Christen und das schlechte Gewissen

Ich finde ja, Christen sind besonders prädestiniert für ein schlectes Gewissen. So viele „Du sollst“, so oft „Tu Gutes“, „Hilf den Armen, Hungernden, Kranken, Alten, Verfolgten, Gefangenen“, „Liebe Gott“, „Liebe dich selbst“. Und dann all die Heiligenerzählungen, alle so (scheinbar) perfekt und gut und fromm und gläubig. (Ich weiß, auch Heilige hatten zu kämpfen mit Zweifeln und Ängsten und Schmerzen – aber wieso liest sich selbst das immer so „heilig“?)
Wenn ein nicht-gläubiger Mensch tagelang im Bett bleibt, sich bei niemandem meldet, Geburtstage vergisst, den Abwasch nicht macht – selbst schuld, mit den Konsequenzen muss er leben. Als Christ ist da immer noch jemand, an dem wir uns ausrichten, dem wir nacheifern sollen. Ich find das manchmal ganz schön anstrengend, unschaffbar.

In so einer Verfaasung las ich vor ein paar Tagen das Kalenderblatt vom „Anderen Advent“:

Schale der Liebe

Wenn du vernünftigt bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.
Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle;
wenn nicht, schone dich.

Bernhard von Clairvaux

Genau das habe ich getan. Musste ich tun. Und dabei ist auch das Bloggen auf der Strecke geblieben. Was – vor allem wenn ein Blog noch so neu ist – sicher nicht günstig ist. Aber der Blog soll in erster Linie ja Hilfe für mich sein und mir nicht noch mehr Streß machen, auch wenn ich natürlich auf Leser und Kommentare hoffe. Aber alles zu seiner Zeit.

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