habe es an mir selber während vier oder fünf Jahren erfahren. Ich wurde verleumdet, angefeindet. Oh, ich hatte Kreuze, ich hatte fast mehr, als ich zu tragen vermochte. Da habe ich mich daran gemacht, um die Liebe zum Kreuz zu beten, und ich bin so glücklich geworden, dass ich gestehen muss: Wahrhafte Beglückung ist nur im Kreuz.“ (S. 156)
  • „Meine Brüder, nicht die langen und schönen Gebete sind es, die Gott ansieht, sondern die aus der Herzenstiefe gesprochenen. … Nichts ist leichter, als zum lieben Gott zu beten, und nichts ist trostreicher.“ (S. 164)

Er war wirklich ein Seel-Sorger, der sich um die Seelen seiner „Pfarrkinder“ sorgte, sie ermahnte, unterrichtete, so wie ich kaum einen Pfarrer kenne. Das hat mir imponiert. Auch seine Einstellung zur Kommunion und zur Anbetung hat mich tief berührt. Deswegen empfiehlt ja auch die Kirche in Not zum Jahresheiligen Pfarrer von Ars als „Aktion“: Jesus im Tabernakel anbeten.

jahresheiliger

Aber es gab auch Sachen, die mich verwirrt und abgeschreckt haben. So war er strikt gegen das Tanzen, eigentlich gegen jede Art von Vergnügen (War zu der Zeit Tanzen gleichbedeutend mit „Unzucht“ oder so?). Und wer bei der Beichte „zugab“, doch noch einmal im Jahr zum Tanz zu gehen, der bekam nicht die Absolution und durfte auch nicht die Kommunion empfangen.

Auch kasteite er sich selbst und zwar teilweise so sehr, dass er seiner Gesundheit damit schadete.

Das sind zwei Punkte, an denen ich noch zu knabbern habe. Das ist noch zu gelinde ausgedrückt. Es sind Dinge, die ich nicht verstehe. Fasten, Askese – ok. Aber sich selbst kasteien? Bis zur Gesundheitsgefährdung? Wo ist da der Sinn? Wo der Wille Gottes? Deswegen ruht die Lektüre im Moment auch. Aber sie wirkt in mir, das ist ja schon mal was. Und der „empfohlenen Aktion“ bin ich auch schon nachgekommen und werde ich auch weiter tun, sicher mehr als ohne meinen Jahresheiligen.

Die Sache mit dem Fasten – Teil 2

Die Sache mit dem Fasten ging nach dem letzten Post ziemlich schief.

Weil ich so unzufrieden mit meinen Gebets- und Bibelleseverhalten war, hab ich mir ja vorgenommen, die Texte genauer zu bedenken, mir beim Beten Zeit zu nehmen, still zu werden, zu hören statt zu plappern.

Tja, was hab ich also getan?

Ich habe gar nicht mehr gebetet und gar nicht mehr in der Bibel gelesen. Ich habe mir die Zeit nicht genommen (oh ja, ich hätte sie zu genüge gehabt), denn da muss ja noch der Brief geschrieben werden und einkaufen muss ich noch und jetzt sind grade so viele Gedanken in meinem Kopf und nein, jetzt bin ich zu müde und beim Beten einschlafen, das geht doch nicht. Also lieber gar nicht beten. Was nicht heißen soll, dass ich die anderen Sachen getan hätte. Statt Briefe zu schreiben, habe ich ferngesehen, statt einkaufen zu gehen, im Internet gesurft, statt zu schlafen, habe ich gelesen. Drei Tage sind so ins Land gegangen, an denen ich seit dem Aufstehen aufs Schlafengehen gewartet habe.

Fast scheint es mir so, dass ich Angst vor der Stille habe, vor dem, was ich „hören“ könnte.

Ich schreibe auch seit Wochen kein Tagebuch mehr, obwohl ich weiß, dass es mir gut tun würde. Angst, vor den Gedanken, die dabei kommen könnten?

Ich habe gemerkt, wie sehr mir Gott in diesen Tagen gefehlt hat. Ich habe an ihn gedacht, ihn auf später vertröstet, mich entschuldigt, dass es heute wieder nichts wird mit dem Gebet. Aber ich fühlte mich so fern von ihm.

Nun weiß ich, dass ein geplappertes Stundengebet wichtig für mich ist, dass ich es brauche um bei Gott zu bleiben, dass, auch wenn der konkrete Psalmtext nicht lange in meinen Gedanken, geschweige denn in meinem Herzen bleibt, er mir hilft, dass Gott in meinen Gedanken bleibt, mein Herz bei Gott bleibt.

Und als ich heute morgen aufgestanden und zur Hunderunde raus bin, voll guter Vorsätze und Vorfreude auf einen Tag wieder mit Bibellektüre und Stundengebet, da schenkte mir der Himmel einen wunderschönen Regenbogen! Danke!

Herr, ich muss das stille, betrachtende, hörende Gebet noch lernen. Sei du mein Lehrer. (Oder schicke mir jemanden, der mich lehrt.) Und bis dahin nimm mein Plappern an!

Die Sache mit dem Fasten

Der 1. Fastensonntag. Ich sitze noch im Schlafanzug auf dem Sofa. Gut, immerhin war ich schon mit dem Hund draußen (Nein, nicht im Pyjama, den hab ich unter ner weiter Hose und Jacke versteckt) und hab unterwegs die Laudes gebetet. Draußen hatte ich einen kurzen Anflug von „Oh, welch schönes Wetter heute, wir machen einen Ausflug.“ (Sonne, 10 Grad), aber nun nach dem Frühstück zurück auf dem Sofa ist dieser Antrieb längst wieder verschwunden und ein Tag zwischen Sofa und Bett, mit viel Internet und Fernsehen erscheint viel verlockender.

Fühlt sich nicht sehr fastlich an. Na gut, es ist ja auch Sonntag. Tag des Herrn. Tag der Ruhe, des Genießens. Aber genieße ich denn, wenn ich zu Hause die Zeit versurfe und -schlafe?

Nee, tu ich nicht. Weiß ich genau, auch schon vorher. Mach’s trotzdem.

😦

Mir fehlt noch mein Fastenvorhaben. Mit dem Rauchen hab ich schon vor einem halben Jahr aufgehört. Trinken tu ich gezwungenermaßen seit ein paar Wochen auch nicht mehr. Damit fallen die zwei klassischen Verzichtsmöglichkeiten schon weg. Auf Kaffee verzichten? Oder gar Schokolade? Wirklich?! Gilt es, wenn man den Schokoladenkonsum durch Chips ersetzt?

Wichtiger als das Fasten soll mir aber eigentlich das Hinwenden zu Gott sein. Schon seit einiger Zeit bete ich recht regelmäßig Laudes und Vesper, oft auch den Angelus und die Komplet. Ich schaffe auch jeden Tag meine Bibellektüre, im Moment sogar mit großer Freude und Leichtigkeit. Aber bin ich wirklich mit dem Herzen dabei? Empfinde ich es als Wort Gottes? Bete ich wirklich?

Nein, ich lese die Kapitel weg, ohne sie wirken zu lassen. Ich lese die Kommentare in meinem Andachtsbuch dazu, ohne sie zu verinnerlichen. Ich „plappere“ beim Beten. Die Psalmen, ich rattere sie herunter. Beim Vaterunser denke ich schon an den Abwasch. Beim Angelus ans Mittagessen.

So geht es mir nicht nur bei Bibellese und Gebet. Auch bei ganz weltlichen Dingen. Ich sehe einen Film und kann mich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern. Ich lese ein Buch und kann mich beim nächsten Mal nicht erinnern, wo ich grade bin. Ich surfe im Netz, lese mich durch meine Blogroll, damit der Reader wieder auf „Null“ steht, aber welchen Post lese ich denn wirklich.

Ich zersteue mich, muss immer etwas tun. Keine Zeit zum Nachdenken. Einfach in Ruhe irgendwo sitzen, die Landschaft anschauen, Gedanken kommen und gehen lassen? Nee, mach ich nicht.
Warum?

Das soll mein Fastenvorhaben sein: Dinge, die ich tue, bewußt tun. Mir danach Zeit nehmen, sie zu bedenken. Gott eine Chance beim Beten geben mit mir zu reden. Wenn ich bete gleicht es oft einem Den-Tag-Revue-passieren-lassen. Das war gut, das nicht, da habe ich gefehlt, das wünsche ich mir. Aber das weiß Gott doch, er kennt mein Herz genau, weiß, was ich brauche. Beten heißt Gespräch und nicht Monolog.

Herr, hilf mir ruhig zu werden, Ruhe zuzulassen und auszuhalten. Sprich zu mir. Ich will dich hören.