Gottvertrauen und Kleinglaube in der Bibel

Will man in der Bibel nach Geschichten zum Gottvertrauen suchen, kann man sie ja eigentlich an beliebger Stelle aufschlagen und wird etwas passendes finden.
Die ganze Bibel ist voll von Geschichten über (Gott-)Vertrauen und … ja, eben nicht Vertrauen. Z.B. Noah, der jahre-, jahrzentelang an einem Schiff baute – allein aus Vertrauen zu seinem Herrn, ohne wirklich zu verstehen, was passieren wird. Oder die Geschichte der Israeliten, die der Herr aus Ägypten nach Kanaan führt: ein ständiger Wechsel von Gottvertrauen und Misstrauen, von Gotteslob und Abkehr. Und so weiter und so fort.

Ich will heute ein paar Gedanken über eine Textstelle im Neuen Testament, die sehr offensichtlich mit Vertrauen zu tun hat, aufschreiben.

Jesus geht über das Wasser (und Petrus geht (fast) über das Wasser)

Hier erst einmal die Bibelstelle aus der Einheitsübersetzung (Matthäus 14,22-33)

Gleich darauf forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.

Versetzen wir uns erst einmal in die Situation.

Es ist Nacht. Dunkel. Die Jünger sind auf einem kleinen Fischerboot. Mitten auf dem See. Um sie herum nur tiefschwarzes Wasser. Die Wellen sind vielleicht mannshoch, das kleine Schiff schaukelt hin und her. Ab und zu kann man noch einen Blick auf das ferne Ufer werfen. Nur ein paar Sterne sind am Himmel zu sehen, wenn die Wolkenfetzen eine Lücke lassen. Die Hände der Jünger werden klamm. Die Füße finden auf den nassen Planken kaum noch Halt. Gut, viele von ihnen sind Fischer und erleben solch einen Sturm sicher nicht zum ersten Mal, aber sie wissen auch um die Gefahren.
Wer schon mal bei Sturm am Meer war und vielleicht auch mit einem Boot/Schiff, einer Fähre gefahren ist (nachts, bei Sturm und Wellengang) kann sich sicher vorstellen, dass das alles andere als gemütlich ist. Zumal wenn man den ganzen Tag mit Jesus unterwegs war, jetzt sicher müde und geschafft ist und zudem das Wunder der Brotvermehrung noch „verdauen“ muss (Wortspiel!).

Sturm auf dem Meer

(c) Eijiha Jimia mit creativ commons von flickr.com

Und nun kommt mitten durch die Wellen – ja, was? Durch das Schaukeln des Bootes können die Jünger immer nur einen kurzen Blick auf die Gestalt werfen. Sie trauen ihren Augen nicht. Ein Mensch kann es nicht sein. Ein Seeungeheuer? Ein Geist?! Sturm – ok, der legt sich wieder, mit Geduld, Kraft und Umsicht schaffen sie es ans andere Ufer. Aber gegen einen Geist haben sie keine Chance. Sie rufen und schreien, weinen – alle durcheinander.

Und da plötzlich, ganz klar und deutlich – trotz des tosenden Sturms – eine vertraute Stimme: Habt keine Angst. Ich bin’s, Jesus!

So, nun bin ich ja ins Erzählen gekommen. (Vielleicht schon die Vorfreude auf die Bibelerzähler-Ausbildung, die ich nächstes Jahr machen will.)
Meine Gedanken zur Bibelstelle im nächsten in einem späteren Post.

Advertisements