Still war’s im Blog

Das hat mehrere Gründe.

Zum einen bin ich offenbar doch nicht so der regelmäßige Schreiber, wie ich dachte und es gern wäre…

Zum anderen bin ich momentan generell sehr antriebslos und – man kann es so drastisch formulieren – faul. Nach der so lange ersehnten Rückkehr aus Italien fehlt mir nun zurück „zu Hause“ die (berufliche) Perspektive.

Außerdem – und das ist der Hauptgrund – trage ich schon seit langem einen Zwiespalt in mir und mit mir herum, der mich lähmt, ängstigt. Was das betrifft, wird sich in den nächsten Tagen irgendetwas ändern. Was und ich welche Richtung, das weiß ich nicht und ich gebe zu, ich habe – na sagen wir, großen Respekt davor. Auf jeden Fall möchte ich darüber bloggen und der Text heute ist sozusagen die Ankündigung. Für mich als Verpflichtung, vor allem aber auch für die, die trotz der unregelmäßigen Posts noch ab und an bei mir vorbeischauen.

Bis dahin könnte ich ein kleines Gebet gebrauchen – auch wenn das alles noch sehr kryptisch klingt.

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Von Armut und Luxus-Sorgen

Die Bergpredigt ist ja eine sehr zentrale Stelle im Neuen Testament und auch Kirchenferne kennen meist irgendwie diese Worte „Selig sind die Armen“ usw. Dass die Seligpreisungen nur ein Teil der Bergpredigt sind ist vielen und war mir auch nicht so recht klar und ich muss gestehen, dass ich mich mit ihnen immer etwas schwer getan habe – einerseits so ausgelutscht (vgl. die Geschichte vom verlorenen Sohn), andererseits nicht so einfach zu verstehen… Im Reli-Unterricht waren sie auch Thema, aber unser Pfarrer fand sie offenbar so wichtig und grundlegend, dass er sie nahezu unkommentiert stehen ließ, dabei sind sie keineswegs selbsterklärend!

Inzwischen haben wir uns etwas angenähert und sie gefallen mir immer mehr 🙂

Wirklich berührt hat mich neulich bei der Bibellese aber eine andere Stelle der Bergpredigt: Matthäus 6,25-34. (In der Neuen Genfer Übersetzung – meine derzeitige Lesebibel)

Wer von euch kann dadruch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch nur um eine einzige Stunde verlängern?

Dieser Satz könnte auch in einem Lebenshilferatgeber stehen, oder? (Ich sag nur: „Sorge dich nicht – lebe“) Sorgen machen bringt gar nix, nur graue Haare und Depression. Und doch können wir Menschen offenbar nicht anders. Gott weiß es, Jesus weiß es und er sichert uns zu: Für euch ist gesorgt! Ihr werdet Essen und Trinken und Kleidung haben. Alles was ihr braucht, euer Vater weiß es doch. Und er kümmert sich sogar um die Vögel und die Blumen und ihr Menschenkinder seid doch noch viel mehr Wert als sie! Warum macht ihr euch also Sorgen?!

Ja, warum? Es scheint fast als läge es in unserer Natur. Hier stehe ich und kann nicht anders. Wir Menschen wollen immer mehr, sind offenbar nie zufrieden. Wir wollen eine eigene Wohnung und wenn wir die haben eine größere und dann ein Haus und einen Garten. Und ein Auto. Ein neues, ein größeres, ein zweites, einen Sportwagen für die Sonntagstouren. Einen Fernseher, einen mit Flachbildschirm, eine dolby-irgendwas-Anlage fürs Kinogefühl. Und je mehr wir wollen, umso mehr „Angst“ haben wir, es nicht zu bekommen oder wieder zu verlieren. Da sind sie unsere Sorgen.

Zum Glück muss sich in Deutschland kaum jemand wirklich Sorgen um Essen, Trinken, Kleidung machen. Aber wir sind nicht dankbar dafür, unsere Ansprüche verschieben sich einfach nur und die Sorgen beziehen sich auf andere Dinge. Es reicht nicht einfach Kleidung zu haben, es muss die Markenjeans sein und die wird jeden Tag gewechselt. Es reicht nicht satt zu werden, Essen muss immer Genuss sein und abwechslungsreich und wenn es nicht schmeckt, dann ab in den Müll.

Es gibt einfach zu viel von allem. Gerade jetzt in der Adventszeit fällt es mir besonders auf. So viele Geschäfte, so viele Weihnachtsmarktbuden – und doch irgendwie immer das gleiche. Der Wahnsinn der Weihnachtsgeschenke – neuer, größer, teurer. Was soll man Kindern schenken, deren Kinderzimmer voll ist mit Spielsachen? Die auch zwischendurch einfach mal so ein Spiel oder ein Buch oder ein Kuscheltier bekommen? Was ist ein Geschenk wert, wenn es doch sowieso nach 4 Wochen wie all die anderen im Schrank liegt? Und vor allem: Wieso kann man sich nicht dagegen wehren Teil dieser Konsum- und Wegwerfgesellschaft sein?

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland bin ich mittlerweile wieder in eine eigene Wohnung gezogen und habe die Kisten, die zwei Jahre eingelagert waren, ausgepackt. Wer braucht all diese Tassen? Die alten Kuscheltiere? Die Unmengen CDs? Kaum etwas davon habe ich in den zwei Jahren vermisst. Was davon brauche ich wirklich? Ja, auch die Frage, brauche ich wirlich 5 Bibelübersetzungen?

Ich sehne mich nach Einfachheit und doch mache ich weiter mit und kaufe und konsumiere und werfe weg. In Zeiten von solchen Überlegungen verstehe ich, wenn Ordensleute sagen, dass Verzicht frei macht. Dass Armut frei macht (Nein, ich rede hier nicht von Existenzängsten, ich rede vom Beschränken auf das, was wirklich notwendig ist). Wie kann man den evangelischen Rat der Armut im (weltlichen) Alltag beherzigen?

Der Artikel hat beim Schreiben eine ganz andere Wendung genommen als geplant. Ich wollte doch über den Satz aus der Bergpredigt, dass wir uns keine Sorgen machen sollen, schreiben! Das versuch ich später noch mal. Jetzt träum ich erstmal vom Leben in einer kleinen Hütte mit Selbstversorgergarten.
Und dann –
geh ich Weihnachtsgeschenke kaufen…

„Ganz nah bei dir und du bei mir“

So lange war es still hier, das ist überhaupt nicht gut für einen Blog, ich weiß. Aber ich bin kein Profi-Blogger und offenbar ist das Blog-Schreiben unter den ersten Sachen, die wegfallen, wenn zu viel anderes ansteht. Und das tat es wahrlich in letzter Zeit.

Ich habe den Umzug zurück nach Deutschland endlich hinter mich gebracht. Zurück aus dem Exil in der alten Heimat! 🙂 Gut, im Moment noch wie im Wartezimmer – ohne Job, ohne eigene Wohnung, aber das wird sich hoffentlich bald ändern. An dieser Stelle ein Hoch auf die Familie, wo immer ein Fleckchen für mich frei ist!

Zur Zeit bin ich also irgendwie „dazwischen“: zwischen Italien und Deutschland, zwischen Familientrubel und neuem eigenen Leben, zwischen dem alten und dem hoffentlich bald neuen Job, zwischen Sehnsucht und Heimatgefühlen. Ich hoffe, dieser Zustand hält nicht zu lange an, denn dann werde ich unruhig und trübsinnig. Doch im Moment geht es mir sehr gut.

Und das liegt vor allem an IHM. Es ist gerade so einfach zu glauben, so selbstverständlich mich in Gottes Nähe zu wissen, ihn zu spüren. Ich fühle mich so getragen und geborgen – und es ist ein so tolles Gefühl!

Kein schlechtes Gewissen, wenn ich die Bibellektüre nicht geschafft habe, kein Pflichtgefühl zum Abendgebet – es läuft alles so leicht. Es wird wohl leider nicht „ewig“ so weitergehen, aber daran denke ich jetzt nicht, ich genieße!

Und damit ich mich in kommenden schwerer Zeiten im Glauben daran erinnern kann, schreibe ich es hier auf 🙂

Bis bald, ein schönes Wochenende euch und Gottes Segen!kloster helfta

Gott be-greifen

Der post spukt mir schon länger im Kopf herum, heute zum Fest des Hl. Apostel Thomas passt er nun zufällig auch ganz gut.

Thomas, der nicht glauben konnte ohne zu sehen, ohne zu berühren, der nicht glauben konnte, ohne es zu begreifen, zu be-greifen.

Wir müssen glauben ohne zu sehen und wir kennen wohl alle Momente des Zweifelns, in denen wir nur zu gern unsere Hand in Jesu Seite legen würden. Thomas steht sozusagen stellvertretend für uns alle, die wir uns manchmal schwer tun mit dem Glauben, er hat für uns bezeugt „Mein Herr und mein Gott!“

Dazu der Hymnus von der heutigen Vesper aus dem Te Deum:

Mein Herr und mein Gott,
auch wir Zweifler
wollen begreifen,
das Unfassliche berühren.

Den Finger in die Wunde legen –
das musste einer tun,
nie verstummten Zweifel hegen –
das durfte nicht unterbleiben.
Wo kämen wir sonst vor
in diesem Stück.

Lade uns ein,
die Zögernden vom Rand,
dann tasten wir uns zurück
bis an dein Herz,
dieses Tor –
sperrangelweit offen für alle,
die nicht sehen und doch glauben.

C.D.

Als ich heute den Text aus dem Johannesevangelium las, ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass wir gar nicht erfahren, ob Thomas tatsächlich die Wundmale Jesu berührt hat. Jesus fordert ihn dazu auf – und irgendwie find ich den Gedanken schön, dass das vielleicht schon genug „Beweis“ für Thomas war. Und auch hier sehen wir wieder – wie bei Petrus, der auf dem Wasser läuft (Post dazu hier) – dass Jesus ihm nicht vorwirft gezweifelt zu haben, wieder reicht Jesus seinem Jünger die Hand und ermutigt ihn zum Glauben!

Verstehen und begreifen sind im Deutschen Synonyme und dadurch kann man dieses schöne Wortspiel machen (Weiß jemand, ob das in anderen Sprachen auch funktioniert?): Um etwas zu verstehen muss man es begreifen, greifen, mit den Händen anfassen. Als Lehrer ist mir das nicht neu, erzählen kann man viel, wenn die Schüler nicht mitmachen, nicht selbst etwas tun, bleibt nur wenig hängen. Und wie sagte schon Konfuzius:

Sage es mir und ich werde es vergessen. Zeig es mir und ich werde mich daran erinnern. Lass es mich tun und ich werde es verstehen.

Unser Glaube erscheint mir manchmal sehr verkopft und wenig greif-bar. Er ist so theoretisch, so aufgeklärt, so logisch – zumindest sollte er am besten so sein. Wir wollen verstehen – aber nur mit dem Kopf, nicht begreifen mit den Händen.

In Italien ist Religion, ist Katholisch-Sein viel alltäglicher als ich es aus meiner ostdeutschen Heimat kenne. Gottesdienste, Prozessionen, alles viel selbstverständlicher (die Qualität und Tiefe kann und will ich nicht beurteilen) und irgendwie … symbolischer.

Wenn man hier in die Kirche geht, fällt einem z. B. eine Geste sofort auf: Zum Abschluss des Kreuzzeichens wird die Hand/Faust zum Mund geführt und geküsst. Ich musste lange nach einer Erklärung dafür suchen, denn viele machen es einfach aus Gewohnheit, ohne es zu hinterfragen und ich muss gestehen, nach zwei Jahren hier, verspüre auch ich den Impuls zum „Amen!“ meine Hand mit den Lippen zu berühren, es passt auch einfach so gut. Inzwischen habe ich eine Erklärung gefunden, die mir recht logisch erscheint, auch wenn ich sie nur ohne Gewähr weitergeben kann: Man hat die Hand leicht zur Faust geballt und legt dabei den Daumen über den Zeigefinger, so dass sie ein Kreuz bilden, das Kreuz, unter das ich mich mit dem Kreuzzeichen gerade gestellt habe und dass ich nur als Zeichen der Verehrung küsse.  Nachdem ich diese Deutung weiß, mache ich es nun manchmal ganz bewusst – vielleicht probiert ihr es ja auch mal aus. 😉

Doch das ist bei weitem nicht die einzige Geste, mit der die Leute hier versuchen ihren Glauben zu begreifen: kaum eine Jesus-, Marien-, Heiligenstatue bleibt bei einem Kirchenbesuch ungeküsst. Gemälde, Rahmen, Sarkophage werden berührt, die Hand danach geküsst. Das ist mir fremd, da verspüre ich keinen Drang es ihnen gleich zu tun. (Ich war auch die einzige in der vollen Kathedrale, die bei der Karfreitagsliturgie das Kreuz nur durch eine Kniebeuge und nicht durch einen Kuss oder wenigstens eine Berührung mit der Hand verehrte.)

Ich will nicht über Vor- und Nachteile sprechen, es gibt hier wohl kein richtig oder falsch. Jeder muss/kann es so machen, wie er es will und ich bin wohl eher ein distanzierter Typ, aber trotzdem kann ich davon etwas lernen. Übrigens ist das ja kein katholisches Phänomen, die orthodoxe Kirche ist ohne das Berühren kaum vorstellbar, auch Nicht-Gläubige berühren ja bestimmte Statuen um Glück zu haben oder den Schornsteinfeger (wenn man denn noch einen trifft) und auch in anderen Religionen ist berühren selbstverständlich.

Was man sich also bewusst machen kann, ist die Bedeutung der Berührung. Wir haben nicht nur unsere Augen um zu sehen, unseren Verstand, wir haben Hände, Füße, wir können riechen, schmecken, fühlen und auch damit Gott erfahren. Es muss ja kein Kuss auf den schon ganz speckigen Fuß einer Heiligenfigur sein! Wir können Gott finden, indem wir den Wellen zuhören, dem Rascheln der Blätter, indem wir den Wind fühlen auf unserer Haut, indem wir die Arme austrecken zu unserem Vater im Himmel.

Und wir können diese Berührung weitertragen, in unsere Familien, zu unseren Freunden. Eine Umarmung, ein Schulterklopfen, ein Streicheln – es kann so viel geben. Eine kurze Berührung nur – wie es die seit 12 Jahren blutflüssige Frau mit Jesus‘ Gewand tat (hä?)- und schon sind wir geheilt.

Deswegen mag ich auch die Handkommunion, ich mag den Moment, wo der Leib Christi in meiner Hand liegt, ich kann ihn betrachten, ihn anfassen, ihn berühren und begreifen.

Also, lassen wir uns von Gott berühren, lasst uns Gott begreifen.

Fragen

Wieso gibt es verschiedenen Konfessionen? Und wieso müssen sie so oft auf ihrem Recht bestehen und gegeneinander reden?

Wieso ist christliche Gemeinschaft so schwer zu realisieren?

Wir glauben doch alle an den einen Gott, den einen Herrn.

Verwirrt und traurig.

„Vetrauen – trotz allem“ – Gedanken zu einem Radiovortrag

Eher durch Zufall bin ich gestern auf eine Sendung bei Radio Horeb aus der Reihe Spiritualität aufmerksam geworden: ein Vortrag von Pfarrer Werner Ludescher aus Dornbirn in Österreich zum Thema „Vertrauen – trotz allem“

Klar, dass ich mir die Sendung angehört habe, denn der Titel passt ja hervorragend zum Thema des Blogs. Auch wenn ich mir unter dem „trotz allem“ einen konkreteren Bezug zum Weiter-Vertrauen nach Schicksalsschlägen erwartet hätte, hat mir der Vortrag sehr gut gefallen. Es sind viele grundlegende Gedanken zum Thema Gottvertrauen. Deswegen will ich hier eine persönliche Zusammenfassung dieser Gedanken aufschreiben.

Wie gesagt, es sind nicht meine eigenen, aber sie lohnen sich weitergegeben zu werden. Den ganzen Vortrag kann man z.B. als mp3 auf der Seite von Radio Horeb herunterladen.

Als der Moderator den Pfarrer ankündigte und erklärte, dass man ja als Laie Priester und Ordensleute immer irgendwie als Experten auf dem Gebiet des Gottvertrauens ansieht, stellte Pfarrer Ludescher erst einmal klar, dass dem (leider) keineswegs so ist. Sondern auch er jeden Tag neu beginnen muss, jeden Tag neu vertrauen muss. (Das ist doch schon mal sehr beruhigend, oder? 😉 )

Dass Glauben und Vertrauen sehr eng zusammenhängen ist jedem irgendwie klar. Wer glaubt, kann auf Gott vertrauen und wer auf Gott vertraut, nun, der muss auch an Gott glauben. Wie eng die Beziehung zwischen Glauben und Vertrauen tatsächlich ist, war mir bis gestern aber noch nicht klar. Denn das Wort „Glaube“ vom griechischen pistis bedeutet eben auch Vertrauen.

Der Vortrag beginnt mit einer Geschichte von Don Bosco, der immer wieder Hilfe erfahren hat, indem er auf Gott vertraut hat. (So bekam er beispielsweise noch während eines fragenden Gebets an Gott das erste Haus für seine Arbeit mit Jugendlichen geschenkt.) Weitere Beispiele von Heiligen zeigen uns, dass der, der vertraut, auch Hilfe bekommt – diese Zeugnisse der Heiligen sollen uns helfen in alltäglichen Dingen das Vertrauen zu lernen.

Wir sollen dabei nicht verzweifelt beten oder gar betteln, sondern uns in aller Ruhe Gott überlassen, so wie ein Kind sich und seine Ängst auch ganz den liebenden Eltern überlässt.

Es gibt drei Arten, wie Gott unsere Gebete erhört:
1. Er sagt „Ja“ und erfüllt unsere Bitte.
2. Er lässt uns noch warten.
3. Er erfüllt unsere Bitte nicht. Weil er etwas Besseres für uns hat, etwas, was uns mehr zu unserem Heil dient, als unser derzeitiger Wunsch.

Wenn Gott uns warten lässt, dann prüft er sozusagen unser Vertrauen, er wartet, bis wir wirklich voll Vertrauen beten und nicht aus purer Verzweiflung. Er läutert damit uns und unser Vertrauen. Gott vertrauen bedeutet immer, ihm einen Vertrauensvorschuß zu geben und anzunehmen, dass er es immer und ausnahmslos besser weiß als wir und alles, was er tut, richtig und zu unserem Heil ist!

Unter diesem Aspekt betrachtete der Pfarrer auch kritisch die Bitte um Gesundheit (auch wenn er betonte, dass er uns allen natürlich Gesundheit wünscht!) und fragte, ob denn nicht auch oder gerade Zeiten der Krankheit wichtig sind für unsere innere Reife und Nähe zu Gott.
Gott meint es gut mit mir, auch wenn es mir nicht gut geht! Auch wenn er mir nicht meine Wünsche erfüllt, denn er liebt mich und kennt mich durch und durch und alles, was geschieht, hat seinen Sinn und seine Bedeutung, die aber manchmal nur Gott kennt. Gott weiß, was gut ist. Er ist der „Weber von unserem Lebensteppich“ und wenn man einem Weber über die Schulter schaut, versteht man auch nicht das Gewirr aus Fäden und Farben, doch wir können uns sicher sein, das Ergebnis ist wunderschön!

Diese Einstellung hilft uns, uns mit unserem bisherigen Leben zu versöhnen, mit Situationen, die wir nicht verstehen. Wir dürfen Gott nicht unsere Liebe entziehen, wenn er nicht macht, was wir wollen, wir müsen innerlich mitmachen und uns nicht selbst zum Bestimmer machen – wir müssen Gott Gott sein lassen!

Die kleine Therese von Liseux kann uns Vorbild sein, was es heißt, wirklich Kind Gottes zu sein. Sie ist den „kleinen Weg“ gegangen, den Weg der Liebe und des Vertrauens, indem sie anerkannte, dass sie aus sich selbst heraus nichts vermag, aus sich selbst heraus nicht heilig werden kann, dass auch alle Tugenden nur von Gott kommen.

Von ihr stammt der Satz, dass Verzweiflung dadurch entsteht, dass man zuviel an die Vergangenheit und/oder die Zukunft denkt (voll erwischt!) Deswegen betete sie: Herr, gib mir Kraft – nur für heute! Gib mir Liebe – nur für heute! Gib mir Vertrauen – nur für heute! (Stammt das wirklich von ihr? Ich konnte es im Netz nicht finden.) Wenn ich darum bitte, dann kann ich unangenehme Dinge schon vorher annehmen, Ja sagen zu negativen Erlebnissen.

Die kleine Therese sagt über sich selbst, dass sie die meisten Glaubenszeichen gesetzt hat, in Phasen als sie zweifelte an Gott und haderte mit ihm. Denn für sie ist glauben wollen schon glauben. Gott vertrauen wollen schon vertrauen (Halleluja! Herr, ich danke dir, dass ich diesen Satz hören durfte!)

Die Geschichte vom Jäger und dem weißen Hasen soll uns ermutigen, in Zeiten der Not und Bedrägnis in Gottes Arme zu springen:

Ein König, der auf die Jagd gegangen war, verfolgte einen weißen Hasen. Seine Hunde hatten ihn schon fast eingeholt. In diesem Augenblick kehrte der kleine Hase, der sich bereits verloren glaubte, plötzlich um und sprang in die Arme des Jägers. Dieser war über so viel Vertrauen betroffen und wollte sich von dem weißen Hasen nicht mehr trennen. Niemandem erlaubte er ihn anzupacken, und behielt sich die Sorge für seine Nahrung vor. Genauso wird sich Gott uns gegenüber verhalten, wenn wir verfolgt von der Gerechtigkeit – versinnbildlicht durch die Hunde – Zuflucht in den Armen unseres Richters suchen…

Pfarrer Ludescher beruhigt uns auch und sagt, dass dies immer wieder nötig sein wird, sogar mehrmals am Tag nötig sein kann. Man hat nicht einmal Gottvertrauen für immer. Sondern es sind immer wieder kleine Akte des Vertrauens nötig. Ein kleines Gebet zum Beispiel. Jesus, ich vertraue dir! Jesus, erbarme dich meiner!

Wir dürfen uns nicht der Mutlosigkeit hingeben, denn dann kann Gott nicht wirken.
Als Bibelgeschichte über Vertrauen und Mutlosigkeit erzählt der Pfarrer anschließend die Geschichte von Petrus, der auf dem Wasser zu Jesus geht. Dazu muss ich nichts schreiben, denn wie es der Zufall will, habe ich das ja vor kurzem hier und hier getan 🙂

Wir müssen lernen uns auf Jesus zu konzentrieren, unseren Blick auf Jesus zu richten und nicht auf uns und unsere Probleme, denn dann sinkt das Vertrauen, dann sinkt der Mut, dann sinken wir wie Petrus. Oftmals sind auch unsere Gebete nur eine Konzentration auf unsere Probleme. Was suche ich im Gebet? Will ich wirklich Jesus suchen, ihn schauen? Dann werde ich mehr Freude im Herzen empfinden. Nicht immer lassen sich unsere Ängste und Sorgen im Gebet wegschieben, doch wir dürfen nicht aufhören, es zu wollen und zu versuchen, eben jeden Tag neu zu beginnen.

Beten wir also nicht um leichtere Last sondern stärkere Schultern. Um mehr Liebe zu unserem Kreuz. Sagen wir „Ja“ zu Gottes Plan mit uns, denn er ist gut!

Zum Schluss gibt uns der Pfarrer noch einen konkreten Tipp fürs Gebet mit: Dass wir mehr in den Anliegen der Gottesmutter beten als in unseren eigenen. Dass wir den Rosenkranz für die Muttergottes beten und es ihr überlassen, wo und wie sie wirken will. Wir kümmern uns um ihr Anliegen, die alle Menschen zu Gott führen will, dann kümmert sie sich schon um unsere. Das kann sehr befreiend sein, wenn wir nicht überlegen müssen und uns verkrampfen, für wen und was wir alles beten „müssen“, wir können es ihr überlassen, auch sie weiß es besser!

Halte dich fest an Gott, mach’s wie der Vogel, der nicht aufhört zu singen, wenn der Ast auch bricht, denn er weiß, dass er Flügel hat. (Don Bosco)

Auch wir haben Flügel, sie sind unsere Akte des Vertrauens!

Um seinen priesterlichen Segen gebeten, betonte Pfarrer Ludescher noch einmal, dass glauben allein sehr schwierig ist und ermunterte uns, uns gegenseitig zu helfen, durch Segen und Gebet.
In diesem Sinne:

Gottes Segen begleite euch – heute! Er gebe euch Kraft – für heute, Vertrauen – für heute! Amen.