Glockenläuten zur Verabschiedung von Papst Benedikt XVI

Vergelt’s Gott! Gott segne dich und gute Nacht!

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(m)ein Jahresheiliger – Zwischenbilanz

Durch einen Post von Roger Michael ist mir wieder eingefallen, dass längst ein Artikel über meinen Jahresheiligen, den Pfarrer von Ars, fällig ist. (Hä? Jahresheiliger? Guck hier.)

Nachdem zwei Kommentatoren mir eine Bibiografie zum Pfarrer von Ars empfohlen hatten, habe ich mir das Buch von Francis Trochu gekauft und auch gleich fleißig angefangen darin zu lesen. Schnell war zu merken, dass dies keine gefällige Romanbiografie ist, sondern ein sehr ambitioniertes Werk über Leben, Wirken, vor allem aber auch Ansichten und Gedanken des Pfarrers. Mit dieser Zielsetzung ist es sicher ein gutes und, wenn ich so die Beschreibungen der anderen Büchern zum Heiligen lese, einzigartiges Werk.

Meine Lesefreude wurde dadurch allerdings etwas getrübt, ich hatte einfach andere Erwartungen an das Buch, und schon die Beschreibung seiner Kindheit kam sehr „heilig“ daher. Das heißt leider auch sehr wenig menschlich. Nach meinem Empfinden. Vielleicht muss das bei Heiligen so sein, vielleicht auch bei „alten“ Heiligen, wuchs er doch zu einer Zeit auf, in der Glauben und Religion den Alltag der Menschen ganz anders bestimmten, sodass es schwer fällt, es aus heutiger Sicht nachzuvollziehen.

So war er mir der Pfarrer von Ars ziemlich fremd (aber gut, ich bin wahrscheinlich auch so gar nicht „heilig“). Bei der weiteren Lektüre sind mir aber viele Ansichten und Episoden begegnet, die mich beeindruckt haben und von denen ich mir gern etwas mitnehmen will.

  • „Wenn man kommuniziert, fühlt man etwas ganz Außerordentliches … eine Beglücktheit … einen Balsam … ein Wohlbehagen, das den ganzen Körper durchströmt … und ihn erbeben läßt. … Mit dem Heiligen Johannes müssen wir  dann ausrufen: Es ist der Herr! … O mein Gott, welch eine Freude für einen Christen, der vom hl. Tisch aufsteht und den ganzen Himmel in seinem Herzen mit sich trägt.“ (S. 36)
  • „Man muss Gott seine Arbeit, seine Schritte, seine Ruhe aufopfern. Oh, wie ist das schön, alles für den lieben Gott zu tun! Wohlan, meine Selle, wenn du mit Gott arbeitest, arbeitest du, aber er wird deine Arbeit segnen, du gehst, er aber segnet deine Schritte. Alles ist gezählt, ein unterdrückter Blick, ein versagtes Vergnügen, alles ist eingetragen. … Es gibt Menschen, die aus allem Nutzen ziehen, selbst aus dem Winter. Ist es kalt, opfern sie Gott ihre kleinen Beschwerden auf. Oh, wie ist es schön, sich Gott jeden Morgen zum Opfer darbringen zu können!“ (s. 37 f.)
  • Er trug sich nicht mit dem Plan, die ganze Welt zu bekehren, aber dieses Dorf, dessen Seelen ihm Gott anvertraut hatte, wollte er auf den richtigen Weg bringen. (S. 99)
  • über die Unwissenheit und Gleichgültigkeit in religiösen Dingen: „Ich bin sicher, dass diese eine Sünde mehr Menschen in die Hölle stürzt als alle anderen zusammen. Denn eine religiös unwissende Person erkennt nicht das Böse, das sie anrichtet, und auch nicht das Gute, das sie durch das Sündigen unterlässt.“ (S. 113)
  • „Liebend leiden ist gar kein Leid. … Dem Kreuz aber entfliehen zu wollen, heißt, sich seiner Last auszusetzen. … Man muss um Liebe zu den Kreuzen beten, dann werden sie süß. Ich habe es an mir selber während vier oder fünf Jahren erfahren. Ich wurde verleumdet, angefeindet. Oh, ich hatte Kreuze, ich hatte fast mehr, als ich zu tragen vermochte. Da habe ich mich daran gemacht, um die Liebe zum Kreuz zu beten, und ich bin so glücklich geworden, dass ich gestehen muss: Wahrhafte Beglückung ist nur im Kreuz.“ (S. 156)
  • „Meine Brüder, nicht die langen und schönen Gebete sind es, die Gott ansieht, sondern die aus der Herzenstiefe gesprochenen. … Nichts ist leichter, als zum lieben Gott zu beten, und nichts ist trostreicher.“ (S. 164)

Er war wirklich ein Seel-Sorger, der sich um die Seelen seiner „Pfarrkinder“ sorgte, sie ermahnte, unterrichtete, so wie ich kaum einen Pfarrer kenne. Das hat mir imponiert. Auch seine Einstellung zur Kommunion und zur Anbetung hat mich tief berührt. Deswegen empfiehlt ja auch die Kirche in Not zum Jahresheiligen Pfarrer von Ars als „Aktion“: Jesus im Tabernakel anbeten.

jahresheiliger

Aber es gab auch Sachen, die mich verwirrt und abgeschreckt haben. So war er strikt gegen das Tanzen, eigentlich gegen jede Art von Vergnügen (War zu der Zeit Tanzen gleichbedeutend mit „Unzucht“ oder so?). Und wer bei der Beichte „zugab“, doch noch einmal im Jahr zum Tanz zu gehen, der bekam nicht die Absolution und durfte auch nicht die Kommunion empfangen.

Auch kasteite er sich selbst und zwar teilweise so sehr, dass er seiner Gesundheit damit schadete.

Das sind zwei Punkte, an denen ich noch zu knabbern habe. Das ist noch zu gelinde ausgedrückt. Es sind Dinge, die ich nicht verstehe. Fasten, Askese – ok. Aber sich selbst kasteien? Bis zur Gesundheitsgefährdung? Wo ist da der Sinn? Wo der Wille Gottes? Deswegen ruht die Lektüre im Moment auch. Aber sie wirkt in mir, das ist ja schon mal was. Und der „empfohlenen Aktion“ bin ich auch schon nachgekommen und werde ich auch weiter tun, sicher mehr als ohne meinen Jahresheiligen.

Die Sache mit dem Fasten – Teil 2

Die Sache mit dem Fasten ging nach dem letzten Post ziemlich schief.

Weil ich so unzufrieden mit meinen Gebets- und Bibelleseverhalten war, hab ich mir ja vorgenommen, die Texte genauer zu bedenken, mir beim Beten Zeit zu nehmen, still zu werden, zu hören statt zu plappern.

Tja, was hab ich also getan?

Ich habe gar nicht mehr gebetet und gar nicht mehr in der Bibel gelesen. Ich habe mir die Zeit nicht genommen (oh ja, ich hätte sie zu genüge gehabt), denn da muss ja noch der Brief geschrieben werden und einkaufen muss ich noch und jetzt sind grade so viele Gedanken in meinem Kopf und nein, jetzt bin ich zu müde und beim Beten einschlafen, das geht doch nicht. Also lieber gar nicht beten. Was nicht heißen soll, dass ich die anderen Sachen getan hätte. Statt Briefe zu schreiben, habe ich ferngesehen, statt einkaufen zu gehen, im Internet gesurft, statt zu schlafen, habe ich gelesen. Drei Tage sind so ins Land gegangen, an denen ich seit dem Aufstehen aufs Schlafengehen gewartet habe.

Fast scheint es mir so, dass ich Angst vor der Stille habe, vor dem, was ich „hören“ könnte.

Ich schreibe auch seit Wochen kein Tagebuch mehr, obwohl ich weiß, dass es mir gut tun würde. Angst, vor den Gedanken, die dabei kommen könnten?

Ich habe gemerkt, wie sehr mir Gott in diesen Tagen gefehlt hat. Ich habe an ihn gedacht, ihn auf später vertröstet, mich entschuldigt, dass es heute wieder nichts wird mit dem Gebet. Aber ich fühlte mich so fern von ihm.

Nun weiß ich, dass ein geplappertes Stundengebet wichtig für mich ist, dass ich es brauche um bei Gott zu bleiben, dass, auch wenn der konkrete Psalmtext nicht lange in meinen Gedanken, geschweige denn in meinem Herzen bleibt, er mir hilft, dass Gott in meinen Gedanken bleibt, mein Herz bei Gott bleibt.

Und als ich heute morgen aufgestanden und zur Hunderunde raus bin, voll guter Vorsätze und Vorfreude auf einen Tag wieder mit Bibellektüre und Stundengebet, da schenkte mir der Himmel einen wunderschönen Regenbogen! Danke!

Herr, ich muss das stille, betrachtende, hörende Gebet noch lernen. Sei du mein Lehrer. (Oder schicke mir jemanden, der mich lehrt.) Und bis dahin nimm mein Plappern an!

Die Sache mit dem Fasten

Der 1. Fastensonntag. Ich sitze noch im Schlafanzug auf dem Sofa. Gut, immerhin war ich schon mit dem Hund draußen (Nein, nicht im Pyjama, den hab ich unter ner weiter Hose und Jacke versteckt) und hab unterwegs die Laudes gebetet. Draußen hatte ich einen kurzen Anflug von „Oh, welch schönes Wetter heute, wir machen einen Ausflug.“ (Sonne, 10 Grad), aber nun nach dem Frühstück zurück auf dem Sofa ist dieser Antrieb längst wieder verschwunden und ein Tag zwischen Sofa und Bett, mit viel Internet und Fernsehen erscheint viel verlockender.

Fühlt sich nicht sehr fastlich an. Na gut, es ist ja auch Sonntag. Tag des Herrn. Tag der Ruhe, des Genießens. Aber genieße ich denn, wenn ich zu Hause die Zeit versurfe und -schlafe?

Nee, tu ich nicht. Weiß ich genau, auch schon vorher. Mach’s trotzdem.

😦

Mir fehlt noch mein Fastenvorhaben. Mit dem Rauchen hab ich schon vor einem halben Jahr aufgehört. Trinken tu ich gezwungenermaßen seit ein paar Wochen auch nicht mehr. Damit fallen die zwei klassischen Verzichtsmöglichkeiten schon weg. Auf Kaffee verzichten? Oder gar Schokolade? Wirklich?! Gilt es, wenn man den Schokoladenkonsum durch Chips ersetzt?

Wichtiger als das Fasten soll mir aber eigentlich das Hinwenden zu Gott sein. Schon seit einiger Zeit bete ich recht regelmäßig Laudes und Vesper, oft auch den Angelus und die Komplet. Ich schaffe auch jeden Tag meine Bibellektüre, im Moment sogar mit großer Freude und Leichtigkeit. Aber bin ich wirklich mit dem Herzen dabei? Empfinde ich es als Wort Gottes? Bete ich wirklich?

Nein, ich lese die Kapitel weg, ohne sie wirken zu lassen. Ich lese die Kommentare in meinem Andachtsbuch dazu, ohne sie zu verinnerlichen. Ich „plappere“ beim Beten. Die Psalmen, ich rattere sie herunter. Beim Vaterunser denke ich schon an den Abwasch. Beim Angelus ans Mittagessen.

So geht es mir nicht nur bei Bibellese und Gebet. Auch bei ganz weltlichen Dingen. Ich sehe einen Film und kann mich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern. Ich lese ein Buch und kann mich beim nächsten Mal nicht erinnern, wo ich grade bin. Ich surfe im Netz, lese mich durch meine Blogroll, damit der Reader wieder auf „Null“ steht, aber welchen Post lese ich denn wirklich.

Ich zersteue mich, muss immer etwas tun. Keine Zeit zum Nachdenken. Einfach in Ruhe irgendwo sitzen, die Landschaft anschauen, Gedanken kommen und gehen lassen? Nee, mach ich nicht.
Warum?

Das soll mein Fastenvorhaben sein: Dinge, die ich tue, bewußt tun. Mir danach Zeit nehmen, sie zu bedenken. Gott eine Chance beim Beten geben mit mir zu reden. Wenn ich bete gleicht es oft einem Den-Tag-Revue-passieren-lassen. Das war gut, das nicht, da habe ich gefehlt, das wünsche ich mir. Aber das weiß Gott doch, er kennt mein Herz genau, weiß, was ich brauche. Beten heißt Gespräch und nicht Monolog.

Herr, hilf mir ruhig zu werden, Ruhe zuzulassen und auszuhalten. Sprich zu mir. Ich will dich hören.

„Aus-tre-ten! Aus-tre-ten!“

Die letzte Sendung von Günther Jauch hat mal wieder Wellen geschlagen in der katholischen und anti-katholischen Welt. Ich hab sie mir angesehen. Und ich war enttäuscht von Jauch. Für einen Moderator war mir seine (ablehnende) Haltung zu stark erkennbar, seine Fragen wirkten, als müsse er ein Programm abarbeiten. Naja, beim Titel war ja eigentlich schon klar, in welche Richtung es geht und welche Meinung die „richtige“ ist.

Zum Inhalt will ich mich nicht äußern, das kann man nachlesen (beim Mainstream oder der Blogozese, z.B. hier und da).
Für mich hatte die Sendung allerdings einen ganz persönlichen bitteren Nachgeschmack auf facebook. Eine Freundin bedachte Martin Lohmann in einem post nicht gerade mit rühmlichen Adjektiven, fand seinen Auftritt aber „gut“, da er hoffentlich viele dazu animiere, endlich aus der Kirche auszutreten.

 

 

Es hat mich getroffen und verletzt.

 

Und ein paar Tränen konnte ich nicht unterdrücken.

 

Eine Freundin, die selbst katholisch war, die weiß, dass ich katholisch bin.
Es ist ja ihre Sache, wie sie es mit der Kirche hält. Man kann die (katholische) Kirche kritisieren, für sich ablehnen – als Institution oder als Glaubensrichtung. Jeder mag frei entscheiden, seine Meinung äußern, diskutieren. Aber doch bitte mit Respekt, oder?
Es fühlt sich nicht schön an, als jemand abgestempelt zu werden, der zu dumm, zu unaufgeklärt, zu was-auch-immer ist, um aus der Kirche auszutreten.
Denn das ist ja offenbar das angestrebte Ziel, die einzig mögliche Lebensform.

Schade, dass auf diese Entfernung keine Diskussion möglich ist. Ich würde sie gerne führen, zumal ich denke, dass viele Meinungen aus dem Freundeskreis auf Vorurteilen beruhen.

Aber ich gebe zu, Angst vor so einer Diskussion hab ich schon auch…