„Ganz nah bei dir und du bei mir“

So lange war es still hier, das ist überhaupt nicht gut für einen Blog, ich weiß. Aber ich bin kein Profi-Blogger und offenbar ist das Blog-Schreiben unter den ersten Sachen, die wegfallen, wenn zu viel anderes ansteht. Und das tat es wahrlich in letzter Zeit.

Ich habe den Umzug zurück nach Deutschland endlich hinter mich gebracht. Zurück aus dem Exil in der alten Heimat! 🙂 Gut, im Moment noch wie im Wartezimmer – ohne Job, ohne eigene Wohnung, aber das wird sich hoffentlich bald ändern. An dieser Stelle ein Hoch auf die Familie, wo immer ein Fleckchen für mich frei ist!

Zur Zeit bin ich also irgendwie „dazwischen“: zwischen Italien und Deutschland, zwischen Familientrubel und neuem eigenen Leben, zwischen dem alten und dem hoffentlich bald neuen Job, zwischen Sehnsucht und Heimatgefühlen. Ich hoffe, dieser Zustand hält nicht zu lange an, denn dann werde ich unruhig und trübsinnig. Doch im Moment geht es mir sehr gut.

Und das liegt vor allem an IHM. Es ist gerade so einfach zu glauben, so selbstverständlich mich in Gottes Nähe zu wissen, ihn zu spüren. Ich fühle mich so getragen und geborgen – und es ist ein so tolles Gefühl!

Kein schlechtes Gewissen, wenn ich die Bibellektüre nicht geschafft habe, kein Pflichtgefühl zum Abendgebet – es läuft alles so leicht. Es wird wohl leider nicht „ewig“ so weitergehen, aber daran denke ich jetzt nicht, ich genieße!

Und damit ich mich in kommenden schwerer Zeiten im Glauben daran erinnern kann, schreibe ich es hier auf 🙂

Bis bald, ein schönes Wochenende euch und Gottes Segen!kloster helfta

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Hilfe in den Bergen

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? (Psalm 121)

Noch nie habe ich diese Zeilen so innig gebetet wie gestern.
Ich war auf Wandertour. Extra schon um 6 aufgebrochen, um die Tour bis zur größten Mittagshitze beendet zu haben. Ich war gut vorbereitet – so dachte ich – mit Proviant, Wasser, Karten, Wegbeschreibung und freute mich auf einen Vormittag ganz in Gottes schöner Natur, nur mit mir, meinen Gedanken, meinem Hund.

Nach einem wunderschönen Start bei aufgehender Sonne und fröhlichem Vogelgezwitscher ging es mit flotten Schritten, einem Lächeln auf dem Mund und das Herz voller Dank an den Schöpfer „im Frühtau zu Berge“. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die Beschreibungen im Wanderführer nicht so präzise sind, wie gedacht, dass meine Karten ebenfalls zu ungenau, mein Orientierungssinn zu verstädtert und der Wasserbedarf des Hundes viel zu groß und der Wasservorrat entsprechend zu klein ist. Zu viel Zeit verlor ich beim Anstrengenden Auf und Ab auf der Suche nach dem richtigen Weg.

An dieser Stelle muss ein kleiner Exkurs über das Wandern auf Sardinien erfolgen: Es hat wenig mit Wandern in z.B. Deutschland zu tun. Hier gibt es fast noch keine Wanderkultur und dementsprechend keine Wanderinfrastruktur. Es gibt quasi keine Wegweiser, nur wenige Markierungen, die nicht gepflegt werden und daher teilweise verblasst oder lückenhaft sind, es existieren keine guten Wanderkarten, nur alte unübersichtliche Militärkarten und auch mit den immer mehr werdenden Wanderführer – so sehr sie um eine genaue Beschreibung bemüht sind – bleibt Wandern hier immer ein Abenteuer. Der beschriebene Wanderweg ist einer von unzähligen Hirten- und Tiertrampelpfaden und von diesen kaum zu unterscheiden. Es mag viele faszinieren, sich so archaisch in der Natur zu bewegen. Meine Art des Wanderns ist es nicht. Ich liebe die Natur, die Einsamkeit in der Natur, aber ich will meinen Kopf beim Wandern frei bekommen, die Gedanken kommen und gehen lassen – und das geht nicht, wenn ich die ganze Zeit dermaßen konzentriert auf den Weg achten muss.

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Such den Hund… äh, such den Weg.

So beschloss ich die Tour abzubrechen, auf gleichem Weg zuzrückzugehen. Doch auch diesen Weg fand ich nicht mehr. Der berüchtigte „point of no return“ war erreicht. Es half nichts, ich musste weiter.

Ich will jetzt nicht mit Details langweilen, denn es ist ja kein Wander-Blog, sondern einer, in dem es um Gott gehen soll. Kurz gesagt, ich hatte mich vollkommen verlaufen. Ich war irgendwo. Irgendwo Mitten im Nichts, irgendwo auf der Karte und ich hatte Angst. Richtig Angst. Ich war nicht gut genug vorbereitet und ich war meinem Hund ein schlechter Rudelführer. Das Wasser war fast alle, die Sonne brannte, der Hund hechelte sich die Zunge aus dem Leib, ich fürchtete einen Sonnenstich und kein Plan, kein Mensch, keine Ahnung. Mein Angstkreislauf setzte sich in Gang und steigerte sich bis zur Panikattacke. Ich konnte nicht mehr in Ruhe überlegen, mir einen Überblick verschaffen. Ich lief kopflos in verschiedenen Richtungen, kratzte mir die Beine am Gestrüpp auf, brach zusammen.

Da half nur noch beten.

Welch Ironie (oder…?), dass ich mir am Abend zuvor den Psalm 121 aufgeschrieben hatte, um während des Wanderns vielleicht ein wenig über ihn nachzudenken. Ich habe so von Herzen gebetete, wie lange nicht mehr. Geschrieen. Gefleht. (Ein kleiner Einschub: Ich befand mich zu keiner Zeit in Lebensgefahr, die Zivilisation war nicht unendlich weit entfernt – aber das zählt in dem Moment einer Panikattacke nicht…)
Schließlich bin ich mit Gottes Hilfe und dank der modernen Technik, mit der ich meiner Freundin meinen Standort durchgeben konnte und die mich dann auf einen Weg gelotst hat, gut beim Auto angekommen. Auch der Hund hat es – bis auf einen ordentlichen Muskel“kater“ – gut überstanden.

Herr, ich danke dir von ganzem Herzen! Es war eine Lektion in Demut und im Vertrauen an dich. Du verlässt mich nicht, du führst mich auf den rechten Weg! Dank sei dir, dass alles gut ausgegangen ist und auch dass ich den mir anvertrauten Hund gut wieder nach Hause bringen konnte!

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich im Moment ganz besonders für all die Wanderer und Pilger bete. Dabei kam mir den Text eines Abendliedes, das meine Eltern früher oft vor dem Einschlafen mit mir gesungen haben, in den Sinn: „Müde bin ich, geh zur Ruh“ Als ich nach dem Text suchte, merkte ich, dass ich meiner Familie offenbar ein ganz eigener Schlusssatz existiert: Statt „Laß den Mond am Himmel stehn und die stille Welt besehn!“ heißt es bei uns „Laß den Mond am Himmel stehn und kein‘ Wandrer irregehn.“

Mond hinter Wolken am Abend

(c) Michael Mr172 mit creative commons von flickr.com

Vielleicht hab ich es nicht oft genug gesungen… Es soll heute Abend mein Nachtgebet sein.

Übrigens, als ich gestern die Vesper betete, konnte ich wieder einmal feststellen, dass Gott durchaus Humor hat. Denn wie lautetet die Antiphon zum ersten Psalm?

„Wie Berge Jerusalem rings umgeben, so ist der Herr um sein Volk, von nun an auf ewig.“

Amen und gute Nacht.

Von Vätern und Söhnen (und Müttern und Töchtern)

Gestern war es mal wieder dran, das Evangelium mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. *gähn* Das ist eines der Klassiker im Religionsunterricht, oder? Also zumindest bei uns kam das immer wieder und war echt ausgelutscht. Sorry, wenn ich das so sage, aber wichtige Dinge kann man Kindern nun mal nicht nur dadurch rüberbringen, indem man sie immer wieder wiederholt, dann ist Abschalten, Genervtsein und schließlich Abneigung als Reaktion wahrscheinlicher als Wertschätzen und Verstehen. So ging es auch mir mit dem verlorenen Sohn. Als ich dann in der Jugend war – bloß keine Bibelarbeit zum verlorenen Sohn. Nee! Unbewusst hat sich dieses Gefühl bis heute wohl gehalten. Gestern kam ich aber „zwangsweise“ wieder in Kontakt mit dem verlorenen Sohn.

EVANGELIUM von Sonnabend, 02.03.13: Lukas 15,1–3.11–32

In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.
Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz.
Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.
Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

Ich muss gestehen, ich hatte es wohl auch einfach nicht richtig verstanden. Ich konnte die Reaktion des älteren, beim Vater gebliebenen Sohnes immer besser nachvollziehen. Ist doch wirklich ungerecht. Und anscheinend konnte auch kein Pfarrer, keine Gemeindereferentin mir das wirklich erklären.

Heute weiß* ich, egal wieviel Scheiße wir gebaut haben, wenn wir zurückkommen zum Vater, umkehren zu Gott, er liebt uns. Seine Barmherzigkeit ist größer als die größte Sünde.

*Das mit dem wissen ist so ne Sache. Ich glaube es. Ich will es glauben. Manchmal vergess ich es…

In letzter Zeit habe ich mich viel mit dem Wort Vater beschäftigt. Gott Vater. Es ist ein Bild, klar, aber eins, was es nicht nur einfacher macht.

Ich habe einen guten Vater. Einen, der mich liebt, der immer zu mir steht, mich immer unterstützt. Da kann ich echt nix sagen. Aber es ist kein Vater, mit dem ich über alles reden könnte. Können könnte ich vielleicht schon, aber ich würde es nicht tun. Auch wenn ich ergänze, Gott ist wie Vater und Mutter, löst es das Problem nicht. Irgendwie hat doch jeder mit seinen Eltern Probleme, große, kleine, vergangene und gegenwärtige. Normal, menschlich. Und genau da ist das Problem bei diesem Bild. Gott ist eben nicht menschlich. In der Beziehung zu ihm gibt es keine Probleme. Er ist also das „Idealbild“ von Vater und Mutter.

(Wenn ich, die das hat, was man im allgemeinen „ein gutes Verhältnis“ zu den Eltern nennt, schon Schwierigkeiten mit dem Bild Gottes als Vater habe, wie muss es Leuten gehen, die echt schlimme Sachen mit ihren Eltern erlebt haben?)

Zurück zum Gleichnis:
Martin Luther hat über dieses Gleichnis gesagt:

Wenn die ganze Bibel verloren ginge und es bliebe nur dies Gleichnis übrig, so wäre alles gerettet.

Und heute kann ich sagen: Ja, stimmt. Dieses Gleichnis ist wunderschön. Gott ist die Liebe. Und stärker als in diesem Gleichnis findet man es kaum in der Bibel. Mehr gibt es nicht zu sagen: GOTT IST DIE LIEBE.

Als ich nach dem Zitat gesucht habe, bin ich auf eine Predigt gestoßen. Sie entwirft ein Gruselszenario von einer Zukunft ohne Bibel. Wer mag, kann sie hier nachlesen.

Zum Schluß noch eine Geschichte von meinem Papi, an die ich immer denken will, wenn mir das Bild Gott Vater Bauchschmerzen macht:

Wir waren im Winterurlaub. Ich ein kleiner Steppke von vielleicht 10 Jahren. Wir waren zu dritt auf Langlaufskiern unterwegs: mein Papi, meine Schwester (6 Jahre älter) und ich. Mama war im Heim (ein Erholungsheim von Ordensschwestern) geblieben, Skifahren ist nicht ihrs. Langsam dämmerte es schon und wir waren auf dem Weg zurück, um pünktlich 17.30 Uhr beim Abendbrot zu sein. Unser Weg führte noch am „Hausberg“ entlang, eine Abfahrt zum Schluß war dort Pflicht. Irgendjemand hatte auf diesem Hang eine Mini-Skisprungschanze aus Schnee gebaut. Sah nach nix weiter aus. Und ich wollte da natürlich weißflog-gleich hinuntersegeln, sieht ja ganz einfach aus im Fernsehen. Mein Papi sagte „Nein, mach’s nicht. Lass es. Fahr noch einmal so runter und dann müssen wir zurück.“ Er wußte es wohl besser…
Ich bin natürlich trotzdem „gesprungen“. Soll heißen, ich bin über die Schanze gefahren, ein Ski verdrehte sich total und mit dem Gesicht voran lag ich im Schnee. Mein Bein tat tierisch weh. Doch die Schmerzen waren in dem Moment nicht das schlimmste. In den paar Sekunden, bevor mein Vater und meine Schwester bei mir waren, hatte ich einfach nur Angst vor meinem Vater, weil er doch gesagt hatte, ich solle es nicht tun, weil er doch jetzt bestimmt schimpfen würde.
Was soll ich sagen? Er nahm mich in die Arme, half mir auf, hielt mich fest. Kein böses Wort, kein „Ich hab dir doch“ oder „Hättest du“. Er löste die Skier von meinen Füßen und stützte mich. Mein Knie tat sehr weh. Und nun merkte ich die Schmerzen und nun spürte ich auch den Schreck, ich zitterte. Alle paar Meter kniete mein Papi sich mit einem Bein in den Schnee, sodaß ich mich auf seinen Oberschenkel setzen konnte.
Wahrscheinlich hat er mich dann ins Heim getragen und meine Schwester die Skier – keine Ahnung. Das weiß ich nicht mehr, aber an dieses Bild kann ich mich noch genau erinnern: Mein Papi im Schnee knieend, ich auf seinem Oberschenkel sitzend. Keine Vowürfe, nur Liebe, Hilfe, Dankbarkeit. Alles wird gut. So ist Gott.
Vater!

(Meine Mama hat dann allerdings ziemlich geschimpft 😉 )

Die Kraft eines Abendliedes

Heute Abend auf dem Balkon bei einem Glas Weißbier (von zu Hause 🙂 ), überlegte ich kurz, ob Vesper oder freies Abendgebet, als mir einige Zeilen eines Liedes einfielen, was meine Mama mir früher abends manchmal am Bett vorgesungen hat.

Bei uns gab es (bis ich wieviele Jahre alt war?) die Tradition, dass abend an meinem Bett, weil ich die jüngere Tochter war, gebetet oder gesungen wurde (an Vorlesen zum Einschlafen kann ich mich gar nicht erinnern).

Heute wollte ich dieses alte, jedem irgendwie vertraute Lied wieder singen. Dank google auch schnell den Text gefunden. Den ganzen Text (kann mir nicht vorstellen, dass meine Eltern früher alle Strophen gesungen haben). Ich hab mir heute selbst mein Gute-Nacht-Lied gesungen, habe an meine wunderschönen Kindertage gedacht, und es war zugleich mein Abendlob. Wie berührend diese einfachen alten Worte doch sein können:

1. Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

2. Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

3. Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

4. Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

5. Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

6. Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

7. So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Auszeit

Ich bin gerade geflüchtet aus meinem Exil. Für eine Woche ins Elternhaus. Leider ist es nicht so entspannend wie erhofft. Alte Rollen, aus denen man nicht herausfindet und neue Rollen, die man noch nicht auszufüllen weiß. Aber so geht das wohl jedem, der als erwachsenes „Kind“ länger bei den Eltern zu Gast ist.

In meinem Zimmer habe ich die Noten von der „Jugendschola“ wiedergefunden, in der ich früher, in meiner Jugendzeit, gesungen habe. Diese Zeit fehlt mir sehr. Die wöchtenlichen Treffen mit (katholischen) Freunden, das Singen, das ganz selbstverständlich katholisch sein und darüber reden. Klar, es war auch die Zeit der Pubertät und wir waren keine Engel, aber das gehört (noch) nicht hierher.

Ich habe also ein paar der alten Lieder mehr schlecht als recht auf dem alten, verstimmten Klavier gespielt und das tat gut. Nun überlege ich, wie ich das Klavier mit ins Exil nehmen kann. Denn Gott singend zu loben, ihm zu danken – das fällt mir oft leichter als durch Gebet und Bibellesen.

Hier der Text eines Liedes, was mich heute (und damals auch schon) sehr berührt hat (Melodie auch sehr ruhig, getragen, tief):

Erquicke mich durch Deinen Geist und fülle mich,
denn ich bin schwach und brauche Deine Kraft.
Nimm mich in Deine Arme und schütze mich,
denn ich bin voller Angst und Furcht.

So will ich Deinen Segen empfangen,
mich heilen lassen durch dein Wort.

Ich traue auf Dich,
denn Du bist der Fels, auf den ich bau,
und alles, was ich bin, bin ich durch dich.

T + M: Ekkehard Höfig; (C) Immanuel Verlagsgesellschaft