lesbisch und katholisch

Nein, das ist kein reißerischer Titel, um Besucher her zu locken. Das ist die Realität. Das ist der Zwiespalt, von dem ich im letzten post gesprochen habe: Ich bin katholisch und lesbisch. Ja, das gibt es wirklich.

Uff. Nun ist das erst mal raus.

Das Thema Homosexualität und (katholische) Kirche ist immer ein heißen Eisen. Und im Moment wieder in vieler Munde, was an bestimmten Äußerungen des Papstes liegt und vor allem an der Umfrage des Vatikans zu Sex und Ehe. Dass ich gerade jetzt mit der Tatsache rausrücke, hat damit aber nix zu tun.
Diese „zwei Seiten von mir“ begleiten mich schon jahrelang und ich konnte mal besser, mal schlechter damit leben, hielt sie aber immer etwas „getrennt“. Auslöser nun davon, wenn auch anonym, zu erzählen, war ein Gesprächsabend am Wochenende zur Frage, ob gleichgeschlechtliche Paare einen kirchlichen Segen bekommen können/sollen/müssen/dürfen. Da durfte ich einen Pfarrer erleben, der offen und ehrlich von seiner Meinung, verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten und Lesarten der Bibel erzählte. Auch nach diesem Abend ist nicht alles gut und einfach, aber ich fühlte mich auf eine Art erlöst, wie ich es selten zuvor erlebt habe. Die Worte des Pfarrers haben mich aus dem Entweder-Oder gerissen und mir einen Weg eröffnet, auf dem ich gehen kann, so wie ich bin, lebsich und katholisch.

Ich möchte gern auch etwas zu Bibel und Katechismus sagen und wie o.g. Lesarten aussehen können, doch das erst später. Zunächst will ich ein wenig von mir erzählen. Wie das alles so kam und wurde.

Wie ich merkte, dass ich anders bin

Dass es lesbische und schwule Paare gibt, hab ich irgendwie schon recht früh mitgekriegt. Da waren mal zwei Hand in Hand laufende Männer auf der Straße und der Kellner, den meine Eltern als „andersrum“ bezeichneten, na und im BRAVO-Alter dann sowieso. Ich fand es irgendwie spannend, besonders, aber so sein wollte ich nicht!
Was die Pubertät angeht, war ich insgesamt ein ziemlicher Spätzünder. Freundinnen, die sich die Nägel lackierten und rumkicherten, wurden mir igendwie suspekt. Ich mochte es immer noch mit einem Stock in der Hand durch die Wälder zu streifen, sogar mit meinen Eltern. Ich fand mich auch nicht besonders hünsch und kleidete mich eher praktisch als besonders chic – wozu auch, ich liebte meine praktischen Jeans. Als alle in der Klasse anfingen für Jungs (oder Stars) zu schwärmen, na, da machte ich eben mit. Lee von Caught in the Act (Wie peinlich!), dann für Sven von Gegenüber, für – wie hieß er, der Bruder vom Freund meiner Schwester? Ich suchte Fotos, malte Herzchen usw. usw., aber nur weil man das eben so macht. In mein Tagebuch hat es keiner von denen geschafft.

Zeitgleich bemerkte ich, dass ich die Artikel in der Bravo zum Thema Homosexualität immer zuerst las (ich hab immer noch eine Ausgabe mit ner Fotolovestory von zwei Frauen…), dass ich die halbe Seite im Biobuch, die sich damit beschäftigte, immer wieder las. So nach und nach gestand ich mir ein, dass ich wohl „auf Frauen stehe“.

Coming-Outs

Und schließlich verliebte ich mich in eine sehr gute Freundin (aus der Jugendgruppe meiner Pfarrgemeinde – klar!). Ich kann mich nicht wirklich erinnern, dass mich diese Erkenntnis in Panik oder Depression versetzte. Ich glaube nicht. Irgendwann erzählte ich einer anderen Freundin davon. Die sehr sehr cool reagierte. Die andere Freundin, der ich schließlich meine Liebe gestand (nach der Jugendbeichte vor Ostern – welch pubertärer Sinn für Dramatik), reagierte nicht cool. Ganz im Gegenteil. Sie wollte mich nicht mehr allein treffen, nicht mehr umarmen. Ich litt wie ein Schwein. Aber nicht, weil ich lesbisch war, sondern weil ich einfachen, ganz „normalen“ Liebeskummer hatte.

Nach und nach erfuhren immer mehr Freunde aus Jugend und Schule davon. Und ich hatte echt Glück, manche waren interessiert, anderen war es egal, Diskrimmierung hab ich nicht erlebt! Ich war gut integriert, hatte meine Freunde vor allem in der Jugend. Glauben und Kirchgang waren selbstverständlich. Ich engagierte mich eine Weile sogar als Jugendvertreterin im Pfarrgemeinderat, sang in der Jugendschola, die Kirche und die Gemeinderäume waren mein zweites Zuhause. Es war kein Problem, meine sexuelle Orientierung mit meinem katholischen Glauben zu vereinbaren.

Die Reaktion der Eltern

Es folgten hilflose Flirtversuche meinerseits und in meinen Träumen „überzeugte“ ich die Hetero-Freundin davon, dass lesbische Liebe doch viel schöner ist… Ein paar Jungs versuchten mit mir anzubandeln, einmal ließ ich mich drauf ein, ich war halt einsam, aber Gefühle waren nicht dabei, so ging es auch nur ein paar Wochen gut. Irgendwann bahnte sich ein kleiner gegenseitiger Flirt mit einer Schulfreundin an und ich erlebte meinen ersten Kuss, ihre wohltuende Nähe.
Über die Sommerferien verlief sich das dann irgendwie und eine Beziehung mit einer Frau kam für sie wohl sowieso nicht in Frage. Ich litt nicht ganz so sehr, merkte aber dass diese Gefühle nun wirklich ernst sind und nicht mehr weggehen werden. Und so stand das Coming out bei meinen Eltern an. Ich hab so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, wenn man sich Coming out-Ratgeber durchliest. Um es kurz zu machen: Sie reagierten schockiert, abweisend. „Was sollen die Nachbarn sagen?!“ „Das ist nur eine Phase!“ „Das denkst du nur, weil man es so oft im Fernsehen sieht!“ (Bei Verbotene Liebe gab es zu der Zeit grade eine rührende lesbische Liebesgeschichte…) Ich heulte wie noch nie in meinem Leben.

Nach diesem einen Gespräch wurde das Thema für die nächsten Jahre nie wieder angeschnitten. Ich lebte weiterhin zu Hause, wahrscheinlich fuhr ich sogar noch mit meinen Eltern in den Urlaub, aber wie lebten nur nebeneinander, sprachen nur über Äußerlichkeiten, das Essen, die Termine. Darüber, wie es mir ging, was für Freunde ich habe, was mich bewegt – kein Wort . Ich igelte mich ein und war manchmal echt fies zu meinen Eltern. Um die Jahre tut es mir heute noch leid.

Lesbisch leben

Mit meinen Freunden fühlte ich mich wohl, ich war viel unterwegs, hatte tolle Gespräche und Begegnungen. Nur eine feste Freundin hatte ich nicht. Ja, ich hatte nicht mal lesbische Bekannte. Ich las Bücher übers Coming Out, lebsiche Jugendromane und schrieb selbst sehr viel. Schließlich kam das Studium und ich hatte mich inzwischen so mit meiner Sexualität arrangiert, dass ich es nicht mehr „nötig hatte“ mich zu outen. Also nicht in dem Sinn, dass ich mich vor jemanden stellte und sagte: „Hallo und übrigens ich bin lesbisch.“ sondern es ergab sich in Gesprächen oder wurde durch Bemerkungen einfach klar.

Schließlich war klar, so geht es nicht weiter, ich muss lesbische Frauen kennenlernen. Über eine Lesbengruppe, mehr noch über eine Kontaktanzeige lernte ich so die Frauen kennen, von denen die meisten immer noch zu meinen engsten Freunden zählen. Ein neuer Freundes- und Bekanntenkreis tat sich auf und damit auch neue Unternehmungen: schwul-lesbische Disko, CSD, Frauenstammtisch.
Im Rückblick hatte ich immer das Glück tolle Freunde um mich zu haben. Zwar hat es leider bisher keine Freundschaft in dieser Intensität über all die Jahre geschafft, sondern mit jedem Lebensphasenwechsel änderte sich auch der Freundeskreis, was ich manchmal sehr schade finde, aber ich hatte immer Vertraute um mich. Und die brauchte ich auch, denn ich war sehr einsam ohne eine feste Freundin.
Mein Selbstbewusstsein war nach wie vor nicht doll, ich hielt mich nach wie vor nicht für hübsch. Die verlogene Beziehung zu meinen Eltern belastete mich auch mehr, als ich mir eingestehen wollte und ich merkte langsam, dass sich da dieser Zwiespalt auftut. Zwischen meinem katholischen Leben, was ich nach wie vor praktizierte und meiner Homosexualität.
Während ich an der Uni und auf Partys kein Problem damit hatte, als Lesbe warhgenommen zu werden, wurde dies in der Gemeinde gut versteckt. Und wie sehr trafen mich Äußerungen von Kardinal Meisner und ich konnte lange Zeit das „an die KATHOLISCHE Kirche“ im Glaubensbekenntnis nicht mitsprechen. Aber wie konnte das sein? Ich hatte doch gelernt, dass Gott mich geschaffen hat, Gott mich liebt, wie kann denn dann die Kirche, in der ich diesen liebenden Gott doch kennengelernt hatte, sagen dass das eine schwere Sünde ist?!

Nicht mehr allein, aber schrecklich einsam

Irgendwann mit 21 lernte ich schließlich meine erste richtige Freundin kennen, mit der ich bis heute zusammen bin und hoffentlich für immer.
Das zweite Gespräch mit meinen Eltern über meine Homosexualität nach 6 Jahren Tabuisierung des Themas verlief dann auch ganz anders. Voller Vertrauen, Liebe, Annahme und offener Herzlichkeit gegenüber meiner Freundin. Ich weiß nicht, wie meine Eltern diese 6 Jahre erlebten, vielleicht frage ich irgendwann. An diesem Abend war ich einfach nur glücklich!

Doch nach und nach wurde der Zwiespalt wieder größer. Vor allem als ich anfing meinen Glauben auch mehr im Alltag leben zu wollen und ihn nicht nur auf sonntägliche Gottesdienstbesuche beschränken wollte. Ich fing an das Stundengebet zu beten, auch wochentags mal in die Messe zu gehen. Aber ich fühlte mich wie ein Fremdkörper, als würde ich lügen, denn ich lebte ja in schwerer Sünde, ich wusste es und tat es trotzdem. War es dann nicht Heuchelei in die Messe zu gehen, zu beten? Aber ich wollte es, ich wollte die Beziehung zu Gott vertiefen. Aber es schien so, als könnte ich meinen Glauben nur allein leben.
Einmal fuhr ich zu Frauenbesinnungstagen, aber ich kam mir fehl am Platz vor. Ich hatte so ganz andere Probleme als die anderen Teilnehmerinnen und ich konnte mich nicht öffnen, ich hatte zu viel Angst vor Ablehnung, Anfeindung.

So war ich wieder sehr einsam. Ich suchte im Internet nach Seiten, die sich mit Homosexualität und Kirche auseinander setzen, stieß auf die HuK und andere Initiativen und fand das bestätigt, was ich fühlte: es geht, man kann glauben und homosexuell sein. Ich analysierte die Bibelstellen, studierte den Katechismus, las Texte und wurde zu einem halben Theologe. Ich versuchte, eine objektive, fundierte Begründung zu finden, dass gelebte Homosexualität nicht Sünde sein kann.
Doch es ging nicht, alles Lesen, alle Erfahrungsberichte reichten nicht, um den nagenden Zweifel verstummen zu lassen. Je mehr ich mich damit beschäftigte, umso unmöglicher schien es mir, meinen katholischen Glauben zu praktizieren und weiterhin in einer lesbischen Beziehung zu leben. Dabei wollte ich doch nichts weiter als ein guter Christ sein. Aber hieße das wirklich, keusch zu leben? Meine Freundin nach 7 Jahren Beziehung zu verlassen? Wer sollte das verstehen? Wie könnte Gott das wollen, dass ich einen Menschen, der mich offen und ehrlich liebt, mit mir durch gute und schlechte Zeiten geht, so verletze?!

Leider schaffte ich es nicht, mit einem Pfarrer darüber zu reden. Ich hatte so große Angst, dass er bestätigt, dass es Sünde sei, dass die Hölle für mich vorprogrammiert ist, oder noch schlimmer Mitleid zu erhalten. So lebte ich weiter in dieser diffusen Unklarheit. Von meinen lebsichen Freundinnen war niemand katholisch bzw. einigen WAREN katholisch, inzwischen aber ausgetreten und konnten auch nicht verstehen, wie ich „immer noch in diesem Verein“ sein konnte. Unverständnis, wenn ich Karfreitag nicht mit auf Party ging, Kopfschütteln, als ich vom Papst erzählte. Ein Gespräch über meinen Glauben kam nicht zustande. Dass mich einige Kommentare sehr verletzten, merkten sie nicht. In ihren Augen war ich wohl wirklich nur zu faul oder ignorant um auszutreten, dass es mir dabei um meine Beziehung zu Gott ging, kam ihnen nicht in den Sinn. Ich saß zwischen den Stühlen. Mehr als einmal brach ich vor Aufregung und/oder Verzweiflung ob dieser Ausweglosigkeit fast zusammen.

Die Suche nach Auswegen

Evangelisch werden als Option? Nein, das kam nicht in Frage. Ich war „zu katholisch“, das Verständnis der Sakramente, vor allem des Altarsakraments, die Heiligen, die Anbetung – all das ist mir zu wichtig. Bei meinen vielen Internetrecherchen stieß ich auf die Altkatholiken, die scheinbar das waren, was ich suchte. Eine katholische Kirche, die gelebte Homosexualität akzeptiert. Diese Möglichkeit schien durchaus reizvoll. Aber „meiner“ römisch-katholischen Kirche den Rücken kehren? Denn auch eine innerchristliche Konversion setzt den Austritt voraus. Selbst meine Freundin, die nicht getauft ist und auch nicht an Gott glaubt, aber wurdervoll offen und interessiert ist, sagte, dass sie sich das bei mir nicht vorstellen könne.

Der innere Druck wurde immer größer und schließlich spielte Gott mir zwei wunderbare Gelegenheiten zu: Ich traf auf einer Gemeindeveranstaltung den Pfarrer wieder, der zu meiner Jugendzeit Jugendseelsorger war, bei dem mein Glaube sozusagen erwachsen geworden war, und ich fasste mir ein Herz und bat ihn um ein Gespräch. Noch bevor dieses stattfinden wird, entdeckte ich o.g. Gesprächsabend, zu dem ich gehen konnte, ohne mich gleich outen zu müssen, bei dem ich einfach nur zuhören konnte und zum ersten mal einen katholischen Pfarrer live über das Thema Homosexualität sprechen hörte, fragen konnte, mich vorsichtig mit anderen austauschen konnte.

Es war ein fantastischer Abend. Auch als „ordentlicher“ Katholik muss man gelebte Homosexualität nicht als (schwere) Sünde sehen. Ein Pfarrer mit diese Meinung saß direkt vor mir. Einer, der homosexuellen Paaren, den Segen Gottes zuspricht! Einer, der ermuntert, „trotzdem“ zur Kommunion zu gehen! Ich war wie im Rausch. Erst als ich wieder zu Hause war, flossen die Tränen nur so aus mir heraus, Tränen der Erlösung, der Erleichterung! Wie sehr lag es mir auf der Seele, erst durch all die Tränen wurde mir bewusst, wie sehr…

Natürlich ist es nicht von heute auf morgen gut, aber es gibt einen Weg, einen Weg, den ich nicht allein gehen muss! Einen Weg als Lesbe in der römisch-katholischen Kirche!

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13 Kommentare zu “lesbisch und katholisch

  1. Liebes, für mich gehörst du auch dazu. Bleib bloß bei uns in der Kirche. Wenn es nach mir ginge, dann würde sich der Heilige Geist dem Papst direktemeng offenbaren und festlegen, dass eine homosexuelle, treue Partnerschaft keine Abwendung von Gott bedeutet. Wenn zwei Menschen sich innig lieb haben und ihr Leben miteinander leben – ich weiß nicht, ob ich wirklich Sexualität so schimm finden soll, wenn sie nicht zur Zeugung von Nachkommenschaft bestimmt ist. Schlimm finde ich sinnentleerte Promiskuität, bloßes Spaßmitnehmen. Aber auch wenn ihr keine Kinder haben könnt, könnt ihr durch ein erfülltes (auch sexuelles Beisammensein) einander Stützen, durchs Leben begleiten und zum Glück in deinem Fall zu Gott hinführen (ja, Gott „benutzt“ auch ungläubige Partner).

    Ich weiß nicht, was ich für eine Meinung habe. Es war auch nie so wirklich nötig, mir eine zu bilden. Sünde, Sünde zu rufen – das ist doch wie den ersten Stein zu werfen – fand ich immer. Ich mit meiner Verhütung und Kinderplanung. 😉 Dann wiederum traue ich mich auch nicht zu behaupten „die Kirche liegt falsch!“ denn ich habe bestimmt nicht den Durchblick.
    Wenn du magst und nicht zu schlimme Hasskommentare bekommst, dann schreib weiter darüber. Schreib, wie du die Bibel auslegst, wo du glaubst, dass die Päpste irren und die konservativen Christen und warum du meinst, dass es christlich und völlig ok ist lesbisch zu sein. Mich interessiert es und ich werde nicht ausfallend.

    Ich wünschte, der Heilige Geist würde uns alle zu dem Thema erleuchten. Aber vielleicht tut er das ja und wir sind nur zu verstockt. Wir alle von allen Seiten.

    Ratlose Grüße
    Huppicke

    • Meine liebe Huppicke, ich danke dir! Für dein Gebet und deinen lieben Kommentar! Das tut sehr gut!!!
      Mit Hasskommentaren will ich doch nicht rechnen! Aber weiter davon erzählen, will ich gern. Auch wenn es mir fern liegt, meine Sexualität vor jederman auszubreiten. Aber vielleicht hilft es der ein oder anderen katholischen Lesbe auch ihren Weg zu finden und dass dieser nicht zwingend aus der Kirche herausführen muss. Mir hätte so jemand dsehr geholfen – du kannst dir nicht vorstellen wie aufgeregt ich vor besagten Gesprächsabend war und das als erwachsene Frau! 😉

      Für heute aber reicht es an schriftlichen Ergüssen meinerseits – gute Nacht!

  2. Hallo gottvertrauen, ich bin heute das erste Mal auf deinem Blog gelandet. Vielen Dank für deine Geschichte. So viel Mut hätte ich nicht gehabt, so viel ganz Persönliches zu berichten. Und mein Respekt für dein Ringen um deinen Weg! Mich selbst würde zwar so mancher als „konservativen“ Christen bezeichnen, und ich finde mich mit einer solchen Etikettierung unversehens wie zum Beispiel in Huppickes Kommentar in einem Atemzug mit „Hasskommentaren“ und „irrenden Päpsten“, dennoch möchte auch ich mich bemühen, nicht ausfallend zu werden. Hab auch gleich mal meinen eigenen Blog gecheckt, wie ich mich in der Vergangenheit zum Thema Homosexualität geäußert habe. Die Anonymität des Internets fördert ja ähnlich wie das Autofahren die Aggressivität. Aber ich glaube, wenn ich mich mal bissig geäußert habe, sind’s eher Medien und Bischöfe, die bei mir ihr Fett abbekommen haben. Lediglich erstmals vor wenigen Tagen, am 6.2., habe ich gegen den Pride-Kurzfilm auf katholisch.de polemisiert. Findest du das überzogen?

    • Willkommen Damian und danke für deinen sehr reflektierten Kommentar. Leider hast du recht, oft vergisst man hinter der Tastatur, dass man Mensch ist und hinter jedem Blogger, Kommentator etc auch ein Mensch steht, ob nun homo, hetero, (erz)katholisch, atheistisch oder sonst was. Wollen wir hoffen, dass es hier fair bleibt und trotzdem ein Austausch über verschiedene Ansichten möglich ist.
      Zum Video: Ehrlich gesagt kann ich da gar nicht viel zu sagen. Ich versteh das Video nicht. Es ist eine Aneinanderreihung der dämlichsten Klischees über Homos und Heteros, ohne einen refklektierten Umgang damit zu fördern. Was wollten die Filmemacher? Und was will katholisch.de damit? :/
      Demzufolge kann ich deinen Artikel darüber auch nicht überzogen finden.
      Mit ist es ein Anliegen zu zeigen, dass es DEN Homosexuellen nicht gibt, genauso wenig wie DEN Katholiken. Und dass man trotz verschiedener Ansichten und Lebensmodelle respektvoll miteinander umgehen und sich tolerieren kann.

      • Ich freue mich, dass du das mit dem Video auch so siehst. Hast du gestern abend Maischberger gesehen? Vielleicht kriege ich heute noch einen Kommentar dazu zusammen.

      • Nein, das hab ich nicht gesehen. Ich bin zwar lesbisch und durch den Artikel und sicher noch ein paar weitere aufm Blog ist es grade „das“ Thema, aber im Normalfall dreht sich mein Alltag nicht die ganze Zeit um (meine) Homosexualität.
        An der Stelle aber doch ein kurzes Wort zum Bildungsplan, um den es ja wohl in der Sendung ging: Niemand, der heterosexuell empfindet, kann schwul oder lesbisch gemacht werden! (Andersrum übrigens genauso!) Niemand wir schwul, weil Homosexualität in der Schule „behandelt“ wird. Homosexualität existiert, das ist ein Fakt, es ist genetisch bedingt (KEIN GENDEFEKT!) und damit natürlich, wenn auch, gehen wir von diplomatischen 5 % aus, nicht die „Norm“. Wenn das Thema nun in der Schule behandelt wird, lernen 95 % diese Tatsache kennen, manche werden es nervig und langweilig finden, andere bauen vielleicht ein paar Vorurteile ab und können so zu einem friedlichen Miteinander insgesamt beitragen (denn der Homosexuelle an sich tut ja niemandem was). Die 5 %, also der eine homosexuelle Jugendliche in der Klasse merkt: Hey, ich bin nicht allein, ich bin ok! Er entdeckt vielleicht im Lehrer jemanden, mit dem er darüber sprechen kann. Er erkennt in seinen Klassenkameraden Freunde, die vorbehaltlos zu ihm stehen.
        Bildung heißt nicht, ihr müsst alle so werden. Aber Bildung trägt zu Respekt und Frieden bei, generell, nicht nur auf Homosexualität bezogen, ich muss andere Menschen kennenlernen, um gut mit ihnen leben zu können. Daran kann ich nichts falsches erkennen. Ist das nicht sogar christlich?

  3. Ich freue mich wie Bolle, dass Dir diese Gesprächsrunde so weitergeholfen hat. So eine geistige Heimat ist so schwierig zu finden, ich kann gut verstehen, dass Du die nicht aufgeben willst.
    Hoffentlich bekommst Du auch weiterhin so ermutigende Signale aus der Kirche!

    • Stimmt schon, aber alleine glauben ist – wenn man nicht zum Eremiten-Dasein berufen ist – halt schwer und in einer Gemeinschaft, deren offizielle und scheinbar einzige Meinung zum Thema ist: Leb enthaltsam! muss man halt erstmal gucken, wie man sich damit arrangieren kann.

  4. Ich bin neu hier und möchte gleich zu Beginn fairerweise erwähnen, dass ich mich eher zu den konservativen und lehramtstreuen Katholiken rechne.
    Das heißt aber nicht, ablehnend und hartherzig gegenüber homosexuellen Menschen eingestellt zu sein.
    Wir sollen und dürfen uns gegenseitig so annehmen, wie wir sind.
    GOTT macht es uns vor!
    Das ehrliche Erzählen der Suche nach Ihrer sexueller Identität hat mich sehr positiv beeindruckt und ebenso die Schilderung Ihrer lebendigen Beziehung zu Gott und Ihr Verhältnis zur katholischen Kirche.
    Sie haben sich darüber mehr Gedanken gemacht als so mancher von sich überzeugte Katholik.

    Wie sich die Kirche zu Homo-Ehen stellen soll, darüber habe ich mir (noch) kein endgültiges Urteil gebildet.
    Es ist und bleibt wohl schwierig, eine für alle einvernehmliche Lösung zu finden.
    Eine von treuer Liebe getragene Partnerschaft ist immer wertvoll und sollte eine Art Schutz genießen.
    Ich kenne ein lesbisches Pärchen, ebenso einen homosexuellen Mann, ein gläubiger Katholik.
    Womit ich ein Problem habe -ich räume das ein- ist das teilweise sehr aggressive Auftreten bestimmter Homo-Lobbygruppen und da wende ich mich auch immer mal wieder in verschiedenen Kommentaren dagegen.
    Ich denke, dass diese Lobbyarbeit dem einzelnen homo- und lesbisch orientierten Mitmenschen manchmal eher schadet als nützt, denn ich könnte mir vorstellen, dass diese ihren Alltag vielfach genauso unbehelligt, frei und „normal“ leben wollen wie Heteros, ohne immer diese laute und manchmal schräge Kulisse im Hintergrund, die man ihnen verpasst.
    Toleranz und gegenseitiger Respekt kann sich nur in innerer Freiheit entwickeln.
    Nicht alles ist Homophobie, was als solche bezeichnet wird.
    Ich wünsche mir -wo immer das möglich ist- ein gesellschaftliches Miteinander oder zumindest ein Nebeneinander, ohne gegenseitige Abwertung.

    Das war aber jetzt ein langer Kommentar!
    Scusa!

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