„Ich bin katholisch.“ – „Ach, echt?“

So würden wohl die meisten Antworten auf mein Konfessionsbekenntnis lauten. Was zum großen Teil daran liegt, dass mein Freundes- und Bekanntenkreis hauptsächlich nicht-katholisch bzw. nicht-religiös ist. Klar, enge Freunde wissen, dass ich katholisch bin, aber das liegt für sie an meinen Eltern, die mich nun mal getauft haben. Gut, ich geh auch ab und zu in die Kirche, macht man halt so.

Dass ich wirklich katholisch bin, regelmäßig jeden Sonntag in die Kirche gehe, bete, mich intensiv mit Glaubensfragen auseinandersetze, das wissen sie nicht und ich fürchte, sie wollen es auch gar nicht wissen. Denn wie kann man bei meiner Lebensgestaltung denn „wirklich“ katholisch sein, auch noch ausgerechnet katholisch!

In einem anderen Blog fand ich einen Artikel mit dem Titel: „Warum ich nicht aufhöre, meine Kirche zu kritisieren und trotzdem katholisch bleibe“. Sicher wird dieses Thema hier auch noch einmal auftauchen. Die Frage, die mich im Moment aber viel mehr beschäftig, ist: Was macht mich denn zu einem katholischen Christen?

Abgesehen von Kirchgang und Gebet. Müsste man es nicht tatsächlich auch im Alltag merken? An meinem Verhalten, meinen Einstellungen? Müssten Christen nicht irgendwie „bessere“ Menschen sein? Bzw. wäre ich nicht genauso, wenn ich nicht getauft wäre? Verhalte ich mich nicht so, wie sich jeder „normale“ Mensch verhalten würde? Also so moralisch gesehen?

Durch ein Gespräch mit meiner Freundin ist mir etwas (wieder) klar geworden, was ich selbst schon mal wusste (und inzwischen hab ich sogar einen Text von mir wiedergefunden, der sich genau damit beschäftigt): Zwischen atheistisch gut sein und christlich gut sein kann zumindest in unserer Kultur gar kein so großer Widerspruch bestehen, weil ja viele heute gültige Gesetze, Moralvorstellungen und Werte aus der christlichen Prägung unseres Kulturkreises stammen: der Schutz der Ehe, dass man niemanden umbringen soll, nicht stehen, nicht lügen, die Sonntagsruhe – voilà die 10 Gebote.

Christen sind also keine besseren Menschen, weil das, was derzeit im Großen und Ganzen als richtig und gut gilt, aus der christlichen Tradition heraus entstanden ist. Nur wollen viele das heute nicht mehr wissen. Und das ist der Unterschied. Ich als Christ glaube, dass diese Gebote von Gott sind. Nicht um uns zu gängeln oder einzuengen, sondern um uns ein gutes Miteinander zu ermöglichen. Und um in Beziehungen, Freundschaften, guten Taten etwas von der göttlichen Liebe zu spüren.

Nicht-Gläubige nennen es also Moral und schlechtes Gewissen und orientieren sich am Gesetz, Christen an Gottes Wort und Jesu Leben. Würde bedeuten, dass man Christen im Alltag tatsächlich „nur“ am Kirchgang erkennt.

Ich fürchte, ich hab mich damit noch nicht wirklich überzeugt.

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