Fragen

Wieso gibt es verschiedenen Konfessionen? Und wieso müssen sie so oft auf ihrem Recht bestehen und gegeneinander reden?

Wieso ist christliche Gemeinschaft so schwer zu realisieren?

Wir glauben doch alle an den einen Gott, den einen Herrn.

Verwirrt und traurig.

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„Vetrauen – trotz allem“ – Gedanken zu einem Radiovortrag

Eher durch Zufall bin ich gestern auf eine Sendung bei Radio Horeb aus der Reihe Spiritualität aufmerksam geworden: ein Vortrag von Pfarrer Werner Ludescher aus Dornbirn in Österreich zum Thema „Vertrauen – trotz allem“

Klar, dass ich mir die Sendung angehört habe, denn der Titel passt ja hervorragend zum Thema des Blogs. Auch wenn ich mir unter dem „trotz allem“ einen konkreteren Bezug zum Weiter-Vertrauen nach Schicksalsschlägen erwartet hätte, hat mir der Vortrag sehr gut gefallen. Es sind viele grundlegende Gedanken zum Thema Gottvertrauen. Deswegen will ich hier eine persönliche Zusammenfassung dieser Gedanken aufschreiben.

Wie gesagt, es sind nicht meine eigenen, aber sie lohnen sich weitergegeben zu werden. Den ganzen Vortrag kann man z.B. als mp3 auf der Seite von Radio Horeb herunterladen.

Als der Moderator den Pfarrer ankündigte und erklärte, dass man ja als Laie Priester und Ordensleute immer irgendwie als Experten auf dem Gebiet des Gottvertrauens ansieht, stellte Pfarrer Ludescher erst einmal klar, dass dem (leider) keineswegs so ist. Sondern auch er jeden Tag neu beginnen muss, jeden Tag neu vertrauen muss. (Das ist doch schon mal sehr beruhigend, oder? 😉 )

Dass Glauben und Vertrauen sehr eng zusammenhängen ist jedem irgendwie klar. Wer glaubt, kann auf Gott vertrauen und wer auf Gott vertraut, nun, der muss auch an Gott glauben. Wie eng die Beziehung zwischen Glauben und Vertrauen tatsächlich ist, war mir bis gestern aber noch nicht klar. Denn das Wort „Glaube“ vom griechischen pistis bedeutet eben auch Vertrauen.

Der Vortrag beginnt mit einer Geschichte von Don Bosco, der immer wieder Hilfe erfahren hat, indem er auf Gott vertraut hat. (So bekam er beispielsweise noch während eines fragenden Gebets an Gott das erste Haus für seine Arbeit mit Jugendlichen geschenkt.) Weitere Beispiele von Heiligen zeigen uns, dass der, der vertraut, auch Hilfe bekommt – diese Zeugnisse der Heiligen sollen uns helfen in alltäglichen Dingen das Vertrauen zu lernen.

Wir sollen dabei nicht verzweifelt beten oder gar betteln, sondern uns in aller Ruhe Gott überlassen, so wie ein Kind sich und seine Ängst auch ganz den liebenden Eltern überlässt.

Es gibt drei Arten, wie Gott unsere Gebete erhört:
1. Er sagt „Ja“ und erfüllt unsere Bitte.
2. Er lässt uns noch warten.
3. Er erfüllt unsere Bitte nicht. Weil er etwas Besseres für uns hat, etwas, was uns mehr zu unserem Heil dient, als unser derzeitiger Wunsch.

Wenn Gott uns warten lässt, dann prüft er sozusagen unser Vertrauen, er wartet, bis wir wirklich voll Vertrauen beten und nicht aus purer Verzweiflung. Er läutert damit uns und unser Vertrauen. Gott vertrauen bedeutet immer, ihm einen Vertrauensvorschuß zu geben und anzunehmen, dass er es immer und ausnahmslos besser weiß als wir und alles, was er tut, richtig und zu unserem Heil ist!

Unter diesem Aspekt betrachtete der Pfarrer auch kritisch die Bitte um Gesundheit (auch wenn er betonte, dass er uns allen natürlich Gesundheit wünscht!) und fragte, ob denn nicht auch oder gerade Zeiten der Krankheit wichtig sind für unsere innere Reife und Nähe zu Gott.
Gott meint es gut mit mir, auch wenn es mir nicht gut geht! Auch wenn er mir nicht meine Wünsche erfüllt, denn er liebt mich und kennt mich durch und durch und alles, was geschieht, hat seinen Sinn und seine Bedeutung, die aber manchmal nur Gott kennt. Gott weiß, was gut ist. Er ist der „Weber von unserem Lebensteppich“ und wenn man einem Weber über die Schulter schaut, versteht man auch nicht das Gewirr aus Fäden und Farben, doch wir können uns sicher sein, das Ergebnis ist wunderschön!

Diese Einstellung hilft uns, uns mit unserem bisherigen Leben zu versöhnen, mit Situationen, die wir nicht verstehen. Wir dürfen Gott nicht unsere Liebe entziehen, wenn er nicht macht, was wir wollen, wir müsen innerlich mitmachen und uns nicht selbst zum Bestimmer machen – wir müssen Gott Gott sein lassen!

Die kleine Therese von Liseux kann uns Vorbild sein, was es heißt, wirklich Kind Gottes zu sein. Sie ist den „kleinen Weg“ gegangen, den Weg der Liebe und des Vertrauens, indem sie anerkannte, dass sie aus sich selbst heraus nichts vermag, aus sich selbst heraus nicht heilig werden kann, dass auch alle Tugenden nur von Gott kommen.

Von ihr stammt der Satz, dass Verzweiflung dadurch entsteht, dass man zuviel an die Vergangenheit und/oder die Zukunft denkt (voll erwischt!) Deswegen betete sie: Herr, gib mir Kraft – nur für heute! Gib mir Liebe – nur für heute! Gib mir Vertrauen – nur für heute! (Stammt das wirklich von ihr? Ich konnte es im Netz nicht finden.) Wenn ich darum bitte, dann kann ich unangenehme Dinge schon vorher annehmen, Ja sagen zu negativen Erlebnissen.

Die kleine Therese sagt über sich selbst, dass sie die meisten Glaubenszeichen gesetzt hat, in Phasen als sie zweifelte an Gott und haderte mit ihm. Denn für sie ist glauben wollen schon glauben. Gott vertrauen wollen schon vertrauen (Halleluja! Herr, ich danke dir, dass ich diesen Satz hören durfte!)

Die Geschichte vom Jäger und dem weißen Hasen soll uns ermutigen, in Zeiten der Not und Bedrägnis in Gottes Arme zu springen:

Ein König, der auf die Jagd gegangen war, verfolgte einen weißen Hasen. Seine Hunde hatten ihn schon fast eingeholt. In diesem Augenblick kehrte der kleine Hase, der sich bereits verloren glaubte, plötzlich um und sprang in die Arme des Jägers. Dieser war über so viel Vertrauen betroffen und wollte sich von dem weißen Hasen nicht mehr trennen. Niemandem erlaubte er ihn anzupacken, und behielt sich die Sorge für seine Nahrung vor. Genauso wird sich Gott uns gegenüber verhalten, wenn wir verfolgt von der Gerechtigkeit – versinnbildlicht durch die Hunde – Zuflucht in den Armen unseres Richters suchen…

Pfarrer Ludescher beruhigt uns auch und sagt, dass dies immer wieder nötig sein wird, sogar mehrmals am Tag nötig sein kann. Man hat nicht einmal Gottvertrauen für immer. Sondern es sind immer wieder kleine Akte des Vertrauens nötig. Ein kleines Gebet zum Beispiel. Jesus, ich vertraue dir! Jesus, erbarme dich meiner!

Wir dürfen uns nicht der Mutlosigkeit hingeben, denn dann kann Gott nicht wirken.
Als Bibelgeschichte über Vertrauen und Mutlosigkeit erzählt der Pfarrer anschließend die Geschichte von Petrus, der auf dem Wasser zu Jesus geht. Dazu muss ich nichts schreiben, denn wie es der Zufall will, habe ich das ja vor kurzem hier und hier getan 🙂

Wir müssen lernen uns auf Jesus zu konzentrieren, unseren Blick auf Jesus zu richten und nicht auf uns und unsere Probleme, denn dann sinkt das Vertrauen, dann sinkt der Mut, dann sinken wir wie Petrus. Oftmals sind auch unsere Gebete nur eine Konzentration auf unsere Probleme. Was suche ich im Gebet? Will ich wirklich Jesus suchen, ihn schauen? Dann werde ich mehr Freude im Herzen empfinden. Nicht immer lassen sich unsere Ängste und Sorgen im Gebet wegschieben, doch wir dürfen nicht aufhören, es zu wollen und zu versuchen, eben jeden Tag neu zu beginnen.

Beten wir also nicht um leichtere Last sondern stärkere Schultern. Um mehr Liebe zu unserem Kreuz. Sagen wir „Ja“ zu Gottes Plan mit uns, denn er ist gut!

Zum Schluss gibt uns der Pfarrer noch einen konkreten Tipp fürs Gebet mit: Dass wir mehr in den Anliegen der Gottesmutter beten als in unseren eigenen. Dass wir den Rosenkranz für die Muttergottes beten und es ihr überlassen, wo und wie sie wirken will. Wir kümmern uns um ihr Anliegen, die alle Menschen zu Gott führen will, dann kümmert sie sich schon um unsere. Das kann sehr befreiend sein, wenn wir nicht überlegen müssen und uns verkrampfen, für wen und was wir alles beten „müssen“, wir können es ihr überlassen, auch sie weiß es besser!

Halte dich fest an Gott, mach’s wie der Vogel, der nicht aufhört zu singen, wenn der Ast auch bricht, denn er weiß, dass er Flügel hat. (Don Bosco)

Auch wir haben Flügel, sie sind unsere Akte des Vertrauens!

Um seinen priesterlichen Segen gebeten, betonte Pfarrer Ludescher noch einmal, dass glauben allein sehr schwierig ist und ermunterte uns, uns gegenseitig zu helfen, durch Segen und Gebet.
In diesem Sinne:

Gottes Segen begleite euch – heute! Er gebe euch Kraft – für heute, Vertrauen – für heute! Amen.

Gottvertrauen und Kleinglaube in der Bibel – Teil 2

Ihr musstet lange darauf warten, hier nun der 2. Teil zum Posting von Geschichten über Gottvertrauen in der Bibel (hier geht’s zu Teil 1)

 

Die Jünger sind also bei Sturm in einem kleinen Fischerboot mitten auf dem See, als eine Gestalt wie aus dem Nichts auftaucht und auf sie zukommt und sie hören Jesus‘ Stimme, die ihnen zuruft: „Habt keine Angst!“

Petrus, der erste und älteste Jünger, vielleicht auch der erfahrenste Fischer, ist es, der allen Mut zusammennimmt und sich der Situation stellt und mit Jesus spricht: „Wenn du wirklich Jesus, unser Herr, bist, dann mach, dass ich auf dem Wasser mitten durch den Sturm zu dir kommen kann.“

Hier stellt sich mir die Frage, warum sagt Petrus das. Warum sagt er nicht: „Hey, schön, dass du da bist, komm ins Boot!“ oder „Mensch, Jesus, wie kommst du denn hierher?“ oder „Herr, mach doch, dass der Sturm sich legt, wie du es schon einmal getan hast.“ (Mt 8,23-27)
Ist es eine Art Test, um zu sehen, ob es wirklich Jesus ist und nicht doch ein Ungeheuer? Wahrscheinlich. Zumindest fällt mir keine andere Interpretation ein, euch vielleicht?

Drei Dinge können wir erkennen: zum einen glaubt Petrus nicht einfach alles und will auch diese schwierige Situation verstehen, um zu wissen, womit er es zu tun hat und zum anderen ist er inzwischen lange genug mit Jesus unterwegs, um zu wissen, Jesus kann alles, er kann Wunder vollbringen, auch wenn es immer wieder die Vorstellungskraft der Jünger übersteigt. Und das dritte: Er weiß, dass er aus sich selbst heraus nichts vermag. Er ist nicht so vermessen einfach aus dem Boot zu steigen. Nein, nur durch Gott kann er das vollbringen.

Und was macht Jesus? Der sagt einfach: „Komm!“ Ohne Anleitung, ohne nochmalige Bestätigung, dass er es ist, ohne große Worte, einfach nur: „Komm!“

Solche Situationen kennen wir auch alle. Es gibt Stürme in unserem Leben, große und kleine, Situationen, wo wir kein Land mehr sehen, Momente, in denen wir neu anfangen müssen, neue Schritte wagen, uns auf unbekanntes Terrain begeben müssen. So wie Petrus, der als Fischer das Wasser zwar gut kennt, aber eben nur vom sicheren Boot aus. Nun soll er ohne Boot, ohne Rettungsweste (wenn es so etwas damals schon gegeben hätte) auf dem Wasser gehen. Vielleicht hat er in dem Moment gedacht: Oh Mist, hätt ich doch nichts gesagt, nun muss ich da durch…

Er nimmt also allen Mut zusammen und steigt voll Vertrauen auf Jesus aus dem Boot und siehe da: er geht nicht unter, das Wasser trägt ihn. Ein Schritt, noch ein Schritt – ein Wunder! Wie unglaublich muss sich das angefühlt haben, welch Euphorie muss Petrus ergriffen haben. Ja, das ist Jesus, unser Herr, Gottes Sohn!

Doch dann wird er sich wieder der Situation bewusst, auf einmal nimmt er wieder den Sturm war, die Wellen, ihm wird klar, da ist nichts unter mir, man KANN nicht auf dem Wasser laufen (und vielleicht konnte er noch nicht einmal schwimmen). Angst! Kein Vertrauen mehr. Sein Blick geht weg von Jesus, er sieht nur noch sich und seine Unfähigkeit gegen diese Situation anzukommen. Und er beginnt unterzugehen.

Die anderen im Boot können ihm nicht helfen, er selbst sich auch nicht, bleibt nur eins, nur einer: Jesus. Ob nun doch das Gottvertrauen aus Petrus spricht oder seine schiere Todesangst, als er fleht: „Herr, rette mich!“ werden wir nicht erfahren. Es ist auch nicht weiter von Bedeutung, denn ich will den Blick jetzt auf Jesus lenken.

Sofort streckt er die Hand aus. SOFORT. Er läßt Petrus nicht noch ein bißchen zappeln als Strafe für seinen Kleinglauben, als Denkzettel – nein, SOFORT hilft er. Sofort ist er zur Stelle, wenn ihn jemand um Hilfe bittet. Sofort hält er uns seine Hand hin. Wohlgemerkt, er hält uns seine Hand hin, er zieht uns nicht aus dem Wasser, wir müssen seine Hand schon selbst ergreifen!
Er will nicht, dass wir Angst haben, er will nicht, dass uns etwas passiert, er ist jederzeit da, um uns zu helfen.

(c) Boschfoto mit creativ commons auf wikipedia.de

(c) Boschfoto mit creativ commons auf wikipedia.de

Seine folgenden Worte habe ich lange Zeit als Vorwurf verstanden, mit harter, strenger Stimme vorgetragen: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“
Inwzischen höre ich sie viel leiser, fast so als würde Jesus mehr mit sich selbst sprechen. Er ist traurig. Traurig, dass Petrus nicht weiter geglaubt, nicht weiter vertraut hat. Traurig, dass wir immer wieder an ihm zweifeln.

Doch selbst nach dieser Enttäuschung wendet sich Jesus nicht ab und sagt: „Tja, Pech gehabt, ihr vertraut nicht genug, nun seht zu, wie ihr an Land kommt.“ Nein, er bleibt bei seinen Jüngern und der Sturm legt sich.
Auch wenn wir eine Prüfung unseres Glaubens, einen Vertrauensprobe nicht bestehen, verlässt uns Gott nicht! Er läßt uns zur Ruhe kommen, gibt uns Zeit zum Nachdenken, Zeit ihm zu danken. „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!“

Hilfe in den Bergen

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? (Psalm 121)

Noch nie habe ich diese Zeilen so innig gebetet wie gestern.
Ich war auf Wandertour. Extra schon um 6 aufgebrochen, um die Tour bis zur größten Mittagshitze beendet zu haben. Ich war gut vorbereitet – so dachte ich – mit Proviant, Wasser, Karten, Wegbeschreibung und freute mich auf einen Vormittag ganz in Gottes schöner Natur, nur mit mir, meinen Gedanken, meinem Hund.

Nach einem wunderschönen Start bei aufgehender Sonne und fröhlichem Vogelgezwitscher ging es mit flotten Schritten, einem Lächeln auf dem Mund und das Herz voller Dank an den Schöpfer „im Frühtau zu Berge“. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die Beschreibungen im Wanderführer nicht so präzise sind, wie gedacht, dass meine Karten ebenfalls zu ungenau, mein Orientierungssinn zu verstädtert und der Wasserbedarf des Hundes viel zu groß und der Wasservorrat entsprechend zu klein ist. Zu viel Zeit verlor ich beim Anstrengenden Auf und Ab auf der Suche nach dem richtigen Weg.

An dieser Stelle muss ein kleiner Exkurs über das Wandern auf Sardinien erfolgen: Es hat wenig mit Wandern in z.B. Deutschland zu tun. Hier gibt es fast noch keine Wanderkultur und dementsprechend keine Wanderinfrastruktur. Es gibt quasi keine Wegweiser, nur wenige Markierungen, die nicht gepflegt werden und daher teilweise verblasst oder lückenhaft sind, es existieren keine guten Wanderkarten, nur alte unübersichtliche Militärkarten und auch mit den immer mehr werdenden Wanderführer – so sehr sie um eine genaue Beschreibung bemüht sind – bleibt Wandern hier immer ein Abenteuer. Der beschriebene Wanderweg ist einer von unzähligen Hirten- und Tiertrampelpfaden und von diesen kaum zu unterscheiden. Es mag viele faszinieren, sich so archaisch in der Natur zu bewegen. Meine Art des Wanderns ist es nicht. Ich liebe die Natur, die Einsamkeit in der Natur, aber ich will meinen Kopf beim Wandern frei bekommen, die Gedanken kommen und gehen lassen – und das geht nicht, wenn ich die ganze Zeit dermaßen konzentriert auf den Weg achten muss.

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Such den Hund… äh, such den Weg.

So beschloss ich die Tour abzubrechen, auf gleichem Weg zuzrückzugehen. Doch auch diesen Weg fand ich nicht mehr. Der berüchtigte „point of no return“ war erreicht. Es half nichts, ich musste weiter.

Ich will jetzt nicht mit Details langweilen, denn es ist ja kein Wander-Blog, sondern einer, in dem es um Gott gehen soll. Kurz gesagt, ich hatte mich vollkommen verlaufen. Ich war irgendwo. Irgendwo Mitten im Nichts, irgendwo auf der Karte und ich hatte Angst. Richtig Angst. Ich war nicht gut genug vorbereitet und ich war meinem Hund ein schlechter Rudelführer. Das Wasser war fast alle, die Sonne brannte, der Hund hechelte sich die Zunge aus dem Leib, ich fürchtete einen Sonnenstich und kein Plan, kein Mensch, keine Ahnung. Mein Angstkreislauf setzte sich in Gang und steigerte sich bis zur Panikattacke. Ich konnte nicht mehr in Ruhe überlegen, mir einen Überblick verschaffen. Ich lief kopflos in verschiedenen Richtungen, kratzte mir die Beine am Gestrüpp auf, brach zusammen.

Da half nur noch beten.

Welch Ironie (oder…?), dass ich mir am Abend zuvor den Psalm 121 aufgeschrieben hatte, um während des Wanderns vielleicht ein wenig über ihn nachzudenken. Ich habe so von Herzen gebetete, wie lange nicht mehr. Geschrieen. Gefleht. (Ein kleiner Einschub: Ich befand mich zu keiner Zeit in Lebensgefahr, die Zivilisation war nicht unendlich weit entfernt – aber das zählt in dem Moment einer Panikattacke nicht…)
Schließlich bin ich mit Gottes Hilfe und dank der modernen Technik, mit der ich meiner Freundin meinen Standort durchgeben konnte und die mich dann auf einen Weg gelotst hat, gut beim Auto angekommen. Auch der Hund hat es – bis auf einen ordentlichen Muskel“kater“ – gut überstanden.

Herr, ich danke dir von ganzem Herzen! Es war eine Lektion in Demut und im Vertrauen an dich. Du verlässt mich nicht, du führst mich auf den rechten Weg! Dank sei dir, dass alles gut ausgegangen ist und auch dass ich den mir anvertrauten Hund gut wieder nach Hause bringen konnte!

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich im Moment ganz besonders für all die Wanderer und Pilger bete. Dabei kam mir den Text eines Abendliedes, das meine Eltern früher oft vor dem Einschlafen mit mir gesungen haben, in den Sinn: „Müde bin ich, geh zur Ruh“ Als ich nach dem Text suchte, merkte ich, dass ich meiner Familie offenbar ein ganz eigener Schlusssatz existiert: Statt „Laß den Mond am Himmel stehn und die stille Welt besehn!“ heißt es bei uns „Laß den Mond am Himmel stehn und kein‘ Wandrer irregehn.“

Mond hinter Wolken am Abend

(c) Michael Mr172 mit creative commons von flickr.com

Vielleicht hab ich es nicht oft genug gesungen… Es soll heute Abend mein Nachtgebet sein.

Übrigens, als ich gestern die Vesper betete, konnte ich wieder einmal feststellen, dass Gott durchaus Humor hat. Denn wie lautetet die Antiphon zum ersten Psalm?

„Wie Berge Jerusalem rings umgeben, so ist der Herr um sein Volk, von nun an auf ewig.“

Amen und gute Nacht.

„Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt…“

oder viel eher: Wenn die kleine Katholikin nicht zum Papst kommt, muss der Papst eben zur Katholikin kommen.“

Ich lebe ja derzeit in Italien. (Noch.) Das ist für einen Katholiken, der in der ostdeutschen Diaspora aufgewachsen ist, schon schön. Täglich mehrere Messen, unzählige Kirchen, wöchentliche eucharistische Anbetung, ganz selbstverständliche Prozessionen durch die Stadt und niemand guckt blöde.
Viele haben mich gefragt, ob ich zur bzw. nach der Papstwahl denn in Rom war. Nein, war ich nicht. Denn da ich auf einer Insel wohne, ist Rom quasi genauso weit weg wie von Deutschland (ok, der Flug dauert nur halb so lang, aber ohne Flug geht’s halt trotzdem schlecht…)
Dienstlich war ich mal in Rom, leider nur für knapp 48 Stunden. Da bin ich natürlich zum Vatikan gegangen und da Mittwoch war, bin ich durch Zufall auch in die Generalaudienz auf dem Petersplatz (noch mit dem „alten“ Papst) geraten. Das war toll! Aber davon will ich jetzt nicht erzählen, sondern von diesem Plakat, dass ich auf gemeinsamer Sightseeing-Tour mit Familienbesuch zufällig gesehen habe:

papst kommt

Kurz bevor es für mich also wieder zurück nach Deutschland geht, kommt der Papst zur Pilgerreise nach Cagliari! Ich hab mich so gefreut, dass könnt ihr euch nicht vorstellen.
In guter Gesellschaft ist er hier. Immerhin waren auch Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. als Pilger hier. Die Geschichte der Kirche bzw. der darin verehrten Madonnen-Statue ist recht spannend und dieses außerhalb Sardiniens wahrscheinlich recht unbekannte Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Bonaria ist doch tatsächlich der Namensgeber für die weltbekannte Metropole Buenos Aires, womit wir beim Grund für den Papstbesuch wären.

Wer mehr wissen will, kann das z.B. hier oder hier.

eigene Übersetzung:
Einen besonderen Gruß richte ich an die Bischöfe, Priester und Gläubigen aus Sardinien. (Ihr Sarden seid Enthusiasten, nicht?) Liebe Freunde, ich danke euch für eure Anwesenheit und vertraue euch und eure Gemeinden von Herzen der mütterlichen Fürsprache der Heiligen Jungfrau an, die ihr unter dem Namen „Madonna di Bonaria“ verehrt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich euch mitteilen, dass ich die Wallfahrtskirche in Cagliari besuchen möchte – mit ziemlicher Sicherheit im September. Denn es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen der Stadt Buenos Aires und Cagliari durch eine alte Begebenheit. Zur Zeit der Gründung der Stadt Buenoas Aires wollte der Gründer sie „Stadt der Heiligsten Dreifaltigkeit“ nennen, aber die Matrosen, die ihn dorthinunter gebracht hatten, kamen aus Sardinien und wollten, dass sie „Stadt der Madonna von Bonaria“ genannt wird. Es gab einen Streit zwischen ihnen und am Ende fanden sie einen Kompromiss, und die Stadt bekam den langen Namen: „Città della Santissima Trinità e Porto di Nostra Signora di Bonaria“ (Stadt der Heiligsten Dreifaltigkeit und Hafen von Unserer Frau von Bonaria). Aber weil das zu lang war, blieben nur die letzten zwei Wörter übrig: Bonaria, Buenos Aires, und das ist wegen eurer Madonna von Bonaria.

Eine sardische Zeitung titelte darauf hin analog zu den Rufen „Santo subito“ nach dem Tod von Johannes Paul II. „Sardo subito!“ (Sardisch sofort!) 😀