„Vetrauen – trotz allem“ – Gedanken zu einem Radiovortrag

Eher durch Zufall bin ich gestern auf eine Sendung bei Radio Horeb aus der Reihe Spiritualität aufmerksam geworden: ein Vortrag von Pfarrer Werner Ludescher aus Dornbirn in Österreich zum Thema „Vertrauen – trotz allem“

Klar, dass ich mir die Sendung angehört habe, denn der Titel passt ja hervorragend zum Thema des Blogs. Auch wenn ich mir unter dem „trotz allem“ einen konkreteren Bezug zum Weiter-Vertrauen nach Schicksalsschlägen erwartet hätte, hat mir der Vortrag sehr gut gefallen. Es sind viele grundlegende Gedanken zum Thema Gottvertrauen. Deswegen will ich hier eine persönliche Zusammenfassung dieser Gedanken aufschreiben.

Wie gesagt, es sind nicht meine eigenen, aber sie lohnen sich weitergegeben zu werden. Den ganzen Vortrag kann man z.B. als mp3 auf der Seite von Radio Horeb herunterladen.

Als der Moderator den Pfarrer ankündigte und erklärte, dass man ja als Laie Priester und Ordensleute immer irgendwie als Experten auf dem Gebiet des Gottvertrauens ansieht, stellte Pfarrer Ludescher erst einmal klar, dass dem (leider) keineswegs so ist. Sondern auch er jeden Tag neu beginnen muss, jeden Tag neu vertrauen muss. (Das ist doch schon mal sehr beruhigend, oder? 😉 )

Dass Glauben und Vertrauen sehr eng zusammenhängen ist jedem irgendwie klar. Wer glaubt, kann auf Gott vertrauen und wer auf Gott vertraut, nun, der muss auch an Gott glauben. Wie eng die Beziehung zwischen Glauben und Vertrauen tatsächlich ist, war mir bis gestern aber noch nicht klar. Denn das Wort „Glaube“ vom griechischen pistis bedeutet eben auch Vertrauen.

Der Vortrag beginnt mit einer Geschichte von Don Bosco, der immer wieder Hilfe erfahren hat, indem er auf Gott vertraut hat. (So bekam er beispielsweise noch während eines fragenden Gebets an Gott das erste Haus für seine Arbeit mit Jugendlichen geschenkt.) Weitere Beispiele von Heiligen zeigen uns, dass der, der vertraut, auch Hilfe bekommt – diese Zeugnisse der Heiligen sollen uns helfen in alltäglichen Dingen das Vertrauen zu lernen.

Wir sollen dabei nicht verzweifelt beten oder gar betteln, sondern uns in aller Ruhe Gott überlassen, so wie ein Kind sich und seine Ängst auch ganz den liebenden Eltern überlässt.

Es gibt drei Arten, wie Gott unsere Gebete erhört:
1. Er sagt „Ja“ und erfüllt unsere Bitte.
2. Er lässt uns noch warten.
3. Er erfüllt unsere Bitte nicht. Weil er etwas Besseres für uns hat, etwas, was uns mehr zu unserem Heil dient, als unser derzeitiger Wunsch.

Wenn Gott uns warten lässt, dann prüft er sozusagen unser Vertrauen, er wartet, bis wir wirklich voll Vertrauen beten und nicht aus purer Verzweiflung. Er läutert damit uns und unser Vertrauen. Gott vertrauen bedeutet immer, ihm einen Vertrauensvorschuß zu geben und anzunehmen, dass er es immer und ausnahmslos besser weiß als wir und alles, was er tut, richtig und zu unserem Heil ist!

Unter diesem Aspekt betrachtete der Pfarrer auch kritisch die Bitte um Gesundheit (auch wenn er betonte, dass er uns allen natürlich Gesundheit wünscht!) und fragte, ob denn nicht auch oder gerade Zeiten der Krankheit wichtig sind für unsere innere Reife und Nähe zu Gott.
Gott meint es gut mit mir, auch wenn es mir nicht gut geht! Auch wenn er mir nicht meine Wünsche erfüllt, denn er liebt mich und kennt mich durch und durch und alles, was geschieht, hat seinen Sinn und seine Bedeutung, die aber manchmal nur Gott kennt. Gott weiß, was gut ist. Er ist der „Weber von unserem Lebensteppich“ und wenn man einem Weber über die Schulter schaut, versteht man auch nicht das Gewirr aus Fäden und Farben, doch wir können uns sicher sein, das Ergebnis ist wunderschön!

Diese Einstellung hilft uns, uns mit unserem bisherigen Leben zu versöhnen, mit Situationen, die wir nicht verstehen. Wir dürfen Gott nicht unsere Liebe entziehen, wenn er nicht macht, was wir wollen, wir müsen innerlich mitmachen und uns nicht selbst zum Bestimmer machen – wir müssen Gott Gott sein lassen!

Die kleine Therese von Liseux kann uns Vorbild sein, was es heißt, wirklich Kind Gottes zu sein. Sie ist den „kleinen Weg“ gegangen, den Weg der Liebe und des Vertrauens, indem sie anerkannte, dass sie aus sich selbst heraus nichts vermag, aus sich selbst heraus nicht heilig werden kann, dass auch alle Tugenden nur von Gott kommen.

Von ihr stammt der Satz, dass Verzweiflung dadurch entsteht, dass man zuviel an die Vergangenheit und/oder die Zukunft denkt (voll erwischt!) Deswegen betete sie: Herr, gib mir Kraft – nur für heute! Gib mir Liebe – nur für heute! Gib mir Vertrauen – nur für heute! (Stammt das wirklich von ihr? Ich konnte es im Netz nicht finden.) Wenn ich darum bitte, dann kann ich unangenehme Dinge schon vorher annehmen, Ja sagen zu negativen Erlebnissen.

Die kleine Therese sagt über sich selbst, dass sie die meisten Glaubenszeichen gesetzt hat, in Phasen als sie zweifelte an Gott und haderte mit ihm. Denn für sie ist glauben wollen schon glauben. Gott vertrauen wollen schon vertrauen (Halleluja! Herr, ich danke dir, dass ich diesen Satz hören durfte!)

Die Geschichte vom Jäger und dem weißen Hasen soll uns ermutigen, in Zeiten der Not und Bedrägnis in Gottes Arme zu springen:

Ein König, der auf die Jagd gegangen war, verfolgte einen weißen Hasen. Seine Hunde hatten ihn schon fast eingeholt. In diesem Augenblick kehrte der kleine Hase, der sich bereits verloren glaubte, plötzlich um und sprang in die Arme des Jägers. Dieser war über so viel Vertrauen betroffen und wollte sich von dem weißen Hasen nicht mehr trennen. Niemandem erlaubte er ihn anzupacken, und behielt sich die Sorge für seine Nahrung vor. Genauso wird sich Gott uns gegenüber verhalten, wenn wir verfolgt von der Gerechtigkeit – versinnbildlicht durch die Hunde – Zuflucht in den Armen unseres Richters suchen…

Pfarrer Ludescher beruhigt uns auch und sagt, dass dies immer wieder nötig sein wird, sogar mehrmals am Tag nötig sein kann. Man hat nicht einmal Gottvertrauen für immer. Sondern es sind immer wieder kleine Akte des Vertrauens nötig. Ein kleines Gebet zum Beispiel. Jesus, ich vertraue dir! Jesus, erbarme dich meiner!

Wir dürfen uns nicht der Mutlosigkeit hingeben, denn dann kann Gott nicht wirken.
Als Bibelgeschichte über Vertrauen und Mutlosigkeit erzählt der Pfarrer anschließend die Geschichte von Petrus, der auf dem Wasser zu Jesus geht. Dazu muss ich nichts schreiben, denn wie es der Zufall will, habe ich das ja vor kurzem hier und hier getan 🙂

Wir müssen lernen uns auf Jesus zu konzentrieren, unseren Blick auf Jesus zu richten und nicht auf uns und unsere Probleme, denn dann sinkt das Vertrauen, dann sinkt der Mut, dann sinken wir wie Petrus. Oftmals sind auch unsere Gebete nur eine Konzentration auf unsere Probleme. Was suche ich im Gebet? Will ich wirklich Jesus suchen, ihn schauen? Dann werde ich mehr Freude im Herzen empfinden. Nicht immer lassen sich unsere Ängste und Sorgen im Gebet wegschieben, doch wir dürfen nicht aufhören, es zu wollen und zu versuchen, eben jeden Tag neu zu beginnen.

Beten wir also nicht um leichtere Last sondern stärkere Schultern. Um mehr Liebe zu unserem Kreuz. Sagen wir „Ja“ zu Gottes Plan mit uns, denn er ist gut!

Zum Schluss gibt uns der Pfarrer noch einen konkreten Tipp fürs Gebet mit: Dass wir mehr in den Anliegen der Gottesmutter beten als in unseren eigenen. Dass wir den Rosenkranz für die Muttergottes beten und es ihr überlassen, wo und wie sie wirken will. Wir kümmern uns um ihr Anliegen, die alle Menschen zu Gott führen will, dann kümmert sie sich schon um unsere. Das kann sehr befreiend sein, wenn wir nicht überlegen müssen und uns verkrampfen, für wen und was wir alles beten „müssen“, wir können es ihr überlassen, auch sie weiß es besser!

Halte dich fest an Gott, mach’s wie der Vogel, der nicht aufhört zu singen, wenn der Ast auch bricht, denn er weiß, dass er Flügel hat. (Don Bosco)

Auch wir haben Flügel, sie sind unsere Akte des Vertrauens!

Um seinen priesterlichen Segen gebeten, betonte Pfarrer Ludescher noch einmal, dass glauben allein sehr schwierig ist und ermunterte uns, uns gegenseitig zu helfen, durch Segen und Gebet.
In diesem Sinne:

Gottes Segen begleite euch – heute! Er gebe euch Kraft – für heute, Vertrauen – für heute! Amen.

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