Gottvertrauen und Kleinglaube in der Bibel – Teil 2

Ihr musstet lange darauf warten, hier nun der 2. Teil zum Posting von Geschichten über Gottvertrauen in der Bibel (hier geht’s zu Teil 1)

 

Die Jünger sind also bei Sturm in einem kleinen Fischerboot mitten auf dem See, als eine Gestalt wie aus dem Nichts auftaucht und auf sie zukommt und sie hören Jesus‘ Stimme, die ihnen zuruft: „Habt keine Angst!“

Petrus, der erste und älteste Jünger, vielleicht auch der erfahrenste Fischer, ist es, der allen Mut zusammennimmt und sich der Situation stellt und mit Jesus spricht: „Wenn du wirklich Jesus, unser Herr, bist, dann mach, dass ich auf dem Wasser mitten durch den Sturm zu dir kommen kann.“

Hier stellt sich mir die Frage, warum sagt Petrus das. Warum sagt er nicht: „Hey, schön, dass du da bist, komm ins Boot!“ oder „Mensch, Jesus, wie kommst du denn hierher?“ oder „Herr, mach doch, dass der Sturm sich legt, wie du es schon einmal getan hast.“ (Mt 8,23-27)
Ist es eine Art Test, um zu sehen, ob es wirklich Jesus ist und nicht doch ein Ungeheuer? Wahrscheinlich. Zumindest fällt mir keine andere Interpretation ein, euch vielleicht?

Drei Dinge können wir erkennen: zum einen glaubt Petrus nicht einfach alles und will auch diese schwierige Situation verstehen, um zu wissen, womit er es zu tun hat und zum anderen ist er inzwischen lange genug mit Jesus unterwegs, um zu wissen, Jesus kann alles, er kann Wunder vollbringen, auch wenn es immer wieder die Vorstellungskraft der Jünger übersteigt. Und das dritte: Er weiß, dass er aus sich selbst heraus nichts vermag. Er ist nicht so vermessen einfach aus dem Boot zu steigen. Nein, nur durch Gott kann er das vollbringen.

Und was macht Jesus? Der sagt einfach: „Komm!“ Ohne Anleitung, ohne nochmalige Bestätigung, dass er es ist, ohne große Worte, einfach nur: „Komm!“

Solche Situationen kennen wir auch alle. Es gibt Stürme in unserem Leben, große und kleine, Situationen, wo wir kein Land mehr sehen, Momente, in denen wir neu anfangen müssen, neue Schritte wagen, uns auf unbekanntes Terrain begeben müssen. So wie Petrus, der als Fischer das Wasser zwar gut kennt, aber eben nur vom sicheren Boot aus. Nun soll er ohne Boot, ohne Rettungsweste (wenn es so etwas damals schon gegeben hätte) auf dem Wasser gehen. Vielleicht hat er in dem Moment gedacht: Oh Mist, hätt ich doch nichts gesagt, nun muss ich da durch…

Er nimmt also allen Mut zusammen und steigt voll Vertrauen auf Jesus aus dem Boot und siehe da: er geht nicht unter, das Wasser trägt ihn. Ein Schritt, noch ein Schritt – ein Wunder! Wie unglaublich muss sich das angefühlt haben, welch Euphorie muss Petrus ergriffen haben. Ja, das ist Jesus, unser Herr, Gottes Sohn!

Doch dann wird er sich wieder der Situation bewusst, auf einmal nimmt er wieder den Sturm war, die Wellen, ihm wird klar, da ist nichts unter mir, man KANN nicht auf dem Wasser laufen (und vielleicht konnte er noch nicht einmal schwimmen). Angst! Kein Vertrauen mehr. Sein Blick geht weg von Jesus, er sieht nur noch sich und seine Unfähigkeit gegen diese Situation anzukommen. Und er beginnt unterzugehen.

Die anderen im Boot können ihm nicht helfen, er selbst sich auch nicht, bleibt nur eins, nur einer: Jesus. Ob nun doch das Gottvertrauen aus Petrus spricht oder seine schiere Todesangst, als er fleht: „Herr, rette mich!“ werden wir nicht erfahren. Es ist auch nicht weiter von Bedeutung, denn ich will den Blick jetzt auf Jesus lenken.

Sofort streckt er die Hand aus. SOFORT. Er läßt Petrus nicht noch ein bißchen zappeln als Strafe für seinen Kleinglauben, als Denkzettel – nein, SOFORT hilft er. Sofort ist er zur Stelle, wenn ihn jemand um Hilfe bittet. Sofort hält er uns seine Hand hin. Wohlgemerkt, er hält uns seine Hand hin, er zieht uns nicht aus dem Wasser, wir müssen seine Hand schon selbst ergreifen!
Er will nicht, dass wir Angst haben, er will nicht, dass uns etwas passiert, er ist jederzeit da, um uns zu helfen.

(c) Boschfoto mit creativ commons auf wikipedia.de

(c) Boschfoto mit creativ commons auf wikipedia.de

Seine folgenden Worte habe ich lange Zeit als Vorwurf verstanden, mit harter, strenger Stimme vorgetragen: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“
Inwzischen höre ich sie viel leiser, fast so als würde Jesus mehr mit sich selbst sprechen. Er ist traurig. Traurig, dass Petrus nicht weiter geglaubt, nicht weiter vertraut hat. Traurig, dass wir immer wieder an ihm zweifeln.

Doch selbst nach dieser Enttäuschung wendet sich Jesus nicht ab und sagt: „Tja, Pech gehabt, ihr vertraut nicht genug, nun seht zu, wie ihr an Land kommt.“ Nein, er bleibt bei seinen Jüngern und der Sturm legt sich.
Auch wenn wir eine Prüfung unseres Glaubens, einen Vertrauensprobe nicht bestehen, verlässt uns Gott nicht! Er läßt uns zur Ruhe kommen, gibt uns Zeit zum Nachdenken, Zeit ihm zu danken. „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!“

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2 Kommentare zu “Gottvertrauen und Kleinglaube in der Bibel – Teil 2

  1. Die Worte „du Kleingläubiger…“ die höre ich innerlich immer mit einer ganz sanften, mütterlichen Stimme. So liebevoll. Und dann denke ich, wenn Petrus sich mit seinem so sehr starken Glauben von der Umwelt beirren läßt, dann ist es kein Wunder, dass mir das auch ständig passiert. Aber dann kann ich auch die Hände ausstrecken und um Hilfe schreien und Jesu Hände sind schon da.
    Ich hoffe jedenfalls, dass Christus auch mir trotz meiner Kleingläubigkeit hilft. Nein, nein, ich weiß es ja schon. Es ist nur nicht so spektakulär mit auf dem Wasser gehen und so. 😉

    • Ein schöner Blick auf diese Geschichte. Ich danke dir!
      Auf dass wir uns immer wieder aus dem Boot hinaus aufs Wasser wagen (auch wenn’s eine unspektakulär alltägliche Pfütze ist…)

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