Laudes zum Mitnehmen

Leider nehme ich mir viel zu selten die Zeit die Laudes zu beten. Lieber doch noch ein halbes Stündchen im Bett dösen. Ach, und dann muss ja erst der Hund raus und dann will das Frühstück gemacht (und natürlich auch gegessen) werden und dann hab ich das Gefühl, es ist schon zu spät für das Morgenlob.

Dabei merke ich immer, wenn ich die Laudes bete, wie gut mir dieses Gebet am Morgen tut, wie es mir Ruhe und Kraft gibt für den Tag.

Es ist so, wie in dem Gedicht von Wilhelm Bruners aus dem Andere Zeiten-Adventskalender:

Ergebnis

Nach dem
morgendlichen Gang
über die Psalmbrücke

drehe ich mich
nicht mehr um
die eigene Achse

ich atme
die alten Heilworte
in meine Tagängste

und bin
guter Hoffnung

Fester Vorsatz: Ich will die Laudes regelmäßig beten. Wie ich die Gassirunde und das Frühstück besser einplane, muss ich noch überlegen.

Und ich will die Laudes, die „alten Heilworte“ mitnehmen in meinen Tag, denn viel zu oft, verschwindet das hoffnungsvolle Gefühl nach dem „Gang über die Psalmbrücke“ viel zu schnell im Alltag. Deswegen schreibe ich mir zwei, drei Verse aus den Psalmen (oder auch der Lesung) auf ein kleines Kärtchen. Verse, die mich besonders angesprochen haben, die mir Hoffnung geben oder mir Ansporn sein sollen. Dieses Kärtchen wandert dann in meine Hosentasche, sodass es immer griffbereit ist und mir „Brücke“ sein kann zurück zur Ruhe und Kraft des Morgens.

Heute sind es übrigens diese:

Er wird Segen empfangen vom Herrn und Heil von Gott seinem Helfer. (Psalm 24)

Er züchtigt und hat auch wieder Erbarmen, er führt hinab in die Unterwelt und führt auch wieder zum Leben. (Tob 13)

Singt dem Herr ein neues Lied, greift voll in die Saiten und jubelt laut. (Psalm 33)

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Sucht

Ich hab ja meinen Blogkonsum derzeit etwas eingeschränkt. Ich frage mich echt, wie Leute das machen mit so einer ellenlangen Bloglist und dann noch twitter und facebook. Ich hab da im Moment echt voll die Reizüberflutung. Ist ja auch alles interessant, aber einfach zu viel, oder? Krieg hier, Femen dort, Homosexualität ja, Abtreibung nein, Demo für und Demo gegen, Petition neu und Aufschrei alt. Naja, wie gesagt, ich versuche weniger, aber dafür intensiver zu „internetten“.

Blöderweise kam was anderes dazwischen. Ich hab so ein blödes Browser-Aufbau-Spiel gefunden… So siedlermäßig. Aller paar Monate hab ich nen Anfall, da brauch ich so ein Spiel, um mir meine kleine mehr oder weniger heile Welt zu bauen: dort ein Häuschen, da ein Bauernhof, dort Blumenrabatten, die Schmiede hier usw. (Ich finde ja, bei solchen Spielen kann man anhand des „Städtebildes“ sehr genau sagen, ob der Spieler ein Mann oder eine Frau ist… 😉 )Blöderweise kann ich mich dabei dann echt vergessen, ich sitz dann stundenlang vorm Rechner, obwohl es mich schon nervt und ich Kopfschmerzen hab, aber gleich ist ja das neue Haus fertig, nur noch das und dann… Naja, wer das schon mal gespielt hat, kennt das.
Und so wurde auch heute aus einer Stunde am Vormittag mehr oder weniger der ganze Tag. Irgendwie gibt’s da bei mir nur ganz oder gar nicht. Entweder ich spiele das jetzt eine Woche intensivst, bis es mir zu komplex wird und sich mein Anfall dann sowieso von allein legt, oder ich muss kalten Entzug machen und sofort komplett aufhören. Nur eine bestimmte Zeit spielen, ist nicht drin (ist ja auch der Sinn von den Spielen, ich weiß, nur was nützt einem das Wissen, wenn man trotzdem drauf reinfällt?)

Was das ganze mit Glauben und Kirche zu tun hat? Eigentlich nüschd. Außer vielleicht, dass ich, wenn ich die Zeit für Bibellektüre oder ähnliches genutzt hätte, bestimmt bessere Laune hätte. Zum Glück hat mich der Hund rausge“zwungen“ und ich musste meinen Kopf im starken Frühlingswind durchpusten lassen (Seit ich meine Zeit so verbummel, haben wir hier nämlich Sturmwetter – vielleicht ein Zeichen…?) und nun klapp ich den Rechner zu und geh einkaufen und heut Abend wird was schönes gekocht.

Auftakt

zu einer neuen (bzw. überhaupt einer) Serie auf dem Blog: Katholisch für Anfänger und Heidschnucken*

Im Artikel über mich und das Blog hab ich von meinem inneren Gespräch erzählt, der ausschlaggebend für das Schreiben dieses Blogs war. Es war ein Gespräch mit mir selbst, indem ich (in der Rolle einer fiktiven Freundin) mir selbst Fragen zu meinem Glauben stellte und diese dann natürlich auch mir selbst beantwortete. (Klingt jetzt beim Aufschreiben schizophrener als es in der Realität war 😉 )

Solche Gesprächen passieren in meiner Lebenswirklichkeit (leider) viel zu selten, aber manchmal gibt es sie doch, die Fragen „Was ist denn ein Tabernakel?“ „Ist das nicht eklig, wenn alle mit ihren Händen in das Weihwasserbecken fassen?“ Und manchmal, wenn ich meine Freundin mit in die Kirche nehme, sehe ich förmlich die Fragezeichen auf ihrer Stirn „Das ist doch alles Hokuspokus hier, oder?“

(Spannenderweise gibt es tatsächliche eine Theorie zum Ursprung des Wortes Hokuspokus, der direkt mit der katholischen Messe zu tun hat…)

Nach und nach soll hier also auf solche und ähnliche Fragen geantwortet und z.B. auch der Ablauf der Messe erklärt werden. Wenn dem ein oder anderen Leser eine Frage dazu auf den Nägeln brennt, dann nur her damit (als Kommentar z.B. hier oder per Mail, siehe Über/Kontakt). Aber bitte keine tief theologischen Fragestellungen. Ich bin Laie, ich bin einfach nur eine gläubige Katholikin, die aus ihrer Lebenswirklichkeit erzählen will.

*Bei mir zu Hause hat sich der Begriff „Heidschnucke“ (abgeleitet von Heiden) als Bezeichnung für Nicht-Gläubige etabliert. Denn Nicht-Gläubige klingt so negativ und abstrakt, so aktiv nicht-glaubend. Meine Freundin meinte in diesem Zusammenhang mal, sie sei kein Atheist, sie wisse nicht, ob es Gott gibt, aber sie könne nun mal nicht glauben, deswegen sei ihr das Wort Atheist oder Heide aber zu stark kontra und so sind wir zu Heidschnucke gekommen. Tatsächlich sind Heidschnucken übrigens Hausschafe.

„Eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden“ (Koh 3,7)

Es gibt eine Zeit zum Bloggen und eine Zeit zum … Nicht-Bloggen.
Ich hab grad eher die Zeit zum Nicht-Bloggen. Ich konsumiere mehr, als dass ich (öffentlich) produzieren könnte. Ich lese viel in der Bibel. In anderen Blogs. In zu vielen anderen Blogs. Da gibt es so vieles, was mich positiv berührt, oder eben auch negativ aufregt, so vieles, wozu ich meine Meinung sagen will, so vieles, wo ich nachfragen will. Aber ich komme nicht hinterher. Bis ich mit meinen Gedanken so weit „fertig“ bin, dass ich sie formulieren könnte, bis ich mir meiner Meinung so klar bin, dass ich sie verteidigen könnte, da ist das Thema schon wieder vorbei, ein neues aktuell.

Das stresst mich ganz schön, macht mich innerlich unruhig. Ich hab das Gefühl die ganze Zeit jemandem oder etwas hinterher zu rennen und wenn ich es fast erreicht habe *puff* weg ist es. Das muss ich abstellen.
Schon bei meinem Fastenvorhaben spürte ich ja, dass ich zu gehetzt bin, immer irgendwie beschäftigt sein muss. Wirklich geglückt ist das Vorhaben nicht, aber das sollte kein Grund sein, es nicht weiter zu versuchen. (*Klugscheißmodus*: „Wer seine Vorsätze ständig ändert, wird nie zum Ziel gelangen.“ Franz von Sales) Hach, ich will halt immer schon fertig sein, bevor ich angefangen habe…

Ich will ruhiger werden, mehr im Hier und Jetzt leben.
So bin ich im Moment zurückgekehrt zum klassischen Tagebuch, auf Papier und nur für mich selbst, das bringt mich runter, beruhigt mich, lässt mich Dinge anders bedenken, als ich es mit dem Aufschreiben im Blog tun könnte.

Auch vom privaten facebook hab ich mich zurückgezogen (soweit das geht – mit manchen scheint man ja nur noch über facebook kommunizieren zu können und auf die Geburtstagserinnerungen dort hab ich mich inzwischen auch ganz verlassen…) und nun werde ich meinen Blog-Reader aussortieren. Blogs, deren posts mich zu sehr aufregen, fliegen dort erst einmal raus. So bleibt auch mehr Zeit in den Blogs zu lesen, die mir gut tun, wo ich mich wiederfinde, von denen ich mir etwas mitnehmen kann, bei denen ich manchmal denke „Wow, das bin ja ich.“ Dafür dank ich euch, ihr Mitblogger!

Kirche: reserviert

Heute war ich eine Stunde früher in der Messe, um 9 Uhr. Normalerweise genieße ich das Ausschlafenkönnen dank 4 Messen allein am Sonntagvormittag (jaja, das italienische Exil hat auch Vorteile).

Als ich in die Kirche kam, waren die Bänke noch eher spärlich besetzt, ich war eine Viertelstunde früher da und suchte mir einen Platz im rechten vorderen Bankblock im Hauptschiff und wollte mich noch ein wenig sammeln. Da setzte sich eine ältere Dame mit (wahrscheinlich) ihrem Enkelkind neben mich und meinte: „Hier ist reserviert für die Kinder.“

Ok, gut, die sollen vorn sitzen, aufpassen, verstehen – alles klar, geh ich weiter hinter. (Die Frage: „Und wieso sitzen Sie dann hier“ kam mir so schnell auf italienisch leider nicht in den Sinn.) Ich ging also auf und suchte mir einen Platz in den Bankreihen hinter dem mittleren Quergang. Kaum saß ich, sagte eine Frau, die ebenfalls in dieser Reihe saß: „Hier ist reserviert für die Kinder.“ Wie? Hier auch noch? „Ja.“ Toll wäre eine Antwort a la „Ich bin auch ein Kind Gottes.“ gewesen, aber wem fällt sowas in der Situation schon ein…

Ich muss zugeben, ich war getroffen und wußte erstmal nicht mehr, wohin. Und so ging ich in die Seitenkapelle und kniete mich vor den Tabernakel. Ein paar Tränen konnte ich nicht vermeiden. Auch wenn es banal war, hat es einen tiefen Punkt in mir getroffen, das Gefühl abgelehnt zu werden, nicht dazu zu gehören, was ich als Kind vielleicht ein paar Mal zu oft gespürt hatte und die Angst davor. Am liebsten wäre ich wieder gegangen, in eine andere Kirche oder zum Fernsehgottesdienst nach Hause.

Auf dem Weg zum Ausgang leuchtete mich ein Platz in der vorletzten Bank an. Ok, letzter Versuch: „Ist hier frei?“ Ja. Na gut. Ich bleibe. Andacht hatte ich in der Messe kaum…
Vor allem weil sich mehr und mehr ein Gefühl der Wut einstellte, als mehr als die Hälfte der reservierten Bänke (wir reden hier von zwei Dritteln der regulären Kirchenbänke im Hauptschiff) frei blieb und die „Bankwächter“ auch nicht dafür sorgten, dass die Kinder sich doch dann wenigstens erstmal in die vorderen Reihen setzen. Stattdessen mussten immer wieder Leute sich einen anderen Platz suchen oder sich einen Stuhl zwischen oder hinter die Säulen stellen ohne Kniebank usw.

Das Getroffensein und die Wut sind verschwunden. Soooo schlimm war es ja nun auch nicht. Was bleiben sind Überlegungen zur Reservierung von Kirchenbänken und zu Kindern in der Messe.

Reserviert!

Bei besonderen Anlässen (Erstkommunion, Trauung, Taufe…) kenne ich es, dass die ersten Reihen reserviert sind, allerdings dann eindeutig mit Schild. Ok, das ist verständlich, auch wenn ich es eigentlich überlüssig finde. Wenn man zu so einem Anlass kommt und nicht zu den Angehörigen gehört, dann setzt man sich doch selbstverständlich weiter hinten hin, oder?
Aber so war es ja heute nicht, es war ein ganz normaler Sonntagsgottesdienst, der offenbar als Gemeindetradition speziell für Kinder ist. Klar, wer zur Gemeinde gehört, weiß das und setzt sich nicht „so weit“ (haha!) vorn hin. Auch in meiner deutschen Heimatgemeinde sitzen in den ersten zwei Reihen vor allem Kinder, aber durchaus auch Erwachsene, Familien eben. Aber über die Hälfte der Bänke für Kinder reservieren, die teilweise erst zum Evangelium in die Kirche gestürmt oder eben auch gar nicht kommen? Hm…

Kinder, Kinder, Kinder

Kinder in der Kirche sind ja immer ein Thema, egal ob man sie hat oder nicht. Die einen fühlen sich gestört, die anderen finden, Kinder gehören in die Kirche, den nächsten ist es ziemlich egal. Eigentlich gehör ich zur dritten Gruppe. Ich hab keine Kinder, hab also gut reden (Mütter und Väter, klärt mich auf.)

„Lasstet die Kinder zu mir kommen.“ Auch in der Kirche, zur Messe – klar. Bei kleinen Kindern versteh ich allerdings nicht recht, warum. Denn nicht selten hat die Mutter/der Vater keine Andacht um der Messe zu folgen, weil das Kind spielen, brabbeln, laufen will oder es brüllt und man geht mit ihm nach draußen. Oder es brüllt und weil Kinder ja aber dazu gehören, bleibt man trotzdem in der Kirche und kriegt nichts mit und alle um einen herum auch nicht.

Ab einem gewissen Alter ist es wichtig, dass Kinder in die Kriche mitkommen, kennenlernen, auf was sie da eigentlich getauft sind, was dieser Glauben denn bedeutet, sich vorbereiten auf ein Leben in und mit der Kirche. Und das muss für Eltern echt schwierig sein. Den Kindern einerseits die wundervolle Messe nahe zu bringen, andererseits auch dafür zu sorgen, dass sie die doch recht lange Stunde „durchhalten“.

Ist es da vorteilhaft sein Kind in die Kinderreihen abzuschieben? Mehr Kinder machen mehr Quatsch als weniger Kinder. Ein störendes Kind kann die Bemühungen von 20 andern zunichte machen. Da können die paar Aufpasser auch nicht viel machen. Als ich durch die Kinderreihen zur Kommunion gegangen bin, sah es da eher aus wie im Klassenzimmer. Hier ein Buch, da ein Rucksack, dort wird gequatscht, da sich umgedreht, dort geschubst, hier der Platz getauscht.

Ich musste als Kind nie allein bei den Kindern vorn sitzen, ich war auch viel zu schüchtern. Aber meine Eltern hatten so auch die Möglichkeit mir manches zu erklären, mir auch mal zu sagen, wie lange es denn nun noch dauert, mir zu sagen, jetzt kommt das „Vaterunser“, jetzt musst du ganz still sein usw.

Ich gebe zu, als Kind habe ich nichts verstanden von dem Wunder, was jeden Sonntag in der Messe passiert. Wahrscheinlich bis als junge Erwachsene hatte ich keine Ahnung davon. Aber die Messe gehörte dazu und ein entsprechendes Benehmen auch.
Und damit meine ich vor allem, dass ich die anderen in ihrer Andacht nicht störe. Dass da mal schnell etwas geflüstert werden muss, kein Problem! Dass man mal in der Tasche rascheln muss, ok. Dass zur Not auch mal ein Handy klingelt (das man dann natürlich schnellstmöglich ausmacht!), selbst das ist zwar nicht schön, kann aber passieren. In meiner Heimatgemeinde gab es mal einen regelrechten Streit zwischen den kinderreichen und kinderlauten Familien und den alteingesessenen älteren Gottesdienstbesuchern. Und der Pfarrer hilflos dazwischen – auch kein leichter Job.

Ich hab nichts gegen Kindergottesdienste, oft genieße ich die einfachen Bilder, Worte und Gesänge, weil sie einen Zugang zum Glauben bieten, den man als ach so aufgeklärter Erwachsener manchmal vergisst. Weil sich dort (gelegentlich) ein Glauben und Vertrauen findet, auf den man nur neidisch werden kann.

Aber jeden Sonntag? Jeden Sonntag bei der Wandlung vorn um den Altar stehen? Jeden Sonntag alles in kleine, gut verdauliche Häppchen verpackt? Jeden Sonntag nur das Bild vom „lieben“ Gott?

Ich bin noch nicht am Ende mit meinen Überlegungen. Vielleicht habt ihr ja noch ein paar Meinungen und Ansichten für mich?