Beten!

Was soll man sonst tun angesichts der Nachrichten aus aller Welt, gefangen in der eigenen Ohnmacht.

Friedensrosenkranz (gemopst von der Ankerperlenfrau)

Jesus, bei dessen Geburt Engel den Frieden verkündeten

Jesus, der unsere Schritte auf den Weg des Friedens lenkt

Jesus, der selig gepriesen hat, die Frieden stiften

Jesus, der seine Jünger gesandt hat, den Frieden zu bringen

Jesus, der uns seinen Frieden hinterlassen hat

(c) donsutherland1 mit creative commons bei flickr.com

(c) donsutherland1 mit creative commons bei flickr.com

“7 Wochen anders leben” …

so lautet die Fastenaktion von andere Zeiten, deren Adventskalender ich liebe, weswegen ich auch bei den Fastenbriefen mitmache.
Im Gegensatz zur Aktion der evangelischen Kirche (7 Wochen ohne) gibt es dabei kein konkretes Fastenziel.
Und doch schwingt bei diesen Aktionen und auch bei den verschiedenen Fastenvorhaben, von denen man jetzt so hört und liest, immer eins mit: Ich will anders leben. Besser. So wie ich eigentlich sein will.
Dazu passt das Zitat von Horvàth:

«Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.»

Aber das ist doch eigentlich Quatsch. Ja, man soll in der Fastenzeit auf etwas verzichten oder etwas anderes bewusst tun. Ja, man soll immer versuchen, ein etwas besser Mensch zu werden. Aber in erster Linie sollte man doch der sein, der man ist. Man Ich sollte mich davor hüten, zu viele Vorsätze in die Fastenzeit zu packen: ohne Internet leben und mehr beten und entrümplen und den Haushalt in Ordnung halten und mehr draußen sein und Gutes tun und weniger über andere urteilen und …
Ich werde in diesen sieben Wochen nicht mein Leben und auch nicht meine Persönlichkeit ändern. Sonst würde die Fastenzeit so enden und die Vorhaben so verpuffen wie die guten Vorsätze zu Neujahr. Wenn ich etwas grundlegend in meinem Leben ändern will, dann sollte ich dies langsam angehen und unabhängig von äußeren Terminen o.ä. Denn die gaukeln einem eine falsche Gewissheit vor, auf der man sich ausruht und weniger investiert und dann wird doch nix. Das ist zumindest meine Erfahrung mit mir selbst bisher ;)
Joggen, ja ja, damit fang ich in Italien an. Haushalt in Ordnung halten, ja, das mach ich in der neuen Wohnung. Ja, Pustekuchen.

Klar, ich wäre auch gern anders. Besser. Aber vielleicht sollte das eigentliche Ziel lauten: Sei so, wie du bist. Akzeptier dich so, wie du bist. Liebe dich so, wie du bist.
“Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST.” Den zweiten Teil dieses Satzes scheinen wir oft zu ignorieren. Unsere eigenen Fehler und Schwächen können wir offenbar nur schlecht annehmen. Bei anderen können wir sie ignorieren, tolerieren, als liebevolle Macke abtun. Ja, wir ermuntern andere, die mit ihren Schwächen hadern, sogar dazu, sie nicht zu ernst zu nehmen. Aber uns selbst gegenüber scheinen wir oft gnadenloser zu sein. Ja, ich spreche von mir: Meine Ansprüche an mich machen mich manchmal ganz schon fertig, sie setzen mich unter Druck. Und ich scheitere an ihnen, was einen Kreislauf aus schlechtem Gewissen und Resignation in Gang setzt.

Das alles soll nicht heißen, dass wir einfach so bleiben sollen, wie wir nun mal sind. Nein, wie schon gesagt, natürlich sollen wir immer danach streben besser zu werden, heilig zu werden. Aber jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Ein Beispiel: Immer wenn ich ein paar Tage Urlaub im Kloster verbringe, merke ich, wie sehr mir die Struktur des Tages gut tut. Das regelmäßige Stundengebet, die festen Essenszeiten. Jedesmal fahre ich ab mit dem Vorsatz, diese Struktur in meinem Alltag zu übernehmen. Jedesmal bin ich bisher daran gescheitert.
Langsam erkenne ich, dass es nicht in erster Linie an mir und mangelndem Einsatz bei zu großer Trägheit lag, sondern an den, wie soll ich’s sagen, äußeren Umständen. Es ist mit Partner, Arbeit, Familie, Freunden, Besorgungen nicht möglich einen so festen Tagesablauf wie in einem Kloster zu haben. Ich sollte nicht versuchen, ein Leben zu imitieren, sondern das, was ich dabei als gut erkannt habe, an meine konkrete Situation angepasst zu übertragen.

Im Tageskalender war neulich ein Spruch zu lesen:

Lerne zu werden, der du bist! (Pindar)

Der hat mich sehr angesprochen. Leider fehlt das Lehrbuch dazu: Werden, der ich bin, in 30 Tagen. Ich muss noch darüber nachdenken, wie das aussehen kann, ja, WER ich denn bin.
Aber eins ist klar, ich kann nicht meinen Nächsten lieben, wenn ich mich selbst nicht liebe. Ich kann andere nicht annehmen, wenn ich mich selbst nicht annehmen kann.

  • Wer bin ich?

Meine Frage zur Fastenzeit.

“Wort des lebendigen Gottes” oder doch nicht?

Heute in der Messe:
Nach der 1. Lesung: “Wort des lebendigen Gottes” – “Dank sei Gott”
Nach der 2. Lesung: “Worte der Heiligen Schrift” – … “D… Da… Dank sei Gott?”

Ist der Satz “Wort des lebendigen Gottes” vorgeschrieben? Gibt es Alternativen? Kann die der Lektor selber aussuchen? Oder gibt es Texte die “nur” Worte der Heiligen Schrift sind?

Kann da jemand liturgisch was zu sagen? Wie ist es bei euch in der Gemeinde?

Mich hat die ungewohnte Form erstmal ziemlich aus der Andacht gebracht. Muss noch überlegen, wie ich das finde.

Fastenvorhaben: offline!

Auf Salomes Blog hab ich es schon angesprochen, mein diesjähriges Fastenvorhaben: Ich will aufs Internet verzichten.

Also, nicht ganz. Mails muss und werde ich checken, ich muss mich ja bewerben usw. Aber sonst nix. Kein facebook, keine blogs (weder aktiv noch passiv), kein googlemaps um Adressen zu suchen, keineVideos, keine minutenaktuellen Nachrichten, kein Regenradar, vor allem aber kein wirklich sinnloses Rumsurfen, ohne wirklich etwas zu suchen, einfach nur um die Zeit tot zu schlagen. Also nicht, dass ich so nicht tolle Seiten und Infos gefunden hätte, aber ehrlicherweise muss ich gestehen: Es ist zu viel. Zu viel Zeit, die verloren geht, zu viele Infos, die ich eh nicht verarbeiten kann. (Schon allein auf meinem feedreader wächst die Zahl der “saved for later” jeden Tag – aber wann soll ich die Artikel denn lesen?!)

Ich bin gespannt, wie es mein Leben beeinflusst. Vielleicht vereinsame ich, weil Freunde sich heutzutage ja meist über facebook verabreden. Vielleicht verpasse ich unglaublich wichtige Nachrichten. Vielleicht werde ich ständig zu spät kommen, weil ich mich verlaufe.

Ich bin gespannt, wie sehr unser Leben vom Internet beeinflusst ist (ohne dass wir es noch merken). Wie erfährt man Abfahrtszeiten von Bussen und Bahnen? Gibt es noch die dicken Fahrplanbücher? Wie hat man früher eine Adresse in einer fremden Stadt gefunden? Wie kriegt man raus, welches Angebot die Suppenbar gerade hat? Wie fühlt es sich an, wenn man nicht immer und überall jede, wirklich jede Information zur Verfügung hat?

Vor allem bin ich gespannt, was ich mit der freien Zeit anfangen werde. Denn es soll ja ein Fasten für mich sein und kein kommunikationswissenschaftliches socialmedia-Experiment. Und ein Fasten für Gott. Ich hoffe, ich werde die Zeit für Gebet und Meditation nutzen. Wieder regelmäßig das Stundengebet beten, ohne App! (Neulich saß doch in der Kirchenbank vor mir wirklich jemand mit Tablet… Ich hoffe, sie hat wirklich die Bibelonline oder die Stundenbuchapp genutzt!) Da ich keinen Fernseher habe, fällt auch das Fernsehen weg, wenn es kein Internet gibt. Bleibt Lesen. Freunde treffen (verabredet per Telefon, ohne whatsapp). Wandern (Tour mit Karte ohne Navi geplant).

Ich werd also auch nicht mehr auf euren Blogs auftauchen in diesen Wochen. Bei einigen wird es mir sehr fehlen!!! Bei anderen, die ich wider besseren Wissens noch in meinem Reader habe, werde ich froh sein, denn meist rege ich mich ja doch nur über die Artikel auf…

Eigene Artikel werd ich auch nicht veröffentlichen, aber ich hoffe, dass ich einige offline vorbereite. Denn es gibt jetzt schon so viele Themen, die mir durch den Kopf gehen (die schon angedeutete Interpretation von Bibelstellen zum Thema Homosexualität, das Unding geschlossener (Autobahn-)Kirchen, die Ohnmacht der Menschen gegenüber all dem Leid, die wundersame Verwandlung netter Christenmenschen zu sarkastischen Kommentatoren hinter einer Tastatur, die Ansprüche an einen selbst, die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit – hach, ob 7 Wochen reichen?) Ich muss aufpassen, mir nicht zu viel vornehmen, sonst wird nix, nur ich frustriert.

Also heißt der Plan ganz einfach: Ohne Internet offen sein. Für mich, für Gott und zur Not auch mal für Langeweile!

lesbisch und katholisch

Nein, das ist kein reißerischer Titel, um Besucher her zu locken. Das ist die Realität. Das ist der Zwiespalt, von dem ich im letzten post gesprochen habe: Ich bin katholisch und lesbisch. Ja, das gibt es wirklich.

Uff. Nun ist das erst mal raus.

Das Thema Homosexualität und (katholische) Kirche ist immer ein heißen Eisen. Und im Moment wieder in vieler Munde, was an bestimmten Äußerungen des Papstes liegt und vor allem an der Umfrage des Vatikans zu Sex und Ehe. Dass ich gerade jetzt mit der Tatsache rausrücke, hat damit aber nix zu tun.
Diese “zwei Seiten von mir” begleiten mich schon jahrelang und ich konnte mal besser, mal schlechter damit leben, hielt sie aber immer etwas “getrennt”. Auslöser nun davon, wenn auch anonym, zu erzählen, war ein Gesprächsabend am Wochenende zur Frage, ob gleichgeschlechtliche Paare einen kirchlichen Segen bekommen können/sollen/müssen/dürfen. Da durfte ich einen Pfarrer erleben, der offen und ehrlich von seiner Meinung, verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten und Lesarten der Bibel erzählte. Auch nach diesem Abend ist nicht alles gut und einfach, aber ich fühlte mich auf eine Art erlöst, wie ich es selten zuvor erlebt habe. Die Worte des Pfarrers haben mich aus dem Entweder-Oder gerissen und mir einen Weg eröffnet, auf dem ich gehen kann, so wie ich bin, lebsich und katholisch.

Ich möchte gern auch etwas zu Bibel und Katechismus sagen und wie o.g. Lesarten aussehen können, doch das erst später. Zunächst will ich ein wenig von mir erzählen. Wie das alles so kam und wurde.

Wie ich merkte, dass ich anders bin

Dass es lesbische und schwule Paare gibt, hab ich irgendwie schon recht früh mitgekriegt. Da waren mal zwei Hand in Hand laufende Männer auf der Straße und der Kellner, den meine Eltern als “andersrum” bezeichneten, na und im BRAVO-Alter dann sowieso. Ich fand es irgendwie spannend, besonders, aber so sein wollte ich nicht!
Was die Pubertät angeht, war ich insgesamt ein ziemlicher Spätzünder. Freundinnen, die sich die Nägel lackierten und rumkicherten, wurden mir igendwie suspekt. Ich mochte es immer noch mit einem Stock in der Hand durch die Wälder zu streifen, sogar mit meinen Eltern. Ich fand mich auch nicht besonders hünsch und kleidete mich eher praktisch als besonders chic – wozu auch, ich liebte meine praktischen Jeans. Als alle in der Klasse anfingen für Jungs (oder Stars) zu schwärmen, na, da machte ich eben mit. Lee von Caught in the Act (Wie peinlich!), dann für Sven von Gegenüber, für – wie hieß er, der Bruder vom Freund meiner Schwester? Ich suchte Fotos, malte Herzchen usw. usw., aber nur weil man das eben so macht. In mein Tagebuch hat es keiner von denen geschafft.

Zeitgleich bemerkte ich, dass ich die Artikel in der Bravo zum Thema Homosexualität immer zuerst las (ich hab immer noch eine Ausgabe mit ner Fotolovestory von zwei Frauen…), dass ich die halbe Seite im Biobuch, die sich damit beschäftigte, immer wieder las. So nach und nach gestand ich mir ein, dass ich wohl “auf Frauen stehe”.

Coming-Outs

Und schließlich verliebte ich mich in eine sehr gute Freundin (aus der Jugendgruppe meiner Pfarrgemeinde – klar!). Ich kann mich nicht wirklich erinnern, dass mich diese Erkenntnis in Panik oder Depression versetzte. Ich glaube nicht. Irgendwann erzählte ich einer anderen Freundin davon. Die sehr sehr cool reagierte. Die andere Freundin, der ich schließlich meine Liebe gestand (nach der Jugendbeichte vor Ostern - welch pubertärer Sinn für Dramatik), reagierte nicht cool. Ganz im Gegenteil. Sie wollte mich nicht mehr allein treffen, nicht mehr umarmen. Ich litt wie ein Schwein. Aber nicht, weil ich lesbisch war, sondern weil ich einfachen, ganz “normalen” Liebeskummer hatte.

Nach und nach erfuhren immer mehr Freunde aus Jugend und Schule davon. Und ich hatte echt Glück, manche waren interessiert, anderen war es egal, Diskrimmierung hab ich nicht erlebt! Ich war gut integriert, hatte meine Freunde vor allem in der Jugend. Glauben und Kirchgang waren selbstverständlich. Ich engagierte mich eine Weile sogar als Jugendvertreterin im Pfarrgemeinderat, sang in der Jugendschola, die Kirche und die Gemeinderäume waren mein zweites Zuhause. Es war kein Problem, meine sexuelle Orientierung mit meinem katholischen Glauben zu vereinbaren.

Die Reaktion der Eltern

Es folgten hilflose Flirtversuche meinerseits und in meinen Träumen “überzeugte” ich die Hetero-Freundin davon, dass lesbische Liebe doch viel schöner ist… Ein paar Jungs versuchten mit mir anzubandeln, einmal ließ ich mich drauf ein, ich war halt einsam, aber Gefühle waren nicht dabei, so ging es auch nur ein paar Wochen gut. Irgendwann bahnte sich ein kleiner gegenseitiger Flirt mit einer Schulfreundin an und ich erlebte meinen ersten Kuss, ihre wohltuende Nähe.
Über die Sommerferien verlief sich das dann irgendwie und eine Beziehung mit einer Frau kam für sie wohl sowieso nicht in Frage. Ich litt nicht ganz so sehr, merkte aber dass diese Gefühle nun wirklich ernst sind und nicht mehr weggehen werden. Und so stand das Coming out bei meinen Eltern an. Ich hab so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, wenn man sich Coming out-Ratgeber durchliest. Um es kurz zu machen: Sie reagierten schockiert, abweisend. “Was sollen die Nachbarn sagen?!” “Das ist nur eine Phase!” “Das denkst du nur, weil man es so oft im Fernsehen sieht!” (Bei Verbotene Liebe gab es zu der Zeit grade eine rührende lesbische Liebesgeschichte…) Ich heulte wie noch nie in meinem Leben.

Nach diesem einen Gespräch wurde das Thema für die nächsten Jahre nie wieder angeschnitten. Ich lebte weiterhin zu Hause, wahrscheinlich fuhr ich sogar noch mit meinen Eltern in den Urlaub, aber wie lebten nur nebeneinander, sprachen nur über Äußerlichkeiten, das Essen, die Termine. Darüber, wie es mir ging, was für Freunde ich habe, was mich bewegt – kein Wort . Ich igelte mich ein und war manchmal echt fies zu meinen Eltern. Um die Jahre tut es mir heute noch leid.

Lesbisch leben

Mit meinen Freunden fühlte ich mich wohl, ich war viel unterwegs, hatte tolle Gespräche und Begegnungen. Nur eine feste Freundin hatte ich nicht. Ja, ich hatte nicht mal lesbische Bekannte. Ich las Bücher übers Coming Out, lebsiche Jugendromane und schrieb selbst sehr viel. Schließlich kam das Studium und ich hatte mich inzwischen so mit meiner Sexualität arrangiert, dass ich es nicht mehr “nötig hatte” mich zu outen. Also nicht in dem Sinn, dass ich mich vor jemanden stellte und sagte: “Hallo und übrigens ich bin lesbisch.” sondern es ergab sich in Gesprächen oder wurde durch Bemerkungen einfach klar.

Schließlich war klar, so geht es nicht weiter, ich muss lesbische Frauen kennenlernen. Über eine Lesbengruppe, mehr noch über eine Kontaktanzeige lernte ich so die Frauen kennen, von denen die meisten immer noch zu meinen engsten Freunden zählen. Ein neuer Freundes- und Bekanntenkreis tat sich auf und damit auch neue Unternehmungen: schwul-lesbische Disko, CSD, Frauenstammtisch.
Im Rückblick hatte ich immer das Glück tolle Freunde um mich zu haben. Zwar hat es leider bisher keine Freundschaft in dieser Intensität über all die Jahre geschafft, sondern mit jedem Lebensphasenwechsel änderte sich auch der Freundeskreis, was ich manchmal sehr schade finde, aber ich hatte immer Vertraute um mich. Und die brauchte ich auch, denn ich war sehr einsam ohne eine feste Freundin.
Mein Selbstbewusstsein war nach wie vor nicht doll, ich hielt mich nach wie vor nicht für hübsch. Die verlogene Beziehung zu meinen Eltern belastete mich auch mehr, als ich mir eingestehen wollte und ich merkte langsam, dass sich da dieser Zwiespalt auftut. Zwischen meinem katholischen Leben, was ich nach wie vor praktizierte und meiner Homosexualität.
Während ich an der Uni und auf Partys kein Problem damit hatte, als Lesbe warhgenommen zu werden, wurde dies in der Gemeinde gut versteckt. Und wie sehr trafen mich Äußerungen von Kardinal Meisner und ich konnte lange Zeit das “an die KATHOLISCHE Kirche” im Glaubensbekenntnis nicht mitsprechen. Aber wie konnte das sein? Ich hatte doch gelernt, dass Gott mich geschaffen hat, Gott mich liebt, wie kann denn dann die Kirche, in der ich diesen liebenden Gott doch kennengelernt hatte, sagen dass das eine schwere Sünde ist?!

Nicht mehr allein, aber schrecklich einsam

Irgendwann mit 21 lernte ich schließlich meine erste richtige Freundin kennen, mit der ich bis heute zusammen bin und hoffentlich für immer.
Das zweite Gespräch mit meinen Eltern über meine Homosexualität nach 6 Jahren Tabuisierung des Themas verlief dann auch ganz anders. Voller Vertrauen, Liebe, Annahme und offener Herzlichkeit gegenüber meiner Freundin. Ich weiß nicht, wie meine Eltern diese 6 Jahre erlebten, vielleicht frage ich irgendwann. An diesem Abend war ich einfach nur glücklich!

Doch nach und nach wurde der Zwiespalt wieder größer. Vor allem als ich anfing meinen Glauben auch mehr im Alltag leben zu wollen und ihn nicht nur auf sonntägliche Gottesdienstbesuche beschränken wollte. Ich fing an das Stundengebet zu beten, auch wochentags mal in die Messe zu gehen. Aber ich fühlte mich wie ein Fremdkörper, als würde ich lügen, denn ich lebte ja in schwerer Sünde, ich wusste es und tat es trotzdem. War es dann nicht Heuchelei in die Messe zu gehen, zu beten? Aber ich wollte es, ich wollte die Beziehung zu Gott vertiefen. Aber es schien so, als könnte ich meinen Glauben nur allein leben.
Einmal fuhr ich zu Frauenbesinnungstagen, aber ich kam mir fehl am Platz vor. Ich hatte so ganz andere Probleme als die anderen Teilnehmerinnen und ich konnte mich nicht öffnen, ich hatte zu viel Angst vor Ablehnung, Anfeindung.

So war ich wieder sehr einsam. Ich suchte im Internet nach Seiten, die sich mit Homosexualität und Kirche auseinander setzen, stieß auf die HuK und andere Initiativen und fand das bestätigt, was ich fühlte: es geht, man kann glauben und homosexuell sein. Ich analysierte die Bibelstellen, studierte den Katechismus, las Texte und wurde zu einem halben Theologe. Ich versuchte, eine objektive, fundierte Begründung zu finden, dass gelebte Homosexualität nicht Sünde sein kann.
Doch es ging nicht, alles Lesen, alle Erfahrungsberichte reichten nicht, um den nagenden Zweifel verstummen zu lassen. Je mehr ich mich damit beschäftigte, umso unmöglicher schien es mir, meinen katholischen Glauben zu praktizieren und weiterhin in einer lesbischen Beziehung zu leben. Dabei wollte ich doch nichts weiter als ein guter Christ sein. Aber hieße das wirklich, keusch zu leben? Meine Freundin nach 7 Jahren Beziehung zu verlassen? Wer sollte das verstehen? Wie könnte Gott das wollen, dass ich einen Menschen, der mich offen und ehrlich liebt, mit mir durch gute und schlechte Zeiten geht, so verletze?!

Leider schaffte ich es nicht, mit einem Pfarrer darüber zu reden. Ich hatte so große Angst, dass er bestätigt, dass es Sünde sei, dass die Hölle für mich vorprogrammiert ist, oder noch schlimmer Mitleid zu erhalten. So lebte ich weiter in dieser diffusen Unklarheit. Von meinen lebsichen Freundinnen war niemand katholisch bzw. einigen WAREN katholisch, inzwischen aber ausgetreten und konnten auch nicht verstehen, wie ich “immer noch in diesem Verein” sein konnte. Unverständnis, wenn ich Karfreitag nicht mit auf Party ging, Kopfschütteln, als ich vom Papst erzählte. Ein Gespräch über meinen Glauben kam nicht zustande. Dass mich einige Kommentare sehr verletzten, merkten sie nicht. In ihren Augen war ich wohl wirklich nur zu faul oder ignorant um auszutreten, dass es mir dabei um meine Beziehung zu Gott ging, kam ihnen nicht in den Sinn. Ich saß zwischen den Stühlen. Mehr als einmal brach ich vor Aufregung und/oder Verzweiflung ob dieser Ausweglosigkeit fast zusammen.

Die Suche nach Auswegen

Evangelisch werden als Option? Nein, das kam nicht in Frage. Ich war “zu katholisch”, das Verständnis der Sakramente, vor allem des Altarsakraments, die Heiligen, die Anbetung – all das ist mir zu wichtig. Bei meinen vielen Internetrecherchen stieß ich auf die Altkatholiken, die scheinbar das waren, was ich suchte. Eine katholische Kirche, die gelebte Homosexualität akzeptiert. Diese Möglichkeit schien durchaus reizvoll. Aber “meiner” römisch-katholischen Kirche den Rücken kehren? Denn auch eine innerchristliche Konversion setzt den Austritt voraus. Selbst meine Freundin, die nicht getauft ist und auch nicht an Gott glaubt, aber wurdervoll offen und interessiert ist, sagte, dass sie sich das bei mir nicht vorstellen könne.

Der innere Druck wurde immer größer und schließlich spielte Gott mir zwei wunderbare Gelegenheiten zu: Ich traf auf einer Gemeindeveranstaltung den Pfarrer wieder, der zu meiner Jugendzeit Jugendseelsorger war, bei dem mein Glaube sozusagen erwachsen geworden war, und ich fasste mir ein Herz und bat ihn um ein Gespräch. Noch bevor dieses stattfinden wird, entdeckte ich o.g. Gesprächsabend, zu dem ich gehen konnte, ohne mich gleich outen zu müssen, bei dem ich einfach nur zuhören konnte und zum ersten mal einen katholischen Pfarrer live über das Thema Homosexualität sprechen hörte, fragen konnte, mich vorsichtig mit anderen austauschen konnte.

Es war ein fantastischer Abend. Auch als “ordentlicher” Katholik muss man gelebte Homosexualität nicht als (schwere) Sünde sehen. Ein Pfarrer mit diese Meinung saß direkt vor mir. Einer, der homosexuellen Paaren, den Segen Gottes zuspricht! Einer, der ermuntert, “trotzdem” zur Kommunion zu gehen! Ich war wie im Rausch. Erst als ich wieder zu Hause war, flossen die Tränen nur so aus mir heraus, Tränen der Erlösung, der Erleichterung! Wie sehr lag es mir auf der Seele, erst durch all die Tränen wurde mir bewusst, wie sehr…

Natürlich ist es nicht von heute auf morgen gut, aber es gibt einen Weg, einen Weg, den ich nicht allein gehen muss! Einen Weg als Lesbe in der römisch-katholischen Kirche!

Still war’s im Blog

Das hat mehrere Gründe.

Zum einen bin ich offenbar doch nicht so der regelmäßige Schreiber, wie ich dachte und es gern wäre…

Zum anderen bin ich momentan generell sehr antriebslos und – man kann es so drastisch formulieren – faul. Nach der so lange ersehnten Rückkehr aus Italien fehlt mir nun zurück “zu Hause” die (berufliche) Perspektive.

Außerdem – und das ist der Hauptgrund – trage ich schon seit langem einen Zwiespalt in mir und mit mir herum, der mich lähmt, ängstigt. Was das betrifft, wird sich in den nächsten Tagen irgendetwas ändern. Was und ich welche Richtung, das weiß ich nicht und ich gebe zu, ich habe – na sagen wir, großen Respekt davor. Auf jeden Fall möchte ich darüber bloggen und der Text heute ist sozusagen die Ankündigung. Für mich als Verpflichtung, vor allem aber auch für die, die trotz der unregelmäßigen Posts noch ab und an bei mir vorbeischauen.

Bis dahin könnte ich ein kleines Gebet gebrauchen – auch wenn das alles noch sehr kryptisch klingt.